Fazit / Archiv /

Genozid-PR und gutes Entertainment

Regisseur Milo Rau über sein Projekt "Hate Radio"

Ein Friedhof in Kigali, auf dem tausende Opfer des Genozids von 1994 beerdigt sind
Ein Friedhof in Kigali, auf dem tausende Opfer des Genozids von 1994 beerdigt sind

Bis zu eine Million Menschen starben 1994 beim Völkermord in Ruanda. Zu ihren Taten angestachelt wurden die Hutu-Milizen auch durch die Hetzpropaganda eines Radiosenders. Der Schweizer Autor Milo Rau hat das Geschehen nun zu einem Theaterprojekt verarbeitet.

Das Projekt "Hate Radio", das ab Donnerstag im Berliner Hebbel am Ufer zu sehen ist, ist eine Koproduktion des International Institute of Political Murder (IIPM), der Gedenkstätte in Kigali und mehrerer Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Regisseur Milo Rau hat für "Hate Radio" anderthalb Jahre recherchiert und aus den erhaltenen Transkripten eine typische, einstündige Abendsendung des Hetzsenders RTLM kompiliert.

Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur sagte Milo Rau:

"Typisch heißt bei diesem Radio: Ein sehr eklektisches Gemisch aus moderner Popmusik - also zum Beispiel es läuft Nirvana, es läuft "I like to move it" - zwischen normalen Nachrichten, da geht es um die Weltmeisterschaft, die ja 1994 ist, die Tour de France, Aufrufe zum Massenmord, Geschichtsquiz, Leute, die anrufen, um andere Leute zu denunzieren - also ein Gemisch aus extremstem Rassismus, ein Aufruf halt wirklich, die Tutsi auszurotten, und gutem Entertainment. Und das habe ich versucht, zu kondensieren in dieser Stunde, zu zeigen, dass das Böse nicht im Gewand des Bösen daherkommt, sondern als coole Piratenstation."

Hören Sie das vollständige Interview mit Milo Rau mindestens bis zum 29. April 2012 als mp3-Audio.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Als das Radio zum Genozid aufrief

 

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Er war der Meister"

Der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez sitzt mit einer Zeitung auf einer Parkbank.

Ob nun hundert oder tausend Jahre Trauer angemessen sind, darüber streiten die Gelehrten in den deutschen Feuilletons. Der Tod von Gabriel García Márquez bewegt die Literaturkritiker.

 

Fazit

Gabriel García Márquez"Einfach ein Genie der Worte"

Gabriel García Márquez

"Es ist, als wäre er unser Homer", sagt der Autor Héctor Abad Faciolince über seinen Landsmann, den kolumbianischen Schriftsteller Gabriel García Márquez. Lateinamerika verliere einen wunderbaren Denker.

Auto Kult auf vier Rädern

Ford Mustang Fastback V8 auf einer Landstraße

Weil die Jugend in den 60ern in den USA viel Geld zur Verfügung hatte, entwickelten die Konstrukteure in Detroit diesen Flitzer. Später düsten sogar Steve McQueen und James Bond damit über die Leinwand.

OsterreiheWundert Euch

Bunt verzierte Ostereier hängen am 8. April 2014 an einem Forsythienstrauch.

Ostern ist für Christen das wichtigste Fest des Jahres. Der Höhepunkt der Feiertage ist die Auferstehung Jesus. Ein Wunder, das für viele Menschen einen zentralen Glaubensinhalt darstellt.