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"Rimini Protokoll"Hitzewelle auf der Hinterbühne
Die Umweltexperten Florian Rauser, Satya Bhowmik, Schirin Fahti, Kenneth Gbandi, Sabine Hain, Bernd Hezel und Ana Soliz Landivar Stange (l-r) agieren am 18.11.2014 in Hamburg auf der Fotoprobe von "Welt-Klimakonferenz". Das Projekt von Rimini Protokoll, bei dem die Zuschauer die Rollen der Teilnehmer einer internationalen Klimakonferenz übernehmen, feiert seine Uraufführung am 21.11.2014 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Foto: Markus Scholz

"Rimini Protokoll" gab mit der "Welt-Klimakonferenz" in Hamburg eine große Rollenspiel-Party, die zumindest anfangs sehr faszinierte. Wer sich einen Abend wie ein engagierter Delegierter gefühlt hat, wird die echten Klima-Verhandlungen künftig mit ganz anderen Augen sehen.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.11.2011

Genozid-PR und gutes Entertainment

Regisseur Milo Rau über sein Projekt "Hate Radio"

Ein Friedhof in Kigali, auf dem tausende Opfer des Genozids von 1994 beerdigt sind
Ein Friedhof in Kigali, auf dem tausende Opfer des Genozids von 1994 beerdigt sind

Bis zu eine Million Menschen starben 1994 beim Völkermord in Ruanda. Zu ihren Taten angestachelt wurden die Hutu-Milizen auch durch die Hetzpropaganda eines Radiosenders. Der Schweizer Autor Milo Rau hat das Geschehen nun zu einem Theaterprojekt verarbeitet.

Das Projekt "Hate Radio", das ab Donnerstag im Berliner Hebbel am Ufer zu sehen ist, ist eine Koproduktion des International Institute of Political Murder (IIPM), der Gedenkstätte in Kigali und mehrerer Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Regisseur Milo Rau hat für "Hate Radio" anderthalb Jahre recherchiert und aus den erhaltenen Transkripten eine typische, einstündige Abendsendung des Hetzsenders RTLM kompiliert.

Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur sagte Milo Rau:

"Typisch heißt bei diesem Radio: Ein sehr eklektisches Gemisch aus moderner Popmusik - also zum Beispiel es läuft Nirvana, es läuft "I like to move it" - zwischen normalen Nachrichten, da geht es um die Weltmeisterschaft, die ja 1994 ist, die Tour de France, Aufrufe zum Massenmord, Geschichtsquiz, Leute, die anrufen, um andere Leute zu denunzieren - also ein Gemisch aus extremstem Rassismus, ein Aufruf halt wirklich, die Tutsi auszurotten, und gutem Entertainment. Und das habe ich versucht, zu kondensieren in dieser Stunde, zu zeigen, dass das Böse nicht im Gewand des Bösen daherkommt, sondern als coole Piratenstation."

Hören Sie das vollständige Interview mit Milo Rau mindestens bis zum 29. April 2012 als mp3-Audio.

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Als das Radio zum Genozid aufrief