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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.10.2005

"Geigers Buch ist langweilig"

Kritik an der Verleihung des Deutschen Buchpreises an Arno Geiger

Der österreichische Autor Arno Geiger bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2005 im Frankfurter Römer. (AP)
Der österreichische Autor Arno Geiger bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2005 im Frankfurter Römer. (AP)

Der österreichische Autor Arno Geiger erhält den Deutschen Buchpreis 2005 für seinen Roman "Es geht uns gut". "<em>Es geht uns gut</em> ist nach Überzeugung der Jury ein Roman, der ebenso genau wie leicht vom Gewicht des Lebens spricht", begründete Jury-Sprecher Bodo Kirchhoff die Entscheidung bei der Preisverleihung im Frankfurter Römer.

Aus rund 150 Romanen stellte die Jury eine 20 Titel umfassende "Longlist" zusammen. Daraus haben die Juroren sechs Titel für die "Shortlist" gewählt.

Nach einer ausführlichen Diskussion über die sechs Bücher der Shortlist, in der noch einmal um alle Werke gestritten worden sei, habe die Jury Geigers Werk mit einer klaren Mehrheit zum besten deutschsprachigen Roman des Jahres bestimmt. Ihr gehören außerdem an: Verena Auffermann (Kritikerin), Klaus Bittner (Buchhandlung Klaus Bittner), Volker Hage (DER SPIEGEL), Wolfgang Herles (Aspekte, ZDF), Armin Thurnher (Der Falter, Wien) und Juli Zeh (Autorin).

Arno Geiger hat sich gegen Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt, Rowohlt), Thomas Lehr (42, Aufbau-Verlag), Gert Loschütz (Dunkle Gesellschaft, Frankfurter Verlagsanstalt), Gila Lustiger (So sind wir, Berlin Verlag) und Friederike Mayröcker (Und ich schüttelte einen Liebling, Suhrkamp) durchgesetzt. Er erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2005 zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erstmals zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Buchhandel verspricht sich dafür eine Verbesserung des Auslandsgeschäfts.

Unter Literaturkritikern stößt diese Entscheidung eher auf Ablehnung, sagte Helmut Böttiger in Fazit. Er glaubt, die Jury habe sich auf Geigers Roman geeinigt, weil er der größte gemeinsame Nenner war:

"Ich kann mir nur vorstellen, dass man sich irgendwie geeinigt hat, es muss irgendwie was Leichtes, Verständliches sein, das vielleicht größere Leserschichten erreicht. Aber da könnte man viel risikovoller vorgehen und einen wirklich literarisch interessanten Text nehmen - der setzt sich nämlich auf die Dauer viel eher durch. "

Geigers Roman sei literarisch nur von minderer Qualität, so Böttiger:

"Das Buch von Arno Geiger ist einfach zu langweilig. Wenn man es genauer anschaut, dann fällt einem auf, das ist eine hölzerne Kanzleisprache, er schreibt drei Generationen lang ein Geschichtsbuch ab, also wie ein Leistungskursunterricht Geschichte, und es gibt überhaupt nichts Überraschendes. Schon bei den ersten Seiten merkt man, es sind Plattitüden, die einfach in einer relativ langweiligen Sprache nachgekaut werden. "

Böttiger kritisierte, dass schon in der Vorauswahl literarisch interessante Texte wie "Abtrünnig" von Reinhard Jirgl oder "Neue Leben" von Ingo Schulze außen vorgelassen wurden, weil sie als schwierig galten. Dabei, so Böttiger, komme an Schulze in diesem Jahr keiner vorbei:

"Natürlich ist Ingo Schulze das Buch der Saison, das wird sich auf der Buchmesse herausstellen."

Sie können das Gespräch mit Helmut Böttiger über den Audio-Link in der rechten Spalte hören.

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