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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 11.02.2013

"Gegangen werden"

Über die Vorzüge von Exoskeletten, motorisch betriebenen Prothesen

Von Almuth Knigge

Ein junger Mann trägt einen von der Berliner Technischen Universität Berlin entwickelten Skelettroboter an seinen Beinen
Ein junger Mann trägt einen von der Berliner Technischen Universität Berlin entwickelten Skelettroboter an seinen Beinen (dpa / picture alliance / TU Berlin)

Rund 80 Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind auf einen Rollstuhl angewiesen, doch inzwischen gibt es sogenannte Exoskelette, elektrische Gehhilfen, die zum aufrechten Gang verhelfen können. Tom Schwietzer, seit 18 Jahren querschnittsgelähmt, hat eines der Systeme ausprobiert.

"Es ist nichts anderes als, ganz platt gesagt, als gegangen werden."

Tom Schwietzer, 35, pragmatischer Pommer, querschnittsgelähmt. Tom testet eine Art Roboter, der wie ein äußeres Skelett – ein so genanntes Exoskelett – auf den Körper angelegt wird. Das Modell heißt Rewalk und ist eines von vier verschiedenen Systemen weltweit. Das biblische Wunder, Lahme zum gehen zu bringen, soll wahr werden, zumindest ein bisschen.

Borgwald: "Die müssen richtig schön festgeschnallt sein, damit der Patient nicht aus dem Gerät rausfällt."

Seine Physiotherapeutin Nicole Borgwald hilft Tom, das Gerüst anzulegen. Es liegt wie eine Art Gliedermarionette auf dem Stuhl. Mit breiten Klettverschlüssen an Unterschenkel, Oberschenkel, Taille und Bauch schnallt sich Tom an das Gerät an. Vor 18 Jahren wurde er durch einen Motorradunfall querschnittsgelähmt.

"Ich bin soweit."

So, jetzt wird es spannend. Tom soll aufstehen. Durch eine Art Uhr am Handgelenk werden Befehle wie bei der Serie Knight Rider per Funk zu einem Computer gesendet. Vier Knöpfe für vier Funktionen gibt es. Aufstehen, laufen, hinsetzen, Treppensteigen. Wenn Tom "laufen" drückt, sind alle anderen Funktionen blockiert. Das verhindert zum Beispiel, dass er sich ungewollt hinsetzt. Der Computer ist zusammen mit den Akkus und einer Reihe von Steuerelementen in einem Rucksack versteckt. Er steuert Toms Bewegungen. Zumindest theoretisch.

"Scheiß Stuhl, ist wieder weggerutscht!"

Wie in einer Wellenbewegung richtet sich das Gerüst auf - und mit ihm Tom.

Borgwald: "Sieht sonst eleganter aus …"

Schwietzer: "Vor allem selbstständig, dat ist ja das Wichtige ... gut …"

Borgwald: "Ok!"

Er steht. Tom stützt sich auf seine Gehhilfen. Die helfen, das Gleichgewicht zu halten. Ohne Krücken geht es nicht. Loslaufen.

"Man stellt den Modus auf der Uhr ein und muss dann mit Oberkörperverlagerung den ersten Schritt auslösen."

Ein Sensor in Höhe der Hüfte registriert die Oberkörperbeugung. Steht Tom gerade, vollführt das Exoskelett auch keine Bewegung, beugt er sich vor, beginnt es zu laufen.

"Das Gerät fängt immer mit dem rechten Fuß an zu laufen. Dazu muss ich das Gewicht verlagern nach vorne links. Nach vorne, um den Gehmodus zu aktivieren, also, ich hab den auf der Uhr aktiviert, aber nur die Aktivierung auf der Uhr reicht ja nicht aus. Ich selber durch Oberkörperverlagerung starte das laufen, also muss ich mich nach vorne verlagern, und da das Gerät den rechten Schritt zuerst macht, muss ich mich nach vorne links verlagern, damit ich ausschließlich das Gewicht auf dem linken Bein hab."

Das Exoskelett ist individuell auf Tom eingestellt. Länge der Gliedmaßen, Umfang der Hüfte und Beine, Gewicht. Mit Hilfe dieser Köperdaten wird der Gang sozusagen programmiert. Schrittlänge, Kniebeuge – oder wie hoch die Treppen sind, die er überwinden muss.

"Zum Beispiel die Höhe der Schritte. Wie hoch hebt der den Oberschenkel oder wie weit knickt der den Unterschenkel ein. Um dann den Schritt auszuführen."

Vier Motoren an Hüfte und Knie halten die robotische Hülle in Gang. Mit maximal 3 km /h könnte sich Tom jetzt theoretisch vier Stunden ununterbrochen bewegen. Soweit ist er aber noch nicht.

Schwietzer: "Irgendwann sicher Intuition, aber bei mir noch lange nicht – also ich muss mich darauf schon noch konzentrieren. Deshalb guck ich noch nach unten."

Borgwald: "Und du darfst nicht reden beim Laufen, das geht noch nicht."

Schwietzer: "Was mir bei diesem Gerät aufgefallen ist, was mich einfach überzeugt hat, dass das Laufen mit diesem Gerät sehr flüssig aussieht. Es gibt andere Geräte, da kann man nicht hingucken, das sieht dermaßen schlimm aus, das ist gestöckelt werden von A nach B. Und das wär für mich auch dann der Grund, wo ich sagen würde, so 'ne gewisse Ästhetik beim Laufen gehört auch dazu, sonst fahr ich Rollstuhl."

"Diese Geräusche sind schon von Nachteil, aber nichts desto trotz würde ich es schon im Alltag nutzen, also, ich hab kein Problem damit, so geräuschvoll durchs Leben zu gehen, die Leute gucken sowieso."

Vom dem Gerät versprechen sich Ärzte und Therapeuten auch medizinische Vorteile. Gelähmte können Kreislaufprobleme und Schwellungen haben, Spastiken, Muskelschwund und Osteoporose entwickeln. Stehen und Bewegung hilf dagegen sehr, solchen Folgeerkrankungen vorzubeugen. Am schwersten wiegt aber der psychologische Effekt.

"Also, man guckt aus ´ner neuen Perspektive, weil man einfach einen Meter höher steht."

Immer mehr Hersteller drängen zur Zeit auf den Markt für Exoskelette. In 20 Jahren wird der Rollstuhl nicht mehr gebraucht, prophezeien die Entwickler.

"Das war das Prinzip."

Wunder vollbringen, wie vielleicht einige Gelähmte heimlich doch hoffen, kann aber auch das Exoskelett nicht:

"Man kann damit den ganzen Tag rumlaufen. Nur man darf nicht vergessen, man wird gelaufen. Man kann ja nicht das Gerät ausziehen und dann kann man auf einmal wieder laufen… das ist Quatsch. Ohne passiert nichts."