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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 22.01.2016

Gefangen in der FilterblaseManipuliert Facebook unser Denken?

Von Jenny Genzmer

Das Logo des US-Konzerns Facebook. (afp / Jonathan Nackstrand)
Ist Facebook mitverantwortlich für Hass im Netz? (afp / Jonathan Nackstrand)

Facebook bestärkt viele Menschen in ihren vorgefassten Meinungen. Das Netzwerk kann Hass und Extremismus befeuern, warnen manche. Doch wie gefährlich sind solche Filterblasen wirklich? Und wie entstehen sie? Experten sind sich uneins - eine Debatte.

Nachdem Facebook wegen der vielen Hasskommentare stark kritisiert wurde, hat das Unternehmen eingelenkt. Zumindest ein bisschen. Eine Millionen Euro sollen in die Förderung von Nichtregierungsorganisationen fließen, die Rechtsextremismus im Internet bekämpfen. Das hat Facebooks Top-Managerin Sheryl Sandberg Anfang dieser Woche angekündigt.

Für den Berliner Richter Ulf Buermeyer bleibt Facebook dennoch mitverantwortlich dafür, dass sich Rechtsextremismus in der Gesellschaft verbreitet. In seinem Politischen Feuilleton argumentiert er, soziale Netzwerke seien zwar nicht die Ursache für Ausländerhass. "Doch die Plattform wirkt mit ihren Algorithmen als geistiger Brandbeschleuniger, ohne den die gegenwärtige Welle der Fremdenfeindlichkeit kaum denkbar wäre", so Buermeyer.

Filterblasen bei Facebook - Algorithmus oder einseitiger Freundeskreis?

(Deutschlandradio / Matthias Dreier)Professor Doktor Martin Emmer forscht an der FU Berlin zu Internetthemen und Mediennutzung (Deutschlandradio / Matthias Dreier)

Der Kommunikationswissenschaftler Martin Emmer hingegen sagt im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur, dass die Auswirkungen, die Facebook auf die Kommunikation von Menschen hat, überschätzt werden. Seine Forschungen belegen nicht, dass Nutzer, die sich in sozialen Netzwerken bewegen, eine andere Realitätswahrnehmung hätten als jene, die sie nicht nutzen. Emmer stellt auch den Anteil Facebooks an der Zunahme von Hassdebatten infrage. Diese hätten auch früher stattgefunden, sagt er, nun seien sie nur sichtbarer geworden.

Auch die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg distanziert sich von Buermeyers These über Facebook. Es liege weniger an den Algorithmen als an den einseitigen Freundeskreisen, dass Menschen in Filter-Blasen leben, schreibt sie auf Twitter.

Der Publizist Christoph Kappes sekundiert: "Die Filter Bubble erzeugen Menschen ggf selbst, der Algo reproduziert das dann".

Geprägt wurde der Begriff "Filter Bubble" von dem Autor und Netzkritiker Eli Pariser. Mit seinem gleichnamigen Buch hat er eine kontroverse Debatte ausgelöst. Lesen Sie hier unsere Rezension aus dem Jahr 2012.

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