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Studio 9 | Beitrag vom 19.02.2016

Gedenken in neuem Kleid Wiedereröffnung des Mémorial von Verdun

Von Jürgen König, Deutschlandradio-Korrespondent Paris

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Vor dem Jahrestag anlässlich von 100 Jahren Erster Weltkrieg (1914 - 1918) - Schlacht von Verdun. Ein Mann und ein Junge durchstreifen die Gedenkkreuze für die gefallenen Soldaten. Anlässlich der Hundertjahrfeier der Schlacht von Verdun soll das neue "Verdun Memorial" eröffnet werden.  (picture alliance / dpa / MAXPPP)
Blick auf das neue Verdun Memorial (picture alliance / dpa / MAXPPP)

Am 21. Februar 1916 begann die Schlacht um Verdun, die zum Symbol des Massentötens im ersten Weltkrieg wurde. 1969 wurde die Gedenkstätte, das "mémorial", auf Initiative der Veteranen gegründet. Nun ist das Museum restauriert, erweitert und umgebaut worden.

In modernem Gewand kommt das neue "Mémorial de Verdun" daher – sein monumentaler, auf Wunsch der Veteranen 1967 errichteter  Vorgängerbau  war vor allem Gedenkstätte gewesen – nicht zum Andenken an "die Gefallenen", sondern zum Andenken an die gefallenen Franzosen, von einer "nationalen Weihestätte" zu sprechen, ist nicht übertrieben. Thierry Hubscher, der Direktor des "Mémorial de Verdun":

"In Verdun haben ungefähr drei Viertel der französischen Truppen gekämpft... Diese Schlacht hat sich bei allen Familien eingeschrieben, jeder hat irgendwie in Verdun gekämpft. Und: Verdun war im 1. Weltkrieg die erste… industrielle Schlacht."

Materialschlacht, Stellungskrieg, von exzessiver Gewalt, unglaublicher Brutalität und dabei militärisch, schaut man auf das Ergebnis: sinnlos. 310.000 Tote  - schätzt man -  167.000 auf der französischen, 143.000 auf der deutschen Seite, etwa 400.000 Verwundete, insgesamt wurden fast vier Millionen Soldaten in die Schlacht geschickt.

Vieles erhalten, Entscheidendes verändert

Verdun – ein mythischer Ort für Frankreich – um so mutiger die Entscheidung, den alten Bau zugunsten eines neuen fast völlig verschwinden zu lassen. Im Inneren blieben nur die Betonkonstruktion und der Haupteingang stehen, letzteren ließ das Architektenbüro Brochet-Lajus-Pueyo in einem Erdwall verschwinden: man betritt das Mémorial von unten, wie durch einen Schützengraben, darüber, den Umriss des Vorgängerbaus aufgreifend, ein gläserner Neubau. Man habe, so Thierry Hubscher, den Geist des Mémorial von 1967  unbedingt erhalten wollen – wenn auch etwas Entscheidendes sich geändert habe:

"Das Mémorial war und bleibt ein Ort, dafür bestimmt, der Kämpfer von Verdun zu gedenken. Aber wir sprechen heute von den Kriegsteilnehmern, den Kämpfern von Verdun, es ist egal, welcher Nationalität sie waren. Das ist der rote Faden: "die" Kämpfenden von Verdun. Und insofern ist das Mémorial von heute auch ein Instrument, um die Schlacht von Verdun darzustellen. Es gibt keine Zeitzeugen mehr, Verdun ist Geschichte geworden  - und also ist es wichtig, der jungen Generation die Schlacht von Verdun zu erklären und zwar mit Mitteln, die sie auch verstehen."

Die Ausstellungsräume der Szenographen Christian Le Conte und Geneviève Noirot sind schwarz gehalten:

"Man muss die Einzelheiten herausstellen, um ein Nachdenken zu ermöglichen, ein gutes, ruhiges Lesen; man muss mit den Objekte Gruppen bilden, da ist alles französisch, hier ist alles deutsch – um so einen Blick zu ermöglichen auf die eine, wie auf die andere Seite – und so eben auch: einen Parcours durch das Ganze zu schaffen."

Man folgt den Schritten der Kämpfenden - Granatsplitter, Menschenknochen,  Briefe, Tagebücher, Zeichnungen, Alltagsgegenstände. Erst Uniformen und Gewehre, dann Geschütze, deutsche wie französische, ebenso: Maschinengewehre, Flugzeuge, Panzer – die Schlacht wird "industrieller":  im Zentrum des Gebäudes: eine von Schaukästen eingefasste 3D-Karte des Schlachtfeldes, Fotos kämpfender  Soldaten mosaikartig auf Bildschirmen, Filme. Im ersten Stock wird das Hinterland der Schlacht erfahrbar gemacht. Fotos, Dokumente, Schautafeln: Der Alltag des Führungsstabes, Grundzüge der Gefechtsführung, die Arbeit der Ärzte in den Lazaretten, das Leben der Zivilisten, die schwierige Kommunikation, die mühsame Nachschubbeschaffung. Leihgaben kommen auch aus deutschen Museen; wahrlich beeindruckend dieses Mémorial de Verdun: eine deutsch-französische Erinnerungsstätte.

Im zweiten Stock dann steht man ganz oben und sieht rundherum: das Schlachtfeld - einhundert Jahre danach, hügelig, bewaldet, unendlich groß. 

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