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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.11.2014

Fünfter Todestag von Robert EnkeDepression: Häufig und gefährlich

Psychiater: Selbstmord des Fußball-Torwarts hat Leistungssport und Vereine sensibilisiert

Frank Schneider im Gespräch mit Korbinian Frenzel

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Robert Enke (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Robert Enke (dpa / picture alliance / Jan Woitas)

Robert Enke, Torwart des Erstligisten Hannover 96, litt an Depressionen. Vor fünf Jahren nahm er sich das Leben. Enkes Suizid habe zu einem Bewusstseinswandel geführt, sagt der Aachener Psychiater Frank Schneider.

Der Suizid von Robert Enke vor fünf Jahren hat nach Ansicht des Psychiaters Frank Schneider von der Universität Aachen zu einem Bewusstseinswandel im Leistungssport und in der Bevölkerung geführt.

Im Deutschlandradio Kultur sagte Schneider, es gebe mittlerweile eine größere Akzeptanz für die Krankheit Depression, und dies sei maßgeblich auf den Selbstmord von Enke zurückzuführen. Immer wieder – mindestens einmal die Woche – sagten Patienten, sie wollten nicht so enden wie der Torwart, berichtete der Psychiater. Auch im Leistungssport sieht Schneider einen Paradigmenwechsel, es gebe inzwischen eine viel höhere Sensibilität für das Problem in den Vereinen.

Mehr Selbstmorde als Verkehrstote in Deutschland

Es sei allerdings immer noch nicht möglich, eine Schizophrenie öffentlich zu machen, und "völlig unmöglich, in unserer Gesellschaft zu sagen: Ich habe eine Heroin-Abhängigkeit", sagte Schneider. Auch das seien aber psychische Erkrankungen, für die Menschen nichts könnten. "Wir brauchen diesen Wandel auch für andere psychische Erkrankungen", forderte er.

Depressionen kommen nach Schneiders Darstellung häufig vor und sind gefährlich. Etwa zwölf Prozent der Menschen in Deutschland hätten in diesem Jahr eine Depression hinter sich gebracht oder litten noch daran, sagte er. Häufig führe die Erkrankung auch zum Tod: "Wir haben mehr Menschen, die versterben an vollendeten Selbstmorden (...) als an Verkehrsunfällen. Das machen wir uns relativ selten klar", sagte er. Dabei lasse sich die Krankheit eigentlich gut behandeln.

Schneider ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Universitätsklinik Aachen, die mit der Robert-Enke-Stiftung kooperiert.

Mehr zum Thema:

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