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Tonart | Beitrag vom 21.03.2016

Françoiz BreutKatze im Hals, Spinne im Kopf

Von Jutta Petermann

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Die französische Sängerin Françoiz Breut (AFP / ALAIN JOCARD )
Die französische Sängerin Françoiz Breut (AFP / ALAIN JOCARD )

Auf ihrem Album "Zoo" singt die Französin Françoiz Breut vom Tier im Menschen - und vollzieht damit eine künstlerische Neuausrichtung. Der Gitarrist der britischen Band Portishead ergänzt als Produzent die bislang sehr reduzierte Musik mit einem retro-futuristischen Sound.

"Ich wollte von den Tieren erzählen, die wir in uns haben, die Katze im Hals, im Deutschen sagt man 'einen Frosch im Hals haben', der Elefant auf dem Rücken, was für die Müdigkeit steht, die Spinne im Kopf – steht für den Wahnsinn. Wir sollten vielleicht etwas mehr unsere tierische und instinktive Seite entdecken, wir leben in einer Welt, die zu rational, zu vernünftig ist."

Sich mehr der Fantasie zu überlassen, den Instinkten - die 46-jährige Wahl-Brüsselerin beweist auf "Zoo", dass das ein gut funktionierender Ansatz ist. Auch für ihre Musik. In den Texten wendet sie diese Methode seit je her an. Françoiz Breut singt von Schlangen mit lockigen Haaren, von einer auswandernden Möwe oder der Liebe, die auf einen anderen Planeten ausgeflogen wird.

"Ich erzähle gerne Geschichten, die mehrere Verständnisebenen haben. Ich mag es, eine Geschichte zu beginnen, die sich dann in der Fantasie des Hörers weiterentwickelt"

Der britische Produzent Adrian Utley entwickelte die Song-Ideen von Françoiz Breut und ihrem Gitarristen Stéphane Daubersy im Studio weiter. Utley ist kein Geringerer als der Gitarrist der weltberühmten Trip-Hop-Band Portishead aus Bristol. Françoiz Breut kannte nur wenige Alben, die der Brite selbst produziert hat. Dennoch bat sie ihn aus einem Bauchgefühl heraus, ihre verrückt-versponnenen Songskizzen über das Tierische in uns mit seinen Ideen zu ergänzen. Adrian Utley taucht sie in elektrifizierte Sphären und bettet sie in einen retro-futuristischen, sehr dicht gewebten Sound.

"Er hat was hinzugefügt, was vorher nicht da war. Er hat einige Passagen auf dem Synthesizer gespielt, kleine Gitarrenparts zugefügt. Und das mag ich gerne, das ist Teil des Mysteriums, nicht zu wissen, was am Ende dabei rauskommt. Aber ich wusste, es würde uns, was den Klang angeht, voranbringen."

Ohnmacht und Vertrieben-Werden von einer Möwe ausgedrückt

Die Französin vollzieht damit nicht weniger als eine künstlerische Neuausrichtung. Die eher "nackte", reduzierte Musik von Françoiz Breut und ihrer Band hatte bis dato einen leichten aus der Zeit gefallenen Americana-Touch. Warm und atmosphärisch war sie immer, aber Adrian Utley holt sie nun ins Heute, verpasst ihr eine traumhafte Mystik, die optimal zu den fantasievollen Texten passt.

"Dieses Album hat mehr Schichten, die sich überlagern und das hilft mir beim Singen."

Die sowieso schon berückend schöne Stimme von Françoiz Breut wird getragen von all den mäandernden Soundschwaden und klingt so noch sinnlicher.

Der Umweg über Bristol hat dem Album das gewisse Etwas verliehen. Und auch ansonsten spielt England eine wichtige Rolle. Françoiz Breut stammt aus der Normandie, aus der Gegend rund um Dunkerque. Dort wurden gegen die Proteste der Bewohner in ein Naturschutzgebiet große Behälter zum Lagern von Methangas gebaut. Die empfundene Ohnmacht und das Vertrieben-Werden lässt Breut von einer Möwe im Song "Loon-Plage" ausdrücken. Und das Stück bekam unerwartet noch eine zusätzliche politische Ebene, mit all den Flüchtlingen, die in der gleichen Gegend bei Calais ausharren.

"Das ist eine Möwe, die erzählt von all den Pflanzen und Tieren, die jetzt verschwinden werden, die sind genötigt, die Gegend zu verlassen. Diese Möwe zum Beispiel wird nach England fliegen. Als wir das Album eingespielt haben, da musste ich an all die Leute denken, die jetzt gerne nach England gehen würden, die genau in dieser Gegend sind, nahe Calais, die man aber nicht lässt. Und ich dachte, das ist ja unglaublich, was ist das für eine Welt."

Mehr zum Thema

Françoiz Breut - Mix aus Bristol-TripHop und Nouvelle Chanson
(Deutschlandfunk, Corso, 12.03.2016)

Tonart

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