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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 28.08.2015

Förderung im ländlichen RaumDithmarschen plant den Aufschwung

Von Jutta Schwengsbier

Blick auf ein Kohlfeld, im Hintergrund Häuser im Kreis Dithmarschen und Windräder (imago / Henning Scheffen)
Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein (imago / Henning Scheffen)

Viele Kommunen in den Randgebieten Deutschlands klagen über fehlende Entwicklungsmöglichkeiten - junge Menschen wandern ab. Ein Förderprogramm setzt nun auf mehr Eigenständigkeit der Gemeinden. Dithmarschen in Schleswig-Holstein ist so bereits bundesweit Vorbild geworden.

Das kleine Altenpflegewohnhaus Nora liegt ziemlich zentral in Wesselburen, einer 3000-Einwohnergemeinde in Dithmarschen. Von den 24 Heimbewohnern sind 17 dement oder alltagseingeschränkt, wie das in der Fachsprache inzwischen korrekt heißt. Viele der hier lebenden Frauen finden sich nicht mehr allein zurecht: Sie kennen ihre Angehörigen nicht mehr. Sie können nicht mehr allein auf die Straße, weil sie nicht zurückfinden würden, oder schon beim Hinausgehen vergessen haben, wo sie eigentlich hin wollten. Das Haus ist in seiner Architektur und seiner Innenorganisation genau auf die Bedürfnisse dieser alten Menschen angepasst.

Inzwischen gibt es eine lange Warteliste von Alten aus Wesselburen, die im Pflegewohnhaus Nora untergebracht werden wollen. Bernd Nommensen hat sich das Konzept ausgedacht:

"Ich bin selbst examinierter Altenpfleger. Ich habe dann mehrere Fortbildungen gemacht zum Pflegedienstleiter, zum Heimleiter. Habe selbst jahrelang eine Einrichtung des DRK-Wohlfahrtsverbands geführt, und dann sind wir mal auf die Idee gekommen, man kann Pflege doch auch ein klein bisschen besser machen."

Pflege besser machen, hieß für Bernd Nommensen, sein Altenwohnhaus so zu konzipieren, dass familienähnliche Strukturen möglich sind. Es ist keine der Großanlagen, wie sie bei den von Wohlfahrtsorganisationen geführten Pflegeeinrichtungen üblich sind.

Der Eingangsbereich im Pflegehaus Nora führt zu einem großen Raum mit offener Küche. Rechts daneben eine Sitzecke mit Sofa und mehreren Sesseln. Links davor ist ein großer Aufenthaltsraum mit Tischen und Stühlen zum Essen oder Karten spielen. Von hier aus führen jeweils zwei kurze Flure zu den Einzelzimmern der Bewohner. So finden sie sich besser zurecht. sagt Nommensen. Minna Hahn lebt schon seit zwei Jahren hier - seit sie im Rollstuhl sitzt.

"Ich bin hier in Wesselburen geboren. Und wohn' hier jetzt 86 Jahre. Ich musste ins Heim, weil ich nicht mehr laufen konnte. Und meine Kinder wollte ich da nicht mit belasten. Und ich fiel auch immer mal hin. Und darum habe ich gesagt, ich geh ins Heim. Aber nur hierher. Und das haben die Kinder zurecht gekriegt. Und jetzt bin ich zweieinhalb Jahre hier. Das wurde immer durch ganz Wesselburen besprochen. Also in Pflegeheim Nora ist das am Schönsten."

Minna Hahn ist Sprecherin der Heimbewohnerinnen. Viele andere sind nicht mehr ganz so klar im Kopf. Im Innenhof des viereckigen Gebäudes ist deshalb ein großer abgeschlossener Bereich mit Hochbeeten für Gemüse und einigen Sitzbänken. Hier können sich die Alten frei bewegen - ohne verloren zu gehen. Raus auf die Straße geht es nur über die zwei großen Gemeinschaftsräume, erläutert Bernd Nommensen:

"Diese Einrichtung betreiben wir nach dem Hausgemeinschaftskonzept. Wir sind keine vollstationäre Einrichtung nach dem ursprünglichen Sinne. Sprich wir haben keinen Speisesaal, keine Großküche, sondern arbeiten hier für die 24 Bewohner jeweils in zwei Hausgemeinschaften für jeweils zwölf Bewohner. Menschen möchten nicht in Einrichtungen mit 90 Betten, mit 120 Betten leben. Sondern es sollen kleinteilige Wohngruppen sein. Grade hier im ländlichen Bereich."

Rechnet sich das dann?

"Ja, das rechnet sich auf jeden Fall. Das ist genau das, was viele sagen. Dass man einfach sagt, eine Pflegeeinrichtung rechnet sich nur ab 60 bis 80 Bewohnern. Das ist insoweit vielleicht richtig, wenn man das als Investorenprojekt realisiert. Wo man Investorenrendite sechs oder acht Prozent verspricht. Es war für meine Frau und mich eine Existenzgründung. Wir können hier wunderbar von dieser Einrichtung leben."

Ein Modell, das er für übertragbar hält:

"Es wäre problemlos, sieben bis acht solcher Einrichtungen in Dithmarschen umzusetzen und zu betreiben."

90 Prozent der Fördermittel kommen nicht an

Bernd Nommensen hatte schon länger darüber nachgedacht zu expandieren. Der Bedarf an neuen Altenpflegemöglichkeiten auch in Wesselburen ist groß. Was dem Sozialunternehmer fehlte, war ein geeigneter Investor als Partner. Doch dann ergab sich für ihn eine Lösung, mit der er überhaupt nicht gerechnet hatte:

"Durch die Aufnahme der Stadt Wesselburen in das Modellvorhaben LandZukunft, mit dem Ziel der partnerschaftlichen Kooperation von Gewerbe und Kommune dahinter, sind wir dann gemeinsam da drauf gekommen auch hinsichtlich des demographischen Wandels, hier eine Einrichtung zu erstellen gerade für eine moderne leistungsfähige Pflegeinfrastruktur."

Das Modellvorhaben LandZukunft sieht vor, dass unternehmerische Menschen wie Bernd Nommensen und Vertreter der öffentlichen Verwaltung gemeinsam Konzepte für die regionale ländliche Entwicklung erarbeiten sollen. Und so entstanden in Wesselburen schnell neue Ideen. Die Stadtverwaltung wollte sowieso gerade den Ortskern umgestalten, um attraktiver für qualifizierte Arbeitskräfte und Besucher zu werden. Angeregt von Bernd Nommensen, der zugleich auch zweiter Bürgermeister von Wesselburen ist, entschied die Stadt dann schnell, ein offenes Bürger- und Altenpflegezentrum aufzubauen. Mit einigen betreuten Wohnungen für ältere Ehepaare, mit einer Tagespflegeeinrichtung auch für Demenzerkrankte und mit einem Café als Treffpunkt für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Um alle Einwohner in das Projekt einzubeziehen, gründeten die Wesselburener eine Sozialgenossenschaft, die das Projekt finanziert. Für Nommensen ist das ein tragfähiges Zukunftsmodell für viele kleine Gemeinden in Deutschland:

"Jede Kommune, die zumindest 1000 Einwohner hat, sollte eine kommunale Genossenschaft gründen, mit den Bürgern zusammen. Mit den späteren Bewohnern zusammen. Jeder gibt eine kleine Einlage rein, damit man so viel Geld zusammen akquirieren kann, dass man sagen kann, so ein Pflegewohnhaus bauen wir bei uns in der Gemeinde. Und wir behalten unsere Senioren, die seit 60, 70 Jahren hier bei uns leben. Sie wandern nicht ab und sie haben kleine, überschaubare Lebensstrukturen."

Mit ihrer Idee, die Pflegeinfrastruktur über lokale Sozialgenossenschaften zu organisieren, sind die Wesselburener inzwischen Vorbild für viele Kommunen in ganz Deutschland geworden. Denn mit einem Konzept wie dem von Bernd Nommensen können auch kleine Wohneinheiten zur Altenpflege rentabel betrieben werden. Initialzündung war dabei das Modellvorhaben LandZukunft, freut sich Verwaltungsleiter Jörn Timm. Entscheidend war nicht die vergleichsweise geringe Fördersumme von 200.000 Euro - sondern die geforderte Kooperation von Unternehmern mit der Verwaltung. Das habe einen Richtungswechsel eingeleitet, gibt Timm zu:

"Die Stadtverordnetenversammlung hat seinerzeit den Bedarf nicht gesehen. Man kann davon ausgehen, dass so zehn bis 15 Jahre wenig bis gar nichts passiert ist. Das ist so ein bisschen verschlafen worden. Das Schicksal teilt Wesselburen mit ganz vielen Kommunen."

Doch viele kleine Kommunen verschlafen nicht nur wichtige Entwicklungen wie den demografischen Wandel. Schätzungen gehen davon aus, dass 90 Prozent der öffentlichen Fördermittel inzwischen für administrative Aufgaben ausgegeben werden und nicht mehr dort ankommen, wo sie hinsollen: Bei Projekten, die soziale, kulturelle oder andere gemeinnützige Ziele verfolgen. Bei sinnvollen Infrastrukturmaßnahmen. Bei Unternehmen, die wichtig für die regionale Wirtschaft sind. Damit die Verwaltung wieder effektiver mit ihren eigenen Steuermitteln umgeht, lässt sich die EU-Kommission inzwischen auch vom mehrfach ausgezeichneten Sozialunternehmer Norbert Kunz aus Berlin-Brandenburg beraten:

"Ich hatte ein Gespräch mit einem Generaldirektor in Brüssel, mit dem Generaldirektor und seinen ganzen Abteilungsleitern. Der sagte dann, 'könnt ihr uns vielleicht sagen, wie man dazu beitragen kann, dass mehr Geld, das wir in Brüssel zur Verfügung haben, dort ankommt wo's wirkt?' Weil 90 Prozent des Geldes, was wir hier ausgeben, verschlingt die Verwaltung. Und dann hab' ich gesagt: 'Ja, kann ich. Dreht das Verfahren um. Nicht ihr schreibt oben Richtlinien und Ausschreibungen oder sonst irgendwas, wie Dinge zu tun sind und wie sie zu kontrollieren sind, sondern macht eine Kampagne und fragt beispielsweise in den Regionen, was sie wollen.' Weil, die meiste Wirkung wird dadurch erzeugt, dass sich die Regionen zusammensetzen und anfangen, mal Ideen zu generieren, wie man ihre eigene Stadt, oder ihre Kommune verändern könnte. Wir haben ja einen Modellversuch LandZukunft. Es war ein Modellversuch und es hat funktioniert."

Das Modellprojekt sollte auch mehr Transparenz schaffen

Aus der von Norbert Kunz bei der Europäischen Kommission vorgetragenen Idee entstand ein europaweiter Wettbewerb zur Förderung ländlicher Regionen. Die Europäische Kommission wollte durch eine Vereinfachung von Verwaltungsvorschriften und einen europaweiten Wettbewerb kreative Ideen zur Entwicklung benachteiligter ländlicher Regionen anstoßen. In Deutschland startete das Modellprojekt LandZukunft unter Federführung des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Für die Förderung bewerben konnten sich dabei 17 ländliche Randgebiete, die vom Thünen-Institut vorab ausgewählt wurden, weil sie große wirtschaftliche Probleme haben und ihre Bevölkerungszahlen deshalb deutlich zurückgehen. Die bei LandZukunft geförderten Regionen bekamen dabei zum ersten Mal die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu entscheiden, was und wie sie fördern wollen. Gesteuert wurde das Projekt nicht mehr über Richtlinien des Ministeriums, sondern über die selbst gesteckten Ziele der ausgewählten Regionen. Dithmarschen war dabei eine der vier im Wettbewerb ausgewählten Modellregionen. Durch die neue Zusammenarbeit von Unternehmern und Verwaltung wurden ganz neue Schwerpunkte der ländlichen Entwicklung gesetzt, erläutert der Dithmarscher Projektleiter Dennis Smuda:

"Die gesamte Ausrichtung des LandZukunfts-Prozesses wäre eine ganz andere gewesen. Das heißt also, in der Politik und Verwaltung herrschte so die Meinung, wir behandeln das Thema 'Stärken stärken' - also, worin ist die Region besonders gut? Das ist insbesondere  der Tourismus und die Windenergie. Und wir dachten, in dem Bereich bietet sich ein Modellprojekt dann auch an. Und direkt beim ersten Treffen mit den Unternehmern kristallisierte sich dann raus, das Oberthema sollte Fachkräftemangel sein. Das ist das, was die Unternehmer beschäftigt."

Die Region Dithmarschen bewarb sich beim LandZukunft-Wettbewerb deshalb außer mit der Pflegeheimidee auch mit einem neuen Bildungskonzept, um die Fachkräfte der Zukunft für Ausbildungsplätze in der Region zu begeistern und sie später auch hier halten zu können. Ein "Talentekompass" genannter Wegweiser soll Kindern ab dem Grundschulalter neue außerschulische Möglichkeiten aufzeigen, um sich Lerninhalte wie Mathematik, Musik oder Geschichte spielerisch anzueignen oder Berufe kennenzulernen. Das Spektrum der außerschulischen Angebote reichte dabei von Führungen im modernen Hafen von Brunsbüttel bis zum Kurs über alte Jagdmethoden im Steinzeitpark in Albersdorf.

Zwischen Hügelgräbern und alten Holzhütten konnten die Kinder beim Talentekompass ihre eigenen Fähigkeiten ausprobieren und erweitern. Wie nutzen die ersten Menschen Steine als Werkzeuge? Wie und womit bauten sie ihre ersten Hütten? Wie konnten sie schwere Steine oder Baumstämme bewegen und hochheben? Der Steinzeitpark in Albersdorf wurde als Ort für gelebte Geschichte konzipiert. Angeleitet von Chris Palasch, der wie ein Steinzeitjäger ganz in Leder gekleidet im Dorf lebt, konnten die Kinder alltägliche Tätigkeiten üben. Vom Wollespinnen mit der Hand bis zum Spuren lesen für die Jagd.

"Die können dann bei uns zum Beispiel nicht nur das Bogenschießen lernen, sondern in Anlehnung an mesolithische Bögen können die Kinder zum Beispiel auch die Bögen hier selbst auch erstellen. Oder die Pfeile dazu. Oder Speere oder Speerschleudern. Und lernen so halt auch wirklich die handwerklichen Techniken dazu.

Es gab zwar auch schon vor LandZukunft in Dithmarschen Lernangebote für Kinder wie im Steinzeitdorf Albersdorf. Doch nicht einmal die Verantwortlichen für Fördermittel können bislang genau sagen, wie viel für Bildung ausgegeben wird und wofür genau. Durch das Modellprojekt sollte hier auch mehr Transparenz geschaffen werden. Renate Agnes Dümchen ist Referatsleiterin für Familie, Gesundheit und Bildung beim Kreis Dithmarschen:

"Wir reden hier immer über Netzwerke, haben aber nebeneinander viele gute Ansätze, die aber nicht so vernetzt sind, dass die Projekte voneinander wissen. Dass es unglaublich kompliziert ist, in Dithmarschen - obwohl Dithmarschen so klein ist - zu gucken, wer macht was, wo, wie? Und dann war klar: Was brauchen wir? Wir brauchen eine Landkarte. Wer macht was an welcher Stelle? Und wie macht er das und was kostet das? Das war dann die Frage, die sich dann noch da anschloss."

Wie eine Initialzündung für gesellschaftlichen Wandel

Neben der individuellen Förderung von Kindern durch Angebote des Talentekompasses wollte Dithmarschen dadurch auch strukturelle Veränderungen im Bildungsbereich angehen. Die Zahl der Schüler und Auszubildenden wird in den kommenden Jahren in Dithmarschen erheblich zurückgehen. Ausgangspunkt der beauftragten Studie war deshalb festzustellen, ob Doppelstrukturen im Bildungsbereich bestehen, die eventuell abgebaut werden können. Auch um Bildungsangebote dann dem stark sinkenden Bedarf anzupassen. Doch wie im Altenpflegebereich, wo viele Kommunen verschlafen haben, dass der Bedarf stark zunimmt, so sträuben sich viele der Verantwortlichen im Bildungsbereich noch dagegen, sich dem stark sinkenden Bedarf anzupassen und zu sparen. Ulrich Schenk von der Lawaetz Stiftung ist es während der Projektlaufzeit nicht gelungen, aussagekräftige Daten zu erheben. Viele der Befragten haben bislang keine genauen Angaben zu ihren Kosten und Leistungen gemacht.

"Wir haben uns nicht über die Zahl von Bildungsangeboten ausgelassen, weil dieses so in der Form in dem Projekt nicht umgesetzt werden konnte."

Wie viel genau Dithmarschen für Bildung ausgibt und wofür die Mittel verwendet werden, ist also auch nach der Studie noch unklar. Neben dem zunächst nur vermuteten Problem von Doppelstrukturen könnte sich dahinter auch ein grundsätzliches Systemproblem verbergen. Viele Experten bemängeln schon lange, dass im Sozial- und Bildungsbereich in Deutschland oft diejenigen Gelder erhalten, die die besten Beziehungen haben. Es entscheiden also nicht unbedingt Kosten und Qualität der Angebote darüber, wer gefördert wird. Was generell fehle, sei ein überall geltender sozialer Berichtsstandard, der Transparenz schaffe und die Bewirtschaftung öffentlicher Mittel über ein reines Beziehungsmanagement beende. Ulrich Schenk hat deshalb für Dithmarschen, orientiert am Vorbild anderer Landkreise, eine Restrukturierung der wichtigsten Bildungsfinanzierer vorgeschlagen, um so das Dickicht etwas zu lichten:

"Wir haben angeregt, dass die drei maßgeblichen Akteure vor Ort - das heißt der Landkreis, das Jobcenter und die Arbeitsagentur - sich auf gemeinsame Ziele verständigen. Und diese Zielplanung zur Grundlage der Maßnahmenplanung zu machen. Die Ausschreibung, Finanzierung und Belegung. Dann auch eine gemeinsame Zielkontrolle vorzunehmen. Das heißt, ein gemeinsames Monitoring-System aufzubauen."

Bei der Umstrukturierung der Bildungslandschaft in Dithmarschen bleibt also noch einiges zu tun. - Insgesamt beurteilen viele das Modellvorhaben LandZukunft aber als positiv, urteilt Projektmanager Denis Smuda:

"Was wirklich bei LandZukunft innovativ war ist diese Steuerung über Ziele. Also dass man diese selbst gesteckten Ziele dann auch entsprechend nachjustieren kann, im Prozess verändern kann."

Die von LandZukunft angeregte Kooperation zwischen Verwaltung und unternehmerischen Menschen wirkte nach Ansicht von Jörn Timm, Verwaltungsleiter für Büsum und Wesselburen, wie eine Initialzündung für gesellschaftlichen Wandel. Trotz der relativ geringen Finanzausstattung der Projekte wurden dadurch vergleichsweise große Veränderungen angestoßen:

"Ich glaube, dass das Geld, was hier eingesetzt worden ist … - Kosten-Nutzen ist extrem hoch. Wir haben eine ganze Menge erreicht. Man erkennt es auch daran, dass wir den Talentekompass tatsächlich mit anderen Fördermitteln fortführen wollen, den Schwerpunkt aber ein bisschen verlegen. Übergang Schule Beruf."

Der Versuch, mit einem Wettbewerbsverfahren die lästige Bürokratie zu minimieren, sei aber noch nicht so gelungen wie beabsichtigt, sagt Timm selbstkritisch.

"Förderbescheide sind erstellt worden, mit diversen Auflagen. Was wir an Unterlagen beifügen mussten. Meine Kollegin, die dafür zuständig war, hat also tatsächlich manchmal gesagt, 'oh warum haben wir das nur mitgemacht. Ich bin echt Oberkante Unterlippe dicht, weil das ist extrem viel'" 

Trotz der positiven Erfahrung mit den Regionalbudgets könnte es noch viele Jahre dauern, bis die Regionen tatsächlich eigenverantwortlich handeln können. Das liegt vor allem am langwierigen Gesetzgebungsprozess. Weder die Haushaltsordnung noch die bestehenden gesetzlichen Regelungen lassen bislang mehr Eigenverantwortung der Landkreise und Kommunen zu. Doch zumindest wurde der Modellversuch in Dithmarschen als so positiv beurteilt, dass er nun weiter geführt wird. 

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