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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.09.2014

Flüchtlinge aus Syrien und IrakUN geht das Geld für die Versorgung aus

Interview mit Nesrin Semen vom UN World Food Programme

Moderation: Sonja Gerth und Oliver Thoma

Eine Gruppe von Flüchtlingen wartet an der syrisch-türkischen Grenze nahe der Stadt Sanliurfa  in der Türkei. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)
Nach dem jüngsten Flüchtlingszustrom hat die Türkei nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen mehr Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen als jedes andere Land. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)

Unsere finanziellen Mittel sind nur noch bis Mitte Oktober gesichert, sagt Nesrin Semen. Sie betreut für das UN World Food Programme Flüchtlinge im Südosten der Türkei. Schon jetzt springe die türkische Regierung ein.

Nesrin Semen arbeitet für das UN World Food Programme in den Flüchtlingslagern, die im Südosten der Türkei an der Grenze zu Syrien errichtet worden sind. Dort koordiniert sie die Ernährungshilfe für die Flüchtlinge.

Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur berichtet sie von verzweifelten Menschen, die immer noch die Grenze erreichen. "Wir hören viele Geschichten, die aber doch auch ähnlich sind", sagt Semen. Die Menschen mussten in kurzer Zeit packen, ihre Häuser wurden teils bombardiert, manche haben tagelang nichts gegessen oder getrunken.

"Es gibt Frauen, die zwei, drei Tage, bevor sie in die Türkei gekommen sind, noch ihre Babys bekommen haben, die dann mit ganz kleinen Säuglingen ankommen."

Versorgt werden die Flüchtlinge, die nicht bei Verwandten unterkommen und in den 21 zivilen Flüchtlingslagern leben, mithilfe elektronischer Karten.

Etwa 20 Euro pro Person im Haushalt

"Das ist eine Art EC-Karte, die jeder Haushalt bekommt und auf die pro Person im Haushalt 60 türkische Lira im Monat aufgeladen werden. Das ist ein bisschen über 20 Euro", erläutert Semen. "Und mit diesen Karten können dann die Flüchtling ein Supermärkten oder kleinen Märkten einkaufen, mit denen wir Abkommen haben und die auch ständig von uns kontrolliert werden."

Kontrolliert würden Hygiene, aber auch, ob die Märkte bei ihren Preisen das marktübliche Niveau einhalten.

Das World Food Programme habe aber "momentan ganz große Schwierigkeiten, genügend Geld zu bekommen" und habe auch ein "sehr großes Defizit", so Semen. Die Mittel für die Flüchtlingshilfe in der Türkei seien nur bis zur ersten Oktoberhälfte gesichert. "Wir brauchen ganz, ganz dringend Gelder, um weiter unsere Flüchtlinge hier unterstützen zu können" – auch etwa von Privatleuten, appellierte Semen.

Ansonsten hoffe man, dass die türkische Regierung einspringe. "Ich denke, die Regierung wird tun, was in ihren Händen ist, also was sie kann", sagte die UN-Mitarbeiterin. "Momentan sind wir sowieso schon in einer Zusammenarbeit. Die Regierung lädt 25 türkische Lira zu dem Geld, das wir schon bereitstellen, auf die Karten für die Flüchtlinge."

Weiterführende Information

Flüchtlinge aus Syrien - "Was die Türkei macht, ist menschenverachtend"  (DLF, Interview, 24.09.2014)

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