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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 16.10.2013

"Finsterworld"

Bitterböse Deutschland-Farce in bestechend schönen Bildern

Gesehen von Jörg Taszman

Szene aus "Finsterworld" von Frauke Finsterwalder. (picture alliance / dpa / Alamode)
Szene aus "Finsterworld" von Frauke Finsterwalder. (picture alliance / dpa / Alamode)

In ihrem ersten Spielfilm spielt Frauke Finsterwalder geschickt mit deutschen Mythen und dem Thema Vergangenheitsbewältigung. Dafür schickt sie ein Ensemble skurriler Typen ins Rennen und seziert genüsslich deutsche Neurosen.

So böse, so originell und so unterhaltsam skurril ist das deutsche Kino fast nie. Da stellt ein Polizist zu Beginn einen eigenwilligen Podologen, der ohne Gurt fuhr und mit dem Handy telefonierte. Aber Tom, der Polizist, lässt sich mit Pflegemitteln für seine Freundin Franziska bestechen, einer überambitionierten Dokumentarfilmemacherin. Alle in dieser "Finsterwelt" haben Macken, Phobien oder Geheimnisse. Da schlüpft man als "Furry" am liebsten in ein plüschiges Eisbärenfell und der nette Podologe mit einem Hang zum deutschen Volkslied zweckentfremdet abgeschabtes Hautmehl.

Willkommen in der nicht so finsteren Welt der Regisseurin Frauke Finsterwalder. Sie schrieb das Drehbuch für diesen hoch originellen Debütfilm zusammen mit ihrem Mann Christian Kracht. Beide spielen respektlos mit deutschen Mythen, Märchen und Traumata. Sie sezieren die Schönheit der deutschen Sprache mit so trefflichen Vokabeln wie "austreten" oder lassen einen gutgemeinten Schulausflug in ein KZ bitterböse ausklingen.

Außerdem präsentieren sie ein herrlich dekadent reiches, neurotisches Ehepaar, dass sich an Bioprodukten und deutschem Selbsthass ergötzt. Vor allem will das Ehepaar Sandberg keine "Naziautos" fahren, also keinen Mercedes, Porsche oder BMW.

Finsterworld hat das Zeug zum Kultfilm, besticht durch herrliche Dialoge und ein grandioses Schauspielerensemble mit u.a. Corinna Harfouch, Roland Zehrfeld, Sandra Hüller, der Neuentdeckung des Jahres Carla Juri (Feuchtgebiete) und dem jungen Polen Jakub Gierszal. Kunstvolle Bilder und eine fantasievolle Bildsprache runden das außergewöhnliche Kinoerlebnis ab. Beim Filmfestival Zürich soeben als bester deutschsprachiger Film ausgezeichnet.

Deutschland 2013. Regie: Frauke Finsterwalder, Buch: Christian Kracht. Mit: Corinna Harfouch, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Carla Juri. Länge: 95 min.

Filmhomepage "Finsterworld"

Links auf dradio.de:
Subversiver Anti-Heimatfilm -Neu im Kino: "Finsterworld" von Frauke Finsterwalder

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