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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.07.2011

Filmstar ohne Befindlichkeiten

Der Komiker und Regisseur Dany Boon

Von Jörg Taszman

Dany Boon (rechts) und Benoit Poelvoorde in "Nichts zu verzollen". (picture alliance / dpa / PROKINO Filmverleih GmbH)
Dany Boon (rechts) und Benoit Poelvoorde in "Nichts zu verzollen". (picture alliance / dpa / PROKINO Filmverleih GmbH)

Mit seiner Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" wurde Dany Boon in Frankreich über Nacht zum Star. Drei Jahre nach dem Kinoerfolg steht er nun wieder vor und hinter der Kamera. In "Nichts zu verzollen" geht es um das Leben von zwei Zöllnern an einem französisch-belgischen Grenzübergang.

Er hat nur etwa 15 Minuten Zeit und setzt sich gleich auf die Couch zum Interview in einem Hotelzimmer. Dany Boon, ganz in Blau gekleidet, eilt der Ruf voraus, immer bescheiden geblieben zu sein. Der Sohn eines aus Algerien stammenden Ex-Boxers und Fernfahrers und einer nordfranzösischen Mutter wurde vor 45 Jahren als Daniel Hamidou geboren. Die Liebesbeziehung seiner Eltern war damals ein Skandal. Indirekt thematisiert Dany Boon das Thema Rassismus oder die Angst vor anderen Lebensauffassungen und Dialekten in seinen Filmen auch aus ganz persönlichen Erfahrungen:

"In den Filmen, die ich drehe, spielt die Geschichte meiner Eltern auch ein wenig eine Rolle. Meine Familie mütterlicherseits sah es sehr ungerne, dass meine Mutter mit meinem Vater, der kein Franzose war, mitging. Außerdem galt sie noch als minderjährig. Sie war erst 17, und damals erlangte man die Volljährigkeit erst mit 21. Es kam hinzu, dass sie mit mir schwanger war und mich im Alter von 18 Jahren bekam. Das war kompliziert."

Eine junge Mutter zu haben, empfand Dany Boon als sehr angenehm. Noch heute besucht sie den Sohn im Urlaub. Beide haben ein enges Verhältnis zueinander. Zu Hause sprach der kleine Dany lange Sch'ti, diesen nordfranzösischen Dialekt, der nun in aller Munde ist. Das war nicht immer so.

"Wir sprachen zu Hause wirklich hauptsächlich Sch'ti, und ich dachte, überall in Frankreich redet man so. Ich wusste ja nicht, dass es ein Dialekt ist. Ich verlor Sch'ti dann, als ich in die Schule kam. Damals galt es als peinlich und proletarisch, wenn man mit dem Sch'ti-Akzent sprach. Da wurde man schief angeschaut."

Populär ist Dany Boon nicht nur in Frankreich, sondern auch im Nachbarland Belgien. Dort hat er studiert, und so ist seine etwas klamottige Farce auf französisch-belgische Befindlichkeiten auch immer liebevoll. Die Hauptrolle im Film, einen frankophoben Zöllner, spielt der Belgier Benoit Poelvoorde. Dany Boon hat ihm die Rolle auf den Leib geschrieben und außer ihm viele bekannte belgische Schauspieler besetzt.

"Ich mag bei den belgischen Schauspielern diese gewisse Poesie, eine Art, das Leben zu sehen. Ich habe ja in Belgien studiert, und die Belgier sehen das Leben ein wenig anders, etwas entrückter. Sie stehen etwas außerhalb, das finde ich sehr poetisch am belgischen Charakter."

Im letzten Satz spielt Dany Boon dann ein wenig mit dem belgischen Dialekt, kann mir aber auf meine Nachfrage gerade keinen Belgierwitz erzählen. Ihm fallen nur welche ein, die nicht jugendfrei sind. In "Nichts zu verzollen" gibt es jede Menge Witze über Belgier und Franzosen und wirklich gelungene Szenen zwischen den beiden ungleichen Zöllnern, gespielt von Benoit Poelvoorde und Dany Boon.

Begonnen hat Dany Boon seine Karriere als Straßenclown in Paris, später stand er auf vielen freien Theaterbühnen. Schnell feierte er mit seinen typischen One-Man-Shows Erfolge, bei denen er sich direkt ans Publikum wendet. 2006 drehte er seinen ersten Spielfilm als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller mit "La Maison du Bonheur", der in Frankreich auf Anhieb über eine Million Zuschauer zum Lachen brachte.

Mit seinem zweiten Werk "Willkommen bei den Sch'tis" bricht Dany Boon dann alle Rekorde. 20 Millionen Kinozuschauer machen die Sch'tis zum erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten, und auch in Deutschland funktioniert der Film.

"Ich war bei der Berliner Premiere damals überrascht, wie sehr die Deutschen über die Geschichte des Films lachten und sie annahmen. Das hätte ich nicht erwartet. Der Film hat weltweit sieben Millionen Zuschauer gehabt, davon 2,3 Millionen hier. Das ist enorm, und ich finde es witzig, wenn mich Deutsche erkennen."

Von "Nichts zu verzollen" wird es übrigens ein deutsches Remake geben, das an der bayerisch-österreichischen Grenze spielt. Dany Boon will nun eine Weile wieder als Schauspieler arbeiten, demnächst an der Seite von Diane Krüger. Eitel ist er überhaupt nicht. Soll doch ihr Name ruhig als erster im Vorspann stehen, meint er lächelnd. Da kann man ja auch einmal galant sein. Derlei Befindlichkeiten sind Dany Boon egal. Auch das macht ihn so sympathisch und erklärt seine große Popularität.

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