Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.10.2014

FilmmusikKlänge für den Kampf gegen den Hai

Bei den Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt geht es um die Vertonung bewegter Bilder

Von Claus Fischer

Pierre Brice (l) als Apachen-Häuptling Winnetou und Lex Barker als sein Blutsbruder Old Shatterhand in einer Szene des Karl-May-Films "Im Tal des Todes". Lex Barker sitzt auf einem Pferd mit einem Gewehr in der Hand. Beide schauen in die Ferne. (dpa/ picture alliance )
Szene aus einem Karl-May-Film: In Halle wird auch Martin Böttcher, Komponist der Musik zu Winnetou-Filmen, geehrt. (dpa/ picture alliance )

Moderne Musik für einen Stummfilmklassiker oder für eine Szene, in der ein Mann von einem Hai angegriffen wird: Bei den Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt üben sich zum Beispiel junge Filmkomponisten. Doch auch die renommierten Vertreter der Branche kommen in Halle an der Saale auf ihre Kosten, etwa der Komponist der Winnetou-Filme. Die Höhepunkte sind in diesem Jahr nicht nur musikalischer Art.

Fünf junge, vorwiegend bärtige Männer und ein Dozent. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein gewöhnliches Seminar an einer deutschen Universität. Schaut man aber genauer hin, dann fällt auf, dass jeder der Teilnehmer nicht nur ein Laptop, sondern auch ein Keyboard vor sich hat.  Es handelt sich um eine Meisterklasse für begabte junge Filmkomponisten, die im Rahmen der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt stattfindet.

"Fünf Leute wurden ausgewählt anhand von Partituren und Demo-Audiomaterial, was wir eingeschickt haben",

…erzählt Ephraim Peise. Er studiert Filmkomposition in Potsdam. Aufgabe für ihn und die anderen vier Teilnehmer im Vorfeld war es, eine etwa zehnminütige Sequenz aus dem Stummfilmklassiker "Tabu" von Friedrich Wilhelm Murnau zu vertonen. Das Ganze aber nicht im Stil der späten 20er-Jahre, sondern in einer modernen Klangsprache.

Erweiterter Lehrstoff in Sachen Tonsatz

Leiter der Masterclass ist Benjamin Köthe, Professor für Popularmusik an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Im Gespräch mit den Nachwuchskomponisten analysiert er ihre Partituren. Dabei möchte er ihnen vor allem handwerkliche Kenntnisse vermitteln.

"Professionellen Umgang mit Orchestrierung, mit Partituren, mit Mitteln, wie wir klingende Musik in geschriebene Noten umwandeln, um das zu bekommen, was wir uns klanglich in unserer geistigen Vorstellung erwartet haben."

Das klingt zunächst wie normaler Lehrstoff in Sachen Tonsatz. Der wird jedoch, so Benjamin Köthe, erweitert:

"Wir sehen etwas Zärtliches, wir sehen etwas Dramatisches im Bild. Und dann überlegen wir dazu: Was können wir an Instrumenten oder Instrumentengruppen, möglicherweise an Akkordfarben entwickeln, um dem Bild zu entsprechen."

(Musik: Ephraim Peise, "Tabu")

So klingt die Komposition von Masterclass-Teilnehmer Ephraim Peise. Auf der Leinwand sieht man einen Mann, der nach einer Perle taucht und dabei von einem Hai angegriffen wird.

Peise: "Er kämpft eben in dem Moment gegen diesen Hai, mit dem Messer, und befreit sich dann sozusagen, und schwimmt an die Oberfläche zu seinem Boot und flüchtet sich vor dem Hai davon eigentlich."

Neu geschaffener Filmmusikpreis

Die Kompositionen aller fünf Teilnehmer der Masterclass werden von einem professionellen Orchester, nämlich der Staatskapelle Halle eingespielt. So hat jeder am Ende jeder ein Demo in der Hand, mit dem er sich um Kompositionsaufträge bewerben kann. Das klanglich interessanteste Stück wird im Rahmen des traditionellen Galakonzerts der Filmmusiktage live aufgeführt. Unter dem diesjährigen Festivalmotto "Crossing the bridge" wird es darüber hinaus einen zweitägigen Fachkongress mit teils prominenten Referenten geben, sagt der künstlerische Leiter des Festivals, Markus Steffen:

"Also wir sind natürlich ganz stolz, dass wir mit Philipp Stölzl einen renommierten Regisseur bekommen haben, weil Philipp Stölzl ist natürlich in dreierlei Bereichen tätig: einmal im Videobereich, er hat für Madonna Videoclips gedreht unter anderem. Dann ist er natürlich ein Filmemacher, Filmregisseur und zum Dritten ist er noch ein Opernregisseur, der mit Leuten wie Daniel Barenboim, Domingo und Netrebko den 'Troubadour' inszeniert. Also wenn das nicht 'Crossing the bridge' ist im buchstäblichen Sinne – wer dann?"

Höhepunkt der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt 2014 wird die erste Verleihung des neu geschaffenen "Deutschen Filmmusikpreises" sein. Geehrt werden am kommenden Donnerstag mehrere Komponisten. Einer steht bereits fest: Martin Böttcher. Von ihm stammt nicht nur die Musik zu den legendären Winnetou-Filmen, sondern auch zu etlichen Edgar-Wallace-Klassikern und der ZDF-Serie "Forsthaus Falkenau".

Mehr zum Thema:

"The Cut" - Epische Bilder - weitwinklige Musik
(Deutschlandradio Kultur, Tonart, 15.10.2014)

"Wagner ist der Urvater der Filmmusik"
(Deutschlandfunk, Corso, 22.05.2013)

Vater der modernen Filmmusik
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 30.01.2013)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDisziplinverstöße oder Schlimmeres
Die Statur des nackten Donald Trump, die von Aktivisten an mehreren Standorten in den USA aufgestellt wurden, darunter Los Angeles, California, USA (EPA)

Die "FAZ" hadert mit Menschen, die sich an der falschen Stelle zurückhalten. Und die "Welt" nimmt die Gemeinsamkeiten Donald Trumps und Theodore Roosevelts unter die Lupe. Dabei findet das Blatt - zum Glück - einen ziemlich deutlichen Unterschied.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

62. Verleihung der Goethe-MedaillenMigration als Motor
Der nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi  (Emeka Okereke)

"Migration der Kulturen - Kulturen der Migration" - dies war das Motto der 62. Verleihung der Goethe-Medaillen. Ausgezeichnet wurden der Schriftsteller Juri Andruchowytsch, der Fotograf Akinbode Akinbiyi und der Direktor des georgischen Nationalmuseums David Lordkipanidze.Mehr

Dokumentarfilm über Immobilienboom"Ein System der Gier"
Zahlreiche Baukrähne sind in Berlin zu sehen - vor allem bezahlbare neue Wohnungen werden gebraucht. (dpa / Jörg Carstensen)

"Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?", fragt einer der Protagonisten im Dokumentarfilm "Die Stadt als Beute". Filmemacher Andreas Wilcke hat vier Jahre lang den Immobilienboom in Berlin beobachtet - und zeigt eindringlich, wie Wohnraum zur Ware verkommt.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur