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Filmkritik mit einem Teenager

David Gilmour: "Unser allerbestes Jahr", S. Fischer Verlag 2008, 253 Seiten

Filme statt Schule gibt es in David Gilmours Roman.
Filme statt Schule gibt es in David Gilmours Roman. (AP Archiv)

In David Gilmours Roman "Unser allerbestes Jahr" erlaubt ein Vater seinem 16-jährigen Sohn, die verhasste Schule zu schmeißen. Einzige Bedingung: Gemeinsam mit dem Vater muss der Sohn jede Woche drei Filme schauen. "Film Club" heißt der Roman im Original. In seinem kanadischen Heimatland ist der Journalist und Filmkritiker David Gilmour bereits ein Bestsellerautor.

David Gilmours Sohn Jesse, 16 Jahre jung, hat Pubertätsprobleme. Er wird immer lethargischer und bringt schon seit längerem schlechte Noten mit nach Hause.

Um zu verhindern, dass er als Vater bald ganz abgemeldet ist und Jesse womöglich ins Drogen- und Jugendgangmilieu abrutscht, macht Gilmour seinem Sohn einen ungewöhnlichen Vorschlag: Er darf die Schule mit der zehnten Klasse verlassen und zu Hause wohnen bleiben, Kost und Logis frei plus Taschengeld. Allerdings unter zwei Bedingungen: Erstens keine Drogen, zweitens muss er sich jede Woche drei Filme mit seinem Vater ansehen, der ist nämlich Dokumentarfilmer und Filmkritiker, könnte über jeden Film lange Vorträge halten.

Er weiß aber sein begeistertes Filmwissen pädagogisch sinnvoll, bisweilen listig einzusetzen und hält seinen Sprössling auf diese Weise drei Jahre bei der Stange. Jesse könnte, meint der Vater – aber die Dialoge über Filmkunst beweisen es - , Jesse könnte selber Filmkritiker werden nach diesem sechs Semester langen "Film Club".

"Film Club" heißt der Roman von David Gilmour im kanadischen Original, und man schüttelt den Kopf über den deutschen Titel: "Unser allerbestes Jahr" - geht es doch um drei allerbeste Jahre.

Der Roman ist eigentlich ein Tatsachenbericht in Romanform. Er hat nicht den Anspruch, das Rad der Literatur zu erfinden, sondern er will einfach und fesselnd von jenem pädagogischen Experiment berichten, das Jesse schließlich wieder auf den Weg bringt.

Das Buch bleibt bis zum Schluss spannend, natürlich wegen der Anteilnahme an Jesses Pubertistenschicksal, zum anderen weil die Konstellation so rar ist: Normalerweise ist den Eltern der Zugang zu ihren Kindern zwischen 16 und 18 weitgehend verschlossen.

"Film Club" war in Kanada ein Bestseller – mit Berechtigung. Seine Dialoge sind brillant, seine Erzählung oft anrührend. Der Leser profitiert von den Ausführungen David Gilmours zu Schlüsselszenen der Weltfilmkunst und den weisen, praxisgesättigten Tipps zur Erziehung von Pubertierenden.

Durchaus selbstironisch schildert Gilmour den Alltag einer Patchwork-Konstellation und gibt die Hoffnung, dass auch schwierige Phasen der Elternschaft bei fairem Miteinander glücklich enden.

Rezensiert von Marius Meller

David Gilmour: Unser aller bestes Jahr
Roman, S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2008,
253 Seiten, 18,95 Euro

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