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Filmische Aufklärungsarbeit gegen Rechts

Der Film "Blut muss fließen" stellt die Neonazi-Rockszene dar

Von Bernd Sobolla

Regisseur Peter Ohlendorf präsentiert seinen Film über die Neonazi-Musikszene mit dem Material des Undercover Filmers Thomas Kuban im Lichtwerk-Kino in Bielefeld.
Regisseur Peter Ohlendorf präsentiert seinen Film über die Neonazi-Musikszene mit dem Material des Undercover Filmers Thomas Kuban im Lichtwerk-Kino in Bielefeld. (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)

Der Journalist Thomas Kuban hat jahrelang heimlich Neonazi-Konzerte gefilmt. Zusammen mit dem Regisseur Peter Ohlendorf hat er daraus den Dokumentarfilm "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" gemacht, den aber kein TV-Sender zeigen wollte. Nun zeigen sie ihren Film in Eigenregie an diversen Schulen.

Peter Ohlendorf: "Weil es unserer Meinung ganz wichtig ist, dass dieser Film begleitet wird. Der ist nicht so geeignet, so konsumiert zu werden. Mit dieser Art von Frontalberieselung, wie das heute in aller Regel passiert, sondern dieser Film braucht eine Begleitung, deswegen bin ich auch mit dabei. Und begleite diesen Film und bin dann auch für Diskussionen da."

Im Gymnasium von Bad Nenndorf warten knapp 400 Schüler auf die Filmvorführung und Peter Ohlendorf. Der etwa 50-jährige Filmemacher ist schlank, trägt einen grauen Vollbart und hat aufgeweckte Augen. Vor einigen Jahren lernte Ohlendorf den Journalisten Thomas Kuban kennen, der seit 2004 im rechten Spektrum recherchierte, dabei rund 50 Konzerte besuchte und heimlich filmte.

Das Material montierten die beiden zu einem Dokumentarfilm. Der wurde zwar bisher von allen TV-Sendern abgelehnt, erlebte aber auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere. Kurz darauf entschloss sich Ohlendorf, in Eigeninitiative mit dem Film durchs Land zu ziehen. Es sind vor allem die Konzerte, die nicht nur die Schüler schockieren: Manchmal sind es "nur" Hundertschaften von Neonnazis, die auf "rechte Art" feiern oder "Gedenkveranstaltungen" zelebrieren.

Filmszene: "Sieg Heil! Sieg Heil!"

In Gera, beim "Rechts Rock Open Air", sind es gar 5.000 Besucher.

Filmszene:
"In dem Lied heißt es: Punks, Schwule und Kommunisten stehen alle auf unseren schwarzen Listen. Eines Tages können euch auch die Bullen nicht mehr schützen. Marxisten, die unser Land regieren und Nigger und Türken integrieren, dafür stehen wir auf, für Ost und West und kämpfen gemeinsam gegen diese Pest."

Die anschließende Diskussion kommt schwer in Gang. Außerdem ist das Mikrofonkabel zu kurz. Eine Schülerin fragt, ob die Politik Angst habe, aktiv zu werden. Katja Keul, Bundestagsabgeordnete der Grünen, glaubt, dass der Verfassungsschutz zehn Jahre lang in einer verkehrten Ecke gesucht habe.

"Und die Hoffnung bleibt, die habe ich schon, dass der Skandal, der jetzt aufgedeckt ist, wirklich so etwas ist wie eine Staatskrise, die im politischen Berlin auch sehr hoch gehängt wird. Es bleibt die Hoffnung, dass der Schock, so wie es am Ende des Films gesagt worden ist, tatsächlich auch einiges bewirken wird. Aber wir müssen da natürlich dran bleiben."

Zugleich ärgert sich Peter Ohlendorf darüber, wie noch immer im Bayerischen Verfassungsschutz Tatsachen verdrängt werden.

"Ich muss nur mit großer Verwunderung feststellen, dass Bayern jetzt im Verfassungsschutzbericht für 2011 zehn Konzerte zählt, ganze schlappe zehn Konzerte. Und jetzt kommt der Oberhammer: Nach wie vor in diesem Verfassungsschutzbericht steht: Nö, es hat eigentlich bei diesen Konzerten keine strafrechtlich relevanten Taten gegeben."

Auch nach der Diskussion sind Beklemmung und Unglaube bei den Schülern zu spüren, obgleich sie zuvor im Unterricht auf den Film vorbereitet wurden.

Junge: "Ich habe mir schon vorgestellt, dass die Texte extrem sind. Aber die haben mich dann doch schon schockiert, was da gesungen wurde."
Mädchen: "Also, ich fand die Bilder von den Konzerten ziemlich beeindruckend. Natürlich weiß man, dass die da den Hitlergruß machen oder dass es halt die Musik gibt. Aber in diesem Ausmaße: Ich habe da auch viele Frauen und Kinder gesehen. Und ich hätte nicht gedacht, dass die da auch so dran teilnehmen."

Ohne Mittagspause geht es für Peter Ohlendorf weiter, 14 Stunden hat sein Arbeitstag heute. In der Integrierten Gesamtschule in Rodenberg folgt der nächste Auftritt. Und einige Stunden später noch einer im Kino von Stadthagen. In über 15 Städten war Ohlendorf schon. In Wilhelmshaven kamen an drei Tagen 1.200 Schüler. In Thüringen hat die SPD einen Antrag gestellt, "Blut muss fließen" im Landtag zu zeigen, die Polizeiakademie in Erfurt will den Film in sein Programm aufnehmen.

Peter Ohlendorf träumt gar davon, den Film in Nürnberg auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu zeigen. Vielleicht findet er eines Tages ja auch endlich einen TV-Sender. Denn die Musik ist nicht nur eine Finanzierungsquelle für die Neonazis, sie ist auch ein Nährboden für nächste Generation.

Peter Ohlendorf: "Die Landeszentrale für politische Bildung hat eine sehr interessante Broschüre rausgebracht, 'Rechtsrock und rechter Terror'. Und es kommt ja jetzt auch sukzessive immer mehr raus, dass der NSU nicht irgendwie so im freien Raum schwebte und mal so da war. Sondern dass es da ein breites Unterstützerfeld gab, und dieses Unterstützerfeld hat auch sehr viel mit dieser Neonazi-Rockszene zu tun."

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