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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.08.2015

Filmerbe Digitalisierung ist kein Archiversatz

Dirk Alt im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Eine Mitarbeiterin des Filmarchivs Berlin, einer Abteilung des Bundesarchivs, restauriert einen beschädigten Stummfilm auf Nitrobasis für die Umkopierung auf Sicherheitsfilm. (picture alliance / ZB / Hubert Link)
Eine Mitarbeiterin des Filmarchivs Berlin, einer Abteilung des Bundesarchivs, restauriert einen beschädigten Stummfilm auf Nitrobasis für die Umkopierung auf Sicherheitsfilm. (picture alliance / ZB / Hubert Link)

Die Digitalisierung sei kein Allheilmittel zur Rettung des deutschen Films, warnt der Historiker Dirk Alt. Er befürchtet sogar ganz im Gegenteil einen "Anschlag auf das Filmerbe".

"Die Archivierung ist ein langfristiges Projekt" sagte der Historiker Dirk Alt im Deutschlandradio Kultur über die schwierige Bewahrung des Filmerbes. Zur langfristigen Aufbewahrung eigne sich die Digitalisierung nicht, weil es bis heute kein tragfähiges Modell zur Datenarchivierung auf lange Zeit gebe. "Selbst wenn wir es hätten oder ein solches Modell in Aussicht wäre, dann müsste es sich erst in der Praxis bewähren und kritisch geprüft werden, bevor man einem solchen System einen Schatz wie das deutsche Filmerbe überhaupt anvertrauen könnte ", sagte Alt. Deshalb gebe es bisher nur eine einzige Möglichkeit, um Filme für die Zukunft zu retten, das sei die "physische Kopie". Dabei handele es sich heute um eine Kopie auf Polyesterfilm, der unter normalen Bedingungen 300 Jahre halte und unter klimatisierten Archivbedingungen könne sich diese Lebensdauer auf 500 bis 1000 Jahre erhöhen.

Archivfilme aus ihrem Dornröschenschlaf wecken 

Alt kritisierte, dass in der bisherigen Diskussion die Frage des Zugangs und der Archivierung auf unzulässige Weise miteinander vermischt würden, die eigentlich nicht zusammen gehörten. "Um heute einen Film einem breitem Publikum vorführen zu können und vor allem um ihn kommerziell auswerten zu können, ist eine Digitalisierung unumgänglich", sagte Alt.  Auf diese Weise werde der Film verfügbar. "Es ist auch das einzige Mittel, um heute Archivfilme aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken." Dabei gehe es aber nur darum, den Film zugänglich zu machen.

Kritik an FFA-Gutachten

Eine ganz andere Frage sei die Archivierung: So unterstelle das Gutachten der Filmförderungsanstalt (FFA)  mit dem Stichwort "Rettung des bedrohten Filmerbes" , dass mit der Digitalisierung ein Allheilmittel gefunden sei, um den Materialverfall zuvor zu kommen und die Filme dauerhaft zu retten. "Das ist ein Irrglaube, der auch in der Bevölkerung weit verbreitet ist: Was soll ich mit einem alten Filmstreifen, wenn ich das auf DVD habe, ist es gerettet." Diese Sicht verkenne, dass Polyesterfilm wesentlich beständiger sei als digitale Speichermedien. Außerdem müssten Daten immer wieder migriert werden.

Einflüsterungen der Gutachter

Alt kritisierte, dass in dem FFA-Gutachten sogar erwogen werde, Filme nach der Digitalisierung zu entsorgen. "Da würde mich wirklich interessieren, wessen Einflüsterungen die Gutachter da gehorcht haben."  Das sei nicht allein mit "Leichtsinn", sondern komme schon einem "Anschlag auf das Filmerbe" gleich. Es gebe offenbar Überlegungen, Kosten zu sparen, in dem man sich der Originalfilme entledige, die in der Lagerung problematisch seien, wie beispielsweise der brandgefährdete Nitrofilm.  Allerdings sei eine analoge Archivierung bislang kostengünstiger und wirtschaftlicher als die digitale Speicherung.

Verbindung von Digitalisierung und analoger Archivierung

Der Historiker sprach sich dafür aus, dass man beides verklammere. Die Originalfilme müssten dann hochauflösend digitalisiert und dann auf Polyesterfilm ausbelichtet werden. "Das ist dann die Archivkopie", sagte Alt. Die Datensätze würden dann aufgehoben und in mehrere Rechenzentren eingespeist. "Auf diese Weise würde sich die Möglichkeit eröffnen, gefahrlos mit den digitalen Daten, mit der digitalen Archivierung zu experimentieren."

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 19.8.2015)

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