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Frühkritik | Beitrag vom 14.01.2016

Filme der Woche: "The Big Short"Wie man an der Finanzkrise verdienen kann

Von Hannelore Heider

Der Regisseur Adam McKay mit den Schauspielern Steve Carell und  Ryan Gosling auf dem Walk of Fame in Hollywood im Januar 2016.  (dpa / picture alliance / Mike Nelson)
Adam McKay, Regisseur von "The Big Shot", mit den Schauspielern Steve Carell und Ryan Gosling. (dpa / picture alliance / Mike Nelson)

Der Zahlenfetischist Michael Burry sah voraus, wie man aus dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA 2007 Kapital schlagen könnte. Der Film "Big Short" zeigt, wie er mit Verbündeten die Weltwirtschaft ins Wanken brachte. Leicht, bunt, komisch - aber so gut, dass der Film nachwirkt.

Das ist nicht der erste und ganz sicher auch nicht der letzte Film über die Finanzkrise 2008 und deren Beginn mit dem Zusammenbruch des Häusermarktes in den USA, der sechs Millionen Arbeitslose allein in diesem Land produzierte. Hier stehen aber nicht die Verursacher im Mittelpunkt des wie immer bei diesem Thema spannenden Geschehens, auch nicht die Verlierer oder Staatenlenker, sondern die paar Leute, die den Crash haben kommen sehen und daraus Profit schlagen konnten.

Ging das - beides? Vorhersehen und Geld machen, wo alle anderen verloren? Man konnte. Der Film erzählt eine wahre Geschichte.  Man konnte aber nur gewinnen, wenn man genau auf die Zahlen sah. Das tat der fast autistische Zahlenfetischist Michael Burry. Christian Bale spielt diesen für das  Investment bei einem kleineren Hedge Fond Verantwortlichen.

Alle seine Aktionen brachten den Investoren viel Geld ein. Aber zu einer Zeit, als die Wirtschaft gut lief und sich sogar die sogenannten kleinen Leute Häuser auf Pump leisten konnten, sagte er überraschender weise und ganz präzise für das  3. Halbjahr 2007 den Zusammenbruch des Häusermarktes in den USA voraus und wie daraus Profit zu schlagen sei. Er lockte das Geld der Investoren in eine Art Versicherung oder Wette. "Shorten" ist das Börsenwort für "Gegen etwas Wetten" und so ist der Titel "The Big Short" gemeint.

Es gibt keine ehrbaren Geschäfte in der Finanzwelt

Michael Burry fand Verbündete, sprich Leute, die genauso verrückt waren wie er: einen gierigen, amoralischen Deutsche-Bank-Makler, gespielt von Ryan Gosling; einen rechthaberischen und auf Rache sinnenden Börsenhändler, gespielt von Steve Carell; zwei junge Investmentbanker, die ganz groß rauskommen wollen. Brad Pitt verkörpert die Ausnahmegestalt der einstigen Star-Investoren, der hilft, den völlig legalen Deal einzufädeln. Er sagt im Klartext, dass ihr "Big Short" die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes bringen wird.

Wenn wir dann sehen, wie die Angestellten der Pleitebank Lehman Brothers mit ihren Habseligkeiten aus der Bank flüchten, gibt uns der Film noch zwei bittere Pillen zu schlucken, die deutlich machen: Es gibt keine ehrbaren, sauberen Geschäfte in dieser verlogenen, für das ganz große Geld alles riskierenden Finanzwelt . Und es gibt keine Schuldigen, die nach dem Crash 2008 bestraft wurden.

Schnelle Schnitte, witzige Strichzeichnungen, um etwas zu verdeutlichen, in einander geblendete Parallelhandlungen und montierte Starauftritte - wie ein Sternekoch oder eine Pop-Diva, die versuchen, uns das alles mit dem gesunden Menschenverstand zu erklären. Das sieht leicht und bunt aus, ist sehr komisch und macht den Film auch visuell so besonders, dass man sich dafür schon die Mühe machen kann, über sich über den Spaß hinaus ernsthaft mit der Materie zu beschäftigen.

"The Big Short"
USA 2015, 131 Minuten, ab 6 Jahren
Regie: Adam Mc Kay
Darsteller: Christian Bale,  Steve Carell,  Ryan Gosling,  Brad Pitt,  Marisa Tomei

 

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