Seit 00:00 Uhr Nachrichten
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 00:00 Uhr Nachrichten
 
 

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 21.12.2015

Fifa-Urteil gegen Blatter und PlatiniWarum der Weltfußball korrupt bleibt

Von Philipp May

FIFA-Präsident Joseph Blatter (l) setzt sich neben UEFA-Präsident Michel Platini. (picture alliance / dpa-Bildfunk / Marcus Brandt)
FIFA-Präsident Joseph Blatter (l) setzt sich neben UEFA-Präsident Michel Platini. (picture alliance / dpa-Bildfunk / Marcus Brandt)

Der Fußball-Weltverband hat Fifa-Präsident Sepp Blatter und Uefa-Chef Michel Platini für acht Jahre gesperrt. Unser Kommentator Philipp May begrüßt das Urteil der Fifa-Ethikkommission, warnt aber vor allzu großer Euphorie.

Ein guter Tag für den Weltfußball. Ein Schlag gegen das Krebsgeschwür der Korruption bei der Fifa. Sowohl der suspendierte Fifa-Chef Sepp Blatter als auch der suspendierte Uefa-Chef Michel Platini sind Geschichte. Daran wird auch der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof nichts mehr ändern.

Sie können noch so häufig ihre Unschuld beteuern, über vermeintlich voreingenommene Richter jammern, und sich gegenseitig als Ehrenmänner bezeichnen. Es wird ihnen niemand glauben.

Denn eine Zwei-Millionen-Franken-Überweisung von einem zum anderen – ohne plausible Gründe, in der Hochzeit des Wahlkampfs um den Fifa-Thron – ist schlicht unentschuldbar – und zwar unabhängig von der strafrechtlichen Bewertung des Falls.

Doch die Korruption im Weltfußball wie im gesamten Sport ist damit noch lange nicht besiegt. Gerade die letzten Monate haben leider gezeigt, wie der Weltfußball bis heute immer noch tickt: Er wird beherrscht von einem Haufen von Buddies, die den Milliarden-Kuchen unter sich aufteilen, und nur im absoluten Notfall dem anderen ein Auge aushacken.

Devote Funktionärs-Elite in Deutschland

So ist bis heute zum Beispiel auch noch kein ernsthaft kritisches Wort aus Deutschlands Fußball-Funktionärs-Elite zur Causa Platini gekommen. Im Gegenteil: Auf geradezu devote Art und Weise hat sich beispielswiese Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor den – Zitat – "großartigen Präsidenten" geworfen, den man nicht vorverurteilen dürfe und dessen angeblichen Leistungen für den europäischen Fußball man ja nicht vergessen dürfte.

Der deutsche Fußball gehört voll dazu zum prächtig verdienenden Fußball-Establishment. Er sitzt quasi in der ersten Klasse. Da macht man sich nicht die Hände schmutzig mit allzu lauten Forderungen nach Good Governance.

Und so sollte man sich aller großspurigen Reformankündigungen bei der Fifa zum Trotz nicht der Illusion hingeben, dass jetzt automatisch alles besser wird. Schon länger ist die Fifa auf dem Papier, was die Strukturen angeht, einer der vorbildlichsten Sportverbände der Welt. Doch die andauernden Skandale zeigen: Was nützen die Strukturen, wenn die herrschende Kaste korrupt ist?

Um die Macht gekungelt

Und in den Hinterzimmern wird weiter munter um die Macht im Weltfußball gekungelt. Offenbar soll jetzt ein Scheich aus Bahrain Fifa-Chef werden, der mit Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat in Verbindung gebracht wird. Den Segen der Europäer bekommt er möglicherweise dennoch, wenn dafür ihr Mann neuer Generalsekretär der Fifa wird.

So läuft das bis heute und so kann man nur auf Hilfe von außen hoffen. Auf die strafrechtlichen Ermittlungen in der Schweiz und vor allem in den USA. Darauf, dass US-Justizministerin Loretta Lynch ihre Drohung wahr macht und Kontinent für Kontinent aufräumt, bis am Ende von der alten von der vom Krebs der Korruption zerfressenen Fifa nur noch die Hülle übrig ist.

Mehr zum Thema:

Blatter und Platini - Auf die Ersatzbank gesetzt
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 21.12.2015)

Sepp Blatter - Ikone prä-geriatrischer Unbescholtenheit
(Deutschlandradio Kultur, Nachspiel, 31.5.2015)

Kommentar

Kongress von Rechtspopulisten Veranstaltung in Koblenz war ein Affront
Der Vorsitzende der niederländischen Freiheitspartei, Geert Wilders, die Vorsitzende des französischen Front National (FN), Marine Le Pen und die AFD-Vorsitzende Frauke Petry während einer Tagung (21.01.17) in Koblenz der rechtspopulistischen ENF-Fraktion.  (dpa picture alliance /  Thomas Frey)

Auf dem Kongress in Koblenz, wo Rechtspopulisten und -extremisten der AfD, Front National, Lega Nord und der FPÖ zusammengekommen sind, waren die Aussagen eindeutig antidemokratisch, kommentiert Stefan Maas. Keiner könne mehr behaupten, er wisse nicht, wofür diese Parteien und das Personal stehen.Mehr

Trumps AntrittsredeKampfansage pur
US-Präsident Donald Trump bei seiner Vereidigung (imago stock&people)

Bei seiner Vereidigung zum 45. US-Präsidenten zeichnete Donald Trump ein Zerrbild von der Lage im Land und präsentierte sich als eine Art Erlöser. Seine Wahl sei kein Betriebsunfall, warnt unser Kommentator Klaus Remme, und macht sich Gedanken darüber, ob Trump zu zähmen sein wird.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

Beginn der Ära TrumpMit Shakespeare gegen Trump
William Shakespeare als Wachsfigur (picture alliance / dpa / Foto: Jens Kalaene)

Wir reiben uns noch immer die Augen! Der neue König hat den Thron bestiegen. Seine Kumpane und seine Familie sind in Position gebracht, die Rivalen liegen im Staub. Wie kann man das begreifen? Vielleicht mit Shakespeare?Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur