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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.05.2010

FIFA-Präsident: Fußball-WM hat nachhaltige Wirkung für Südafrika

Joseph Blatter setzt auch auf "Erziehung durch Fußball"

Joseph Blatter im Gespräch mit Nana Brink

"We can't wait": Werbung eines nationalen Sponsors für die Fußball-WM in Kapstadt
"We can't wait": Werbung eines nationalen Sponsors für die Fußball-WM in Kapstadt (dpa / picture alliance / Nic Bothma)

Nach Ansicht des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter bietet die Fußballweltmeisterschaft eine große Chance, nicht nur Wirtschaft und Infrastrukturen, sondern auch das Selbstvertrauen Südafrikas und der anderen afrikanischen Staaten nachhaltig zu stärken. Neben einem wirtschaftlichen Schub sei es auch wichtig, Elemente des Fußballs wie Disziplin und Respekt in Entwicklungsprogrammen einzubauen.

Nana Brink: Vielleicht erleben wir bald ein südafrikanisches Wintermärchen, vergleichbar, wenn natürlich auch unter anderen politischen Vorzeichen, mit dem deutschen Sommermärchen während der Fußballweltmeisterschaft 2006. Und vielleicht geht von der Fußballweltmeisterschaft, die in einem Monat in Südafrika beginnt, ein Kick aus, der die krisengeschüttelte Regenbogennation am Kap der guten Hoffnung sowohl wirtschaftlich als auch politisch voranbringt.

Was bringt die WM für die Entwicklung des Gastgeberlandes? Darüber möchte ich jetzt sprechen mit Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA. Einen schönen guten Morgen, Herr Blatter!

Joseph Blatter: Guten Morgen, Frau Brink.

Brink: Sie haben für Afrika als Austragungsort der WM gekämpft mit Herzblut und haben gesagt, wir müssen Afrika etwas zurückgeben. Was?

Blatter: Ich will ja nicht zurück in die Kolonialzeit gehen, wo man das Gute und das Beste von Afrika weggenommen hat, aber auch im Fußball: Wie viele Hunderte, Tausende von Fußballern hat Afrika jetzt nach Europa geschickt, nach anderen Ländern geschickt? Wie viele afrikanische Nationalmannschaften haben uns bereichert mit ihrem Superspiel, mit den Tänzen auf dem Fußballfeld? Jetzt sollte man und musste man etwas den Afrikanern zurückgeben und ihnen Vertrauen schenken, dass sie auch eine Weltmeisterschaft organisieren können. Das ist, was ich sage: Wir geben ihnen jetzt etwas zurück. Sie haben die Chance zu spielen im eigenen Kontinent.

Brink: Die Fußball-WM ist ja die bislang größte Sportveranstaltung in Afrika. Was bewirkt denn die WM Ihrer Meinung nach für das Gastgeberland Südafrika?

Blatter: Für das Gastgeberland wird es in erster Linie mal viel Selbstvertrauen geben, dem ganzen afrikanischen Kontinent, aber insbesondere Südafrika. Aber mehr als das ist das, was dass wir die nachhaltige Wirkung erreichen wollen, ist nicht, dass neue Stadien gebaut wurden, neue Straßen, Telekommunikationssysteme und so weiter, sondern dass wir jetzt in einem Aufbauprogramm, das heißt "Education for all", also ein Entwicklungsprogramm. Das geht in die Schule, gegen den Analphabetismus, gegen die Armut und insbesondere für die Gesundheit. Da ist ja ein ganz großes Projekt im Gange, das auch unterstützt wird von den europäischen Regierungen, inklusive der deutschen Regierung. Das ist das, was dann in den nächsten Jahren – in den Monaten wird es anfangen – geschehen wird. Das heißt Erziehung für die Jugend durch den Fußball.

Brink: Sie haben ja auch als Weltfußballverband soziale Verantwortung übernommen. Was heißt denn das konkret für Sie, für die FIFA in Südafrika?

Blatter: Eben weil der Fußball eine solch wichtige Rolle spielt, mit den Emotionen, mit der Leidenschaft. Der Fußball hat eine große wirtschaftliche Dimension. Der Fußball ist in unserer Gesellschaft, aber wir dürfen eben das Sozial-Kulturelle nicht vergessen, und das ist die Erziehung durch den Fußball. Der Fußball basiert auf Disziplin und Respekt, und wenn man diese Elemente hineinbaut in unseren Entwicklungsprogrammen, dann machen wir nicht nur bessere Fußballer – so viele können wir auch nicht in der Weltmeisterschaft brauchen -, aber wir machen bessere Menschen – der Fußball als Schule des Lebens.

Brink: Sie wollen zum Beispiel die Teenager konkret in den Slums unterstützen, Fußball zu spielen?

Kinder spielen in Soweto auf der Straße Fußball.Kinder spielen in Soweto auf der Straße Fußball. (AP Archiv)Blatter: Absolut. Sie spielen Fußball. Wir müssen ihnen jetzt noch die Gelegenheit geben, dass sie in die Schule gehen und dass man ihnen auch für die Gesundheit, in der Gesundheit beisteht. Wie Sie wissen, gerade in Südafrika oder ganz im Süden von der Sahara grassieren sehr viele Krankheiten, und denen müssen wir auch begegnen. Es genügt nicht, dass sie kicken; sie müssen eben auch betreut werden, und das ist das Programm. Das läuft unter der Bezeichnung "Football for Hope", also Fußball als Hoffnung.

Brink: Sie haben von den Stadien gesprochen, die gebaut sind, von der Telekommunikation. Nun liegt ja eine große Hoffnung auf einer wirtschaftlichen Entwicklung. 50 Prozent der Bevölkerung lebt ja in Südafrika unter der Armutsgrenze. Wo gibt es denn da mehr Hoffnung, zum Beispiel in der Tourismusbranche durch die WM?

Blatter: Der Tourismus ist ja so, dass elf Millionen Touristen jährlich das Land am Kap der Guten Hoffnung besuchen. Jetzt ist es der australische Winter, da werden weniger Touristen kommen. Aber was auch wichtig ist, ob das Land mit den Investitionen, die jetzt gemacht wurden wegen der Weltmeisterschaft, sich auch wirtschaftlich etabliert hat. Es ist jetzt zu einem sogenannten Schwellenland ernannt worden und macht jetzt auch mit in diesen großen G-8-Gipfeln, die da im Nebenschauplatz verschiedener anderer großer Länder dabei sind. Brasilien ist jetzt zum Zeichen auch noch dabei, und das ist die nächste WM. Ich glaube schon, dass eine Weltmeisterschaft auch die Wirtschaft ankurbelt, aber auch ein großes Selbstbewusstsein einem Land geben kann.

Brink: Und die fragile Sicherheitslage, die ja immer wieder angesprochen wird, wird das nicht beeinträchtigen?

Blatter: Wissen Sie, ein so großes Event muss auch eine spezielle Sicherheit haben. Das haben auch die Chinesen bei den Olympischen Spielen 2008 gezeigt. Die totale Sicherheit existiert nirgends, aber es ist so viel gemacht worden jetzt, und nicht nur in Südafrika. Alle teilnehmenden Länder sind dabei und die Interpol und ich glaube, die Weltmeisterschaft wird gut über die Bühne gehen. Die Kriminalität oder die bösen Buben sind überall auf der ganzen Welt und ich glaube, die Weltmeisterschaft und Fußball wird da ein Zeichen setzen.

Brink: Herr Blatter, jetzt müssen wir aber doch noch zum Fußball kommen, Sie als Weltfußballverbandspräsident: Wie weit kommt denn das Gastgeberland? Wie weit kommt denn überhaupt eine andere afrikanische Mannschaft? Bis ins Halbfinale? Hand aufs Herz!

FIFA-Präsident Joseph Blatter bei der Bekanntgabe des Votums für SüdafrikaFIFA-Präsident Joseph Blatter (AP)Blatter: Es wäre für mich und für die FIFA eine Genugtuung, wenn ein afrikanisches Land in das Halbfinale käme. 1990 war es fast so weit, als damals Kamerun dabei war, England auszubooten. Aber diesmal sollte es geschehen. Ich weiß nicht, ob die Bafana Bafana – das ist das Land am Kap, also die Südafrikaner – so reif sind, das zu erreichen, aber ich sehe diese großen Länder wie die Elfenbeinküste oder Ghana. Das sind ganz großartige Fußballer und ich würde mich freuen, aber es wird schwer sein. Es sind nur 6 afrikanische Mannschaften, 13 Europäer, 5 Südamerikaner und bisher haben immer Südamerikaner oder Europäer gewonnen.

Brink: Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, und wir sprachen über die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, die in einem Monat beginnt. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Blatter.

Blatter: Danke schön!