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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.04.2012

Feier des Lebens

Neu im Kino: Der französische Film "Das Leben gehört uns"

Von Jörg Taszman

Romeo (Jeremie Elkaim) und Juliette (Valerie Donzelli) mit Sohn Adam (Gabriel Elkaim) in einer Szene des Kinofilms "Das Leben gehört uns". (picture alliance / dpa / Prokino Filmverleih)
Romeo (Jeremie Elkaim) und Juliette (Valerie Donzelli) mit Sohn Adam (Gabriel Elkaim) in einer Szene des Kinofilms "Das Leben gehört uns". (picture alliance / dpa / Prokino Filmverleih)

Es beginnt wie ein romantischer Scherz: Auf einer Party lernen sich Romeo und Juliette kennen und lieben. Mit der Geburt ihres Sohnes scheint das Glück perfekt. Doch als bei dem Kleinen Krebs diagnostiziert wird, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Mutig kämpfen sie gegen das Schicksal an.

Sie sind jung, schön, unbekümmert, spontan und leidenschaftlich. Ihr Liebesmärchen beginnt auf einer Party. Nach intensivem Augenkontakt stellen sich die Helden dieser ungewöhnlichen Geschichte einander als Romeo und Julia vor.

"Romeo."
"C'est une plaisanterie."
"Pourquoi?"
"Parce que je m'appelle Juliette."
"On est voué á un terrible destin alors."
"Je ne sais pas."

Auf Französisch heißt der Film "La guerre est déclarée", also: "Der Krieg ist erklärt worden". Der Regisseurin Valérie Donzelli ging es in ihrem Drehbuch mit ihrem Koautor Jerémy Elkaim darum, wie sich ein junges Paar auflehnt, gegen ein ungerechtes Schicksal in den Krieg zieht. Dabei versuchen die beiden mit aller Macht und trotz aller Rückschläge, optimistisch zu bleiben. Diese Lebenswut drückt sich auch stilistisch aus. So gibt es die Off-Erzähler Romeo und Julia, der Film selber ist Drama, Komödie und einmal sogar Musical. In der schönsten Szene singen Romeo und Julia alias Valérie und Jérémy gemeinsam.

Es sind diese ständigen Genrewechsel, durch die der Film so wunderbar unberechenbar und originell wird. Für Jerémy Elkaim galt es, genau diesen Tonfall zu treffen:
"Was den Film ausmacht, ist ja, dass er sich die Freiheit nimmt, dass alle den Film gemacht haben, den sie machen wollten. Es gibt keine Zwänge, keinen Druck. Manchmal wirkt der Film sehr realistisch, dann wieder märchenhaft, lyrisch und manchmal auch burlesk. Valérie verbietet es sich nicht, als Regisseurin die Genres so zu vermischen."

Valérie Donzelli und Jéremy Elkaim sind eigentlich beide ziemlich bekannte Schauspieler und waren einst auch privat ein Paar. Sie haben die dramatischen Ereignisse - den Kampf um das Leben ihres Sohnes - gemeinsam durchgestanden und letztendlich gewonnen. Nur als Paar haben sie das nicht überlebt. Heute leben sie getrennt, sind aber beste Freunde und arbeiten ständig miteinander.

Bisher haben sie drei Filme miteinander gedreht. In Valéries Debütfilm "la reine des pommes" einer Liebesgeschichte um eine verwirrte junge Frau und ihre Liebhaber, spielte Jerémy alle Männer, die im Film auftauchen. Ihre neueste gemeinsame Arbeit "main dans la main" kommt im Dezember in die französischen Kinos und dort spielen sie dann Bruder und Schwester.

Ihre ganz persönliche Liebesgeschichte walzen sie mit "Das Leben gehört uns" niemals aus. Da, das betonen sie beide, haben sie sich große Freiheiten genommen. Valérie Donzelli bekräftigt das.

"Valerie Donzelli: Wir wollten die Geschichte eines jungen Paares erzählen, das eine Liebesgeschichte erlebt und noch ganz am Anfang des Erwachsenenlebens steht. Da ist man überhaupt nicht darauf vorbereitet, kämpfen zu müssen, wenn diese Krankheit plötzlich auftritt. Wenn man jung ist, hat man ja das Gefühl, nicht betroffen zu sein. Das fanden wir interessant, eine Generation damit zu konfrontieren, die sich eigentlich mit dieser ihr fremden Welt niemals auseinandersetzen muss. Sie werden da nun hineingeworfen, müssen Verantwortung übernehmen und sie verlieren die Unbekümmertheit ihrer Jugend."

In Frankreich sahen über 700 000 Zuschauer den Film, der auch der offizielle französische Kandidat für den Oscar war. In die Endausscheidung unter die besten 5 nicht-englischsprachigen Filme schaffte er es dann nicht. Vielleicht auch deshalb nicht, weil "Das Leben gehört uns" mit dem eigentlich harten Thema so unamerikanisch umgeht, weder dramatisch noch melodramatisch wird.

Auf die Kandidatur zur Oscarnominierung war ihr gemeinsamer Sohn stolz. Er ist heute zwölf Jahre alt und vollständig geheilt. Seine Eltern wollten eigentlich nicht, dass er den Film im Kino sieht, aber dann hatten ihn schon viele seiner Klassenkameraden gesehen. So entschied sich ihr Sohn, sich den Film ohne Eltern, aber mit seiner Großmutter anzuschauen. Das Resultat fand er dann "ganz okay".

Frankreich 2011 - Originaltitel: La guerre est déclarée - Regie: Valérie Donzelli - Darsteller: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, César Desseix, Gabriel Elkaïm. FSK: ab 6. Länge: 100 min.

Filmhomepage "Das Leben gehört uns"

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