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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.04.2008

Fechterin Duplitzer: Ich fahre nicht mit einem guten Gefühl nach China

Olympia-Teilnehmerin kritisiert Spiele-Vergabe an Peking

Moderation: Marcus Pindur

Ein Sicherheitsbeamter steht in Peking neben dem Logo der Olympischen Spiele 2008. (AP)
Ein Sicherheitsbeamter steht in Peking neben dem Logo der Olympischen Spiele 2008. (AP)

Die Fechterin Imke Duplitzer will trotz der Kritik am Vorgehen Chinas gegen tibetische Freiheitsaktivisten an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen. Nur vor Ort könne man als Athlet etwas bewirken, sagte Duplitzer. Sie fügte hinzu: "Mit Sicherheit war das IOC nicht gut beraten, die Spiele nach China zu vergeben."

Marcus Pindur: Unmut nicht nur über die chinesische Regierung und ihr Verhalten in Tibet, sondern auch über das Verhalten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). – Wir wollen jetzt mit Imke Duplitzer sprechen. Sie ist Degenfechterin und Mitglied der deutschen Olympiamannschaft. Guten Morgen!

Imke Duplitzer: Guten Morgen!

Pindur: Frau Duplitzer, fahren Sie nach derzeitigem Stand der Dinge zu den Olympischen Spielen nach Peking?

Duplitzer: Da ich Athletin bin – und da müssen wir auch mal wieder so ein bisschen auf den Punkt zurückkommen – und die Athleten dort hinfahren, um in erster Linie auch Sport zu machen, werde ich auf jeden Fall hinfahren. Außerdem ist es für uns die einzige Möglichkeit, wirklich auch Kontakt im Land herzustellen, weil die Bilder, die die Chinesen von den Fernsehübertragungen kriegen, die werden zeitversetzt sein und insofern ist die einzige Möglichkeit, die wir Athleten haben, etwas zu bewegen, einfach vor Ort.

Pindur: Sie haben aber mehrfach geäußert, dass Sie nicht mit gutem Gefühl nach China fahren.

Duplitzer: Mit gutem Gefühl kann man mit Sicherheit nicht hinfahren. Es ist ein bisschen grotesk, weil vor sieben Jahren hat das IOC die Spiele nach Peking vergeben. Damals haben schon sehr, sehr viele Menschen gesagt, ob das so eine gute Idee war. Jetzt zeigt es sich, dass es eine zumindest eine problematische Idee. Anhand dieser Konflikte in Tibet hat sich ja eigentlich erst die gesammelte Diskussion entzündet. Das, was dort vorher passiert ist und ich glaube auch das, was danach passiert, wenn die Flamme erloschen ist und die öffentliche Aufmerksamkeit wieder irgendwo anders hingeht, das ist natürlich das eigentliche Problem.

Pindur: Aber die Olympischen Spiele erfreuen sich nun mal besonderer Aufmerksamkeit und sie werden auch von der Regierung in Peking eingesetzt, um das eigene Image in der Welt eben auch zu gestalten. Was würde denn passieren, denken Sie, wenn Sie dort als Athlet auch ein Zeichen des Protestes zum Beispiel setzen?

Duplitzer: Es kommt immer darauf an, wie dieses Zeichen des Protestes aussieht. Athleten sind bisher immer sehr kreativ und sehr findig gewesen, gegen Dinge zu protestieren, die ihnen gegen den Strich gehen, und Verbote in solchen Bereichen zu umgehen. Es ist natürlich immer eine Frage, weil wenn sie natürlich 50 da stehen haben, dann wird das IOC eventuell dann wirklich auch mit Härte durchgreifen, sollte es als politisches Statement definiert werden. Wenn sie allerdings 500 oder vielleicht 1000 oder 2000 Athleten mobilisieren können, dann ist die Welle so groß, dann kann das IOC das nicht mehr aufhalten, ohne das Gesicht zu verlieren.

Pindur: IOC-Präsident Rogge hat gestern etwas getan, was er bisher noch nicht getan hat, nämlich eine rasche und friedliche Lösung in Tibet gefordert. Was halten Sie davon?

Duplitzer: Mit Sicherheit ist es mal ein Statement das zeigt, dass der Druck, den wir eben auch auf das Olympische Komitee ausgeübt haben, eventuell vielleicht doch ein bisschen was bewirkt. Er bewirkt mit Sicherheit sehr, sehr wenig, aber steter Tropfen höhlt den Stein. Es kann natürlich auch sein, dass er wirklich auch mal von anderer Seite mitgekriegt hat, was in Tibet passiert. Das fängt ja mit den Flüchtlingen an, die unterwegs sind, die mit Sandalen über schneebedeckte Ebenen laufen, um dort wirklich rauszukommen und ihre Religion frei ausüben zu können, und so weiter. Ich meine, jeder, der irgendwo einen Funken Anstand oder einfach einen Funken Menschlichkeit in sich hat, muss bei solchen Bildern und bei solchen Informationen natürlich schon ins Grübeln kommen.

Pindur: Sie haben eben gesagt, es würde Druck ausgeübt aufs IOC. Auch Druck von Seiten der Athleten?

Duplitzer: Der Druck von Seiten der Athleten ist für uns immer sehr schwierig, weil wir sind gerade in dieser sportpolitischen Welt, wie es ja immer heißt. Insofern kann Sport nicht politisch neutral sein. In dieser sportpolitischen Welt sind wir Athleten natürlich immer das schwächste Glied. Wir haben natürlich Athletenvertreter mit allem Drum und Dran, aber das ganze ist natürlich verhältnismäßig kompliziert.

Pindur: Im Endeffekt sind Sie also auch der Ansicht, dass das IOC nicht gut beraten war, die Spiele nach China zu vergeben?

Duplitzer: Nein. Mit Sicherheit war das IOC nicht gut beraten, die Spiele nach China zu vergeben. Als sich Kapstadt für die Olympischen Spiele 2000 beworben hat, hat Kapstadt und Südafrika die Spiele nicht bekommen mit der Begründung, es handelt sich um eine junge Demokratie, ihr seit noch nicht so weit, werdet erst mal stabil und dann können wir wieder darüber reden. Jahre später kriegt Peking die Olympischen Spiele mit der Begründung, das ist ein kommunistisches Regime, was sich nach Westen öffnet, und dem muss man eine Chance geben. Das funktioniert in meiner Argumentationskette irgendwie nicht.

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