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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.06.2012

Farbenfroh und poetisch

Bettina Flitner, Alice Schwarzer: "Reisen in Burma", DuMont Verlag, Köln 2012, 159 Seiten

Malerische Abendstimmung an der U-Bein-Brücke in Amarapura, der ehemaligen Königshauptstadt südlich von Mandalay. (picture alliance / dpa / Lothar Ferstl)
Malerische Abendstimmung an der U-Bein-Brücke in Amarapura, der ehemaligen Königshauptstadt südlich von Mandalay. (picture alliance / dpa / Lothar Ferstl)

Nach einer langen Zeit der Abschottung unter einer Militärdiktatur öffnet sich der südostasiatische Staat Burma – offiziell Myanmar – langsam der Welt. Die aus Burma stammende Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, jahrelang von den herrschenden Militärs ihrer Heimat unter Hausarrest gestellt, durfte im April bei Wahlen kandidieren, danach auf Europareise gehen und hat in diesem Monat in Oslo - mit gut 20 Jahren Verspätung - ihre Dankesrede gehalten.

Der Zeitpunkt könnte besser nicht gewählt sein, um ein Buch über Burma auf den Markt zu bringen. Zwei Frauen haben das getan: die Fotografin Bettina Flitner und die Journalistin Alice Schwarzer. Zum ersten Mal besuchten sie das Land zwischen China und Indien im Jahr 2000. Burma war damals kein angesagtes Reiseziel. Bis 2012 waren die beiden Frauen sechsmal gemeinsam dort. "Reisen in Burma" heißt ihr farbenfroher und überraschend poetischer Bildband.

Wer die sozial engagierten, schwarz-weißen Fotoserien Bettina Flitners oder ihre listig arrangierten Prominentenporträts kennt, wird sich über diesen Band wundern: Sie bilden vor allem die sanfte Schönheit von Menschen und Landschaften ab. Die Fotografin dokumentiert Alltagsgeschehen: Marktszenen; Frauen beim Einkauf, Krüge und Kohlköpfe auf ihrem Haupt balancierend, beim Wäschewaschen und Baden am Fluss; Kinder auf einem Karussell, mit ihren Müttern; buddhistische Mönche; Fischer beim Einholen ihrer Netze. Flitner zeigt Farbenhändler und Schildermaler, Souvenirverkäufer, religiöse Zeremonien, Häuser aus der Kolonialzeit, Bauarbeiter, einen Ochsenparkplatz und Slums. Mit offenem, unaufdringlichem Blick nimmt sie ihr Sujet wahr, ist empfänglich für Anmut und Würde der Menschen, auch für deren Religiosität.

Farbenfroh sind die Bilder, aber nicht kitschig – und auch der Text Alice Schwarzers ist leicht dahin erzählt, aber nicht naiv. Die sonst so temperamentvolle Journalistin benennt deutlich den spürbaren Wandel im Land. Das ist die Kehrseite der Öffnung: die langsam einsickernden Glücksritter und Geldmacher, die wachsende Zahl von Prostituierten und Hotelburgen, die Interessen westlicher Politiker. Doch beschreibt sie vor allem ihre Reiseerlebnisse: die Erfahrung der Natur, kleine Zwischenfälle, Begegnungen mit Menschen – vom ehemaligen Rebellenführer bis zum buddhistischen Mönch, die Zufallsbekanntschaften auf einer Flussfahrt oder einer Beerdigungsfeier.

Spürbar fasziniert lassen sich Schwarzer und Flitner ein auf die fremde Kultur. Sie vermitteln das Gefühl, aufmerksame Gäste in einem verwunschenen Land zu sein. Entsprechend transportiert dieses Buch keine Botschaft. Stattdessen berichten zwei Frauen, die mit freudigem Staunen diesen Flecken Erde bereist und sich offenkundig in ihn verliebt haben. Dieser Bildband will kein Reiseführer sein. Vielmehr eine Einladung, sich verzaubern zu lassen – solange das noch möglich ist.

Besprochen von Carsten Hueck

Bettina Flitner/Alice Schwarzer: Reisen in Burma
DuMont Verlag, Köln 2012
159 Seiten, 34,95 Euro

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