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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 25.12.2012

Fantasy mit englischem Humor

Maryrose Wood: "Das Geheimnis von Ashton Place", Thienemann Verlag, Stuttgart 2012, 326 Seiten

Im Jahr 1995 erklärte die UNSECO den 23. April zum Welttag des Buches (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Im Jahr 1995 erklärte die UNSECO den 23. April zum Welttag des Buches (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Auch der zweite Band von Maryrose Woods "Ashton-Place"-Reihe ist ein empfehlenswerter Schmöker für Kinder. Er nimmt einen mit in das London der Dickens-Zeit, bietet eine Menge skurriler Gestalten, Geheimnisse und Abenteuer. Ein mitreißendes Plädoyer für das Lesen und Vorlesen.

In den zweiten Band einer Trilogie einzusteigen, ist oft schwierig. Doch Maryrose Wood macht es ihren Leserinnen und Lesern leicht. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, bekommt flott und wohldosiert alle wichtigen Informationen nachgeliefert.

Die 15-jährige Penelope Lumley hat die Erziehung von drei elternlosen Kindern übernommen. Die drei hat man im Wald aufgegriffen, sie haben jahrelang bei Wölfen gelebt und verhalten sich entsprechend wild. Doch während Penelopes Schützlinge erstaunliche Bildungsfortschritte machen, tauchen immer mehr Rätsel um ihre Vergangenheit auf. Auch die Pflegeeltern Lord und Lady Ashton und sogar Penelopes eigene Familiengeschichte sind verwoben in diesen mysteriösen Fall. Spielte der erste Band im unheimlich-einsamen Herrenhaus Ashton Place, so geht es im zweiten in die Großstadt London - ebenfalls ein aufregender Ort für Verfolgungsjagden, Abenteuer und erstaunliche Entdeckungen.

Maryrose Wood hat einen Riesenspaß daran, in ihren Romanen alle nur möglichen Motive, Figuren und Namen der Literaturgeschichte spielerisch durcheinander zu wirbeln: Tarzan und Mogli, Mary Poppins und Jane Ayre winken von weitem. Schloss und Geheimgang, magische Gemälde und ein alter Fluch entstammen der Schauerromantik. Dazu kommt, dass die drei wilden Wolfskinder von ihrer liebevollen, aber strengen Erzieherin bis zum Überdruss mit Shakespeare und romantischer Dichtung traktiert werden. Trotzdem gedeihen sie prächtig.

Mit diesen Anspielungen nimmt Maryrose Wood den klassischen Erziehungsroman und die moderne Mysterywelle ironisch auf den Arm. Zusätzlich bietet sie ein Sprachvergnügen besonderer Art: Ein allwissender Erzähler berichtet von heute aus über das Geschehen, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts anzusiedeln ist. Auf altmodische Weise kommentiert und erläutert er, was passiert, fügt augenzwinkernd Belehrendes ein und spricht wie eine schrullige, aber gewitzte Gouvernante. Das ist intelligent und schwungvoll gemacht!

Ansonsten ist diese schräge Geschichte in einem englisch-humorigen Ton erzählt. Betulich gedrechselte Dialoge, Wortspielereien und zickige Auftritte der frustrierten Lady Ashton sorgen für eine Menge Komik. Und wenn 11-Jährige auch nicht jede Anspielung und jeden Witz verstehen werden, ist doch für reichlich Unterhaltung, Spaß und Spannung gesorgt.

So ist auch der zweite Band von Maryrose Woods "Ashton-Place"-Reihe ein empfehlenswerter Schmöker. Er nimmt einen mit in das London der Dickens-Zeit, bietet eine Menge skurriler Gestalten, Geheimnisse und Abenteuer. Und so ist dieser Kinderroman eines: ein mitreißendes Plädoyer für das Lesen und Vorlesen. Mit schönen Geschichten kann Penelope ihre wilden Drei nach jedem Abenteuer immer wieder begeistern. Denn zuerst geht es beim Lesen nicht um Bildung, sondern um Vergnügen. Auch bei diesem Buch.

Besprochen von Sylvia Schwab

Maryrose Wood: Das Geheimnis von Ashton Place. Die Jagd ist eröffnet.
Aus dem Amerikanischen von Eva Plorin
Thienemann Verlag, Stuttgart 2012
326 Seiten, 12,95 Euro
ab 11 Jahren

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