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Studio 9 | Beitrag vom 29.01.2016

Exzellenz-Initiative"Spitzenforschung braucht Zeit"

Von Christiane Habermalz

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Der Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden präsentiert am 29. Januar 2016 in Berlin die Evaluation "Wie geht es weiter mit der Exzellenz-Initiative für Wissenschaft und Forschung?". (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Der Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden präsentiert am 29. Januar 2016 in Berlin die Evaluation "Wie geht es weiter mit der Exzellenz-Initiative für Wissenschaft und Forschung?" (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Wie exzellent sind die besten deutschen Unis im internationalen Vergleich? Eher so mittel, hat der Wissenschaftsmanager Dieter Imboden festgestellt. Die Exzellenz-Initiative soll nach 2017 fortgesetzt und verändert werden - um Stanford, Zürich oder Oxford näher zu kommen.

Selten wurde in der Wissenschafts-Community ein Evaluationsbericht mit größerer Spannung erwartet als der sogenannte Imboden-Bericht, der die bisherigen Erfolge oder auch Misserfolge der Exzellenz-Initiative unter die Lupe nehmen sollte. Der Schweizer Wissenschaftsmanager und Physiker Dieter Imboden stellte heute in Berlin nach anderthalb Jahren Prüfung die Ergebnisse der international besetzten Kommission vor. Mit einem positivem Zeugnis, auch wenn er gleich zu Beginn die Erwartungen dämpfte:

"Die deutschen Universitäten sind auf dem Weg, aber das Ziel ist noch weit. Und das ist nicht ein Versagen der Universitäten, dass sie faul sind oder geschlafen haben, sondern: Wissenschaft-Spitzenforschung zu erreichen, auf Augenhöhe mit den Besten sein zu wollen, und das war das Ziel der Exzellenz-Initiative, braucht Zeit."

Dennoch sei mit vergleichsweise wenig Geld (500 Millionen Euro pro Jahr) erstaunlich viel erreicht worden, so Imboden. Der Wettbewerb habe an den Universitäten einen enormen Strukturwandel in Gang gesetzt, Spitzenforschung und Internationalisierung seien vorangetrieben worden, die hohe Qualität vor allem der Exzellenzcluster sei beeindruckend. Doch um sich mit Stanford oder Oxford zu messen, wären mehr Mittel und mehr Zeit notwendig gewesen:

"Wenn Sie dieses Geld einer einzigen Universität geben würden, zum Beispiel der TU Aachen, dann würde die TU Aachen auf einen Betrag kommen, der in etwa dem Geld entspricht, das eine Universität wie in England Oxford oder die ETH Zürich hätte – und immer noch hätte die TU Aachen etwa doppelt so viele Studierende."

Die bisher mit insgesamt 4,6 Milliarden Euro ausgestattete Bund-Länder-Initiative zur Förderung der Spitzenforschung in Deutschland wurde vor zehn Jahren von der damaligen SPD-Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ins Leben gerufen. Ende 2017 läuft sie aus, die Neuauflage für weitere zehn Jahre ist schon beschlossen, nur in welcher Form, darum streiten sich die Experten und die Parteien.

Ein Bonus von 15 Millionen Euro

Gefördert wurden bislang drei Förderlinien: Graduiertenkollegs, interdisziplinäre Exzellenzcluster, zu denen sie 25 Wissenschaftler fächerübergreifend zu einem Forschungsprojekt zusammenschließen mussten, und die Zukunftskonzepte ganzer Universitäten, der sogenannten Elite-Universitäten. Für das Nachfolgeprogramm empfehlen die Wissenschaftler eine stärkere Fokussierung auf die Bereiche Spitzenforschung und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Graduiertenschulen sollen daher aus der Förderung herausfallen und in die Finanzierung der Universitäten übergehen.

Die Exzellenzcluster sollen fortgeführt, aber durch weniger Auflagen flexibler gestaltet werden. Für die dritte Säule, die Elite-Universitäten, schlägt die Kommission vor, von einer Wettbewerbsförderung auf eine Leistungsförderung umzusteigen. Statt von Hochschulen zu fordern, immer wieder neue Zukunftskonzepte zu entwickeln, sollen die zehn besten Universitäten mit einem Bonus von 15 Millionen Euro im Jahr "belohnt" werden:

"Und dann nach sieben oder acht Jahren schaut man den neuen Wettbewerb an. Vielleicht fallen dann einige runter, andere kommen dazu, aber macht das langatmig, so dass mit diesem zusätzlichen Geld die Universitätsleitung langatmig und vielleicht auch risikofreudig etwas in Bewegung setzen kann."

Also rückwirkende Leistungsbewertung statt die Förderung von Konzepten – ein Paradigmenwechsel. DFG-Präsident Strohschneider begrüßte den Vorschlag als eine interessante Idee:

"Das ist insofern ein interessanter Vorschlag, als er den Antragsdruck für die Universitäten etwas abdrosseln würde. Er wär auf der anderen Seite damit verbunden, dass man eine irgendwie indikatorisierte Basis für diesen Exzellenzzuschlag braucht, und das ist mit Dauerbewertungen von Universitätssystemen insgesamt verbunden, und da haben viele Länder wie die Engländer zum Beispiel keine sehr positiven Erfahrungen gemacht."

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern will im April eine Fortsetzung des Programms beschließen. Darüber müssen dann Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten endgültig entscheiden. Die Exzellenz-Initiative habe der deutschen Wissenschaft "neue Energie und Dynamik" verliehen, erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

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