Freitag, 22. August 2014MESZ03:58 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie Frau der Stunde
Die finnisch-estnische Autorin als Ehrengast während eines Interviews im Gresham Palast auf dem 21. Budapest International Book Festival in Budapest, Ungarn, am 24. April 2014. 

Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Welt" widmen sich der prophetischen Kraft des neuen Romans der finnisch-estnischen Autorin Sofi Oksanen. Und die "FAZ" lässt einen hochrangigen Vertreter des Islamischen Staates zu Wort kommen. Mehr

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Fazit

AtonalEchos von der Schweinehaut
Der Eingang zum Club Tresor in der Köpenicker Straße in Mitte am 12.02.2009 in Berlin während der Party "Transducers! Berlin - London - Wien" von Filmbranche und elektronischer Musikszene

Das Festival Berlin Atonal startete im Berliner Club Tresor mit dem Ensemble Modern und Klassikern der Minimal Music. Es klang nach einer Verneigung vor historischen Größen elektronischer Musik. Mehr

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Der Brite Michael Clark, seit 30 Jahren als "Revoluzzer" des klassischen Balletts bekannt, sorgt beim Tanzfestival "Tanz im August" in Berlin für einen ersten Höhepunkt. Bei ihm wird Punk Design.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.01.2012

Expressionismus-Parodie mit Büchner

Claus Peymann inszeniert Georg Büchners "Dantons Tod" im Berliner Ensemble

Von Andrea Gerk

Ulrich Brandhoff (als Danton, l) und Veit Schubert (als Robespierre) in "Dantons Tod" im Berliner Ensemble
Ulrich Brandhoff (als Danton, l) und Veit Schubert (als Robespierre) in "Dantons Tod" im Berliner Ensemble (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Eigentlich würde Georg Büchners Stück über die Französische Revolution sehr gut in die heutige Zeit passen. Claus Peymanns Interpretation bleibt jedoch weit hinter der Modernität der Vorlage "Dantons Tod" zurück.

40 Jahre habe er sich nicht an Georg Büchners "Dantons Tod" herangewagt, lässt Claus Peymann vor der Premiere verlauten und nachher muss man sich fragen, warum er diesen bewegenden Text nicht lieber noch 40 Jahre hat liegen lassen.

Mit seinem Bühnenbildner Karl-Ernst Hermann schafft Peymann zwei Szenarien, in denen er die vielen Einzelszenen des 1835 zuerst erschienenen Stückes spielen lässt: Eine im vorderen Bereich dient als Kammer, Kerker oder Salon, öffnet sich die schräg und spitz zulaufende Bühnen nach hinten, wirkt sie wie eine dunkle Schlucht, in der sich Straßen- oder Gerichtszenen abspielen.

Fast expressionistisch wirkt diese Setzung, ein Eindruck, der durch die starken Kontraste in den Kostümen, deren schrille Überdrehtheit noch verstärkt wird. Leider wirkt auch die Spielweise der Schauspieler wie aus einer Expressionismus-Parodie: Mit ihren ohnehin weiß geschminkten Gesichtern, wird beinahe jede Geste, jeder Gesichtsausdruck maßlos übertrieben und ins Klamaukige überdreht.

Der junge Ulrich Brandhoff spielt Danton als leidenschaftlichen Freidenker, als verlorenen und verzweifelten Kämpfer, dem gegenüber ein in enges Schwarz gezwängter Robespierre (Veit Schubert) in seinen Prinzipien versteinert wirkt. Auch hier also keine neue Interpretation oder Lesart, was die Protagonisten dieser Revolution ausmacht, beziehungsweise was die Revolution mit ihnen gemacht hat.

Anspielungen auf aktuelle politische Geschehnisse fallen ebenfalls aus, vielmehr bleibt der ganze Abend in einem weit entfernten, künstlichen Kosmos verhaftet, der sich inhaltlich, aber auch ästhetisch abseits jeder Gegenwärtigkeit befindet. Während Büchners Text eine ungebrochene Faszination und Modernität besitzt, er die Grenzen der Gattung sprengte und eine ungeheuer berührende poetische Kraft besitzt, bleibt diese Inszenierung weit hinter der Modernität der Vorlage zurück.

Bis auf seltene Einzelmomente - zum Beispiel, wenn Danton als nackter Mensch, voller Todesangst und Verlorenheit, jenseits von politischen Idealen und kämpferischer Pose, wie ein Kleinkind auf dem Schoß seiner Frau Julie kauert - entsteht an diesem Abend keine künstlerische Unmittelbarkeit, alles bleibt künstlich, zum Teil sogar albern, ohne nachvollziehbare Vision.

Vielmehr fühlt man sich wie in einem Theatermuseum, wo man einer furchtbar altbacken wirkenden Gattung beim Aussterben zusehen darf. Man möchte sich Alfred Kerr anschließen, der einmal schrieb: "Als ich aus dem Theater kam, regnete es. Auch das noch."

Mehr Informationen zur Inszenierung gibt es beim Berliner Ensemble