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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 10.01.2007

Expeditionsbericht eines wissenschaftlichen Abenteurers

Charles Darwin: "Die Fahrt der Beagle. Tagebuch mit Erforschungen der Naturgeschichte und Geologie der Länder, die auf der Fahrt von HMS Beagle unter dem Kommando von Kapitän Fitz Roy, RN, besucht wur

Charles Darwin im Jahr 1875. (AP Archiv)
Charles Darwin im Jahr 1875. (AP Archiv)

Vor 175 Jahren, im Dezember 1831, stach Charles Darwin in See; fünf Jahre dauerte seine Expeditionsreise um die Welt. Knapp drei Jahrzehnte später erschien sein Buch "Über die Entstehung der Arten", womit er die moderne Evolutionstheorie begründete, nach der der Mensch vom Affen abstammt.

Darwins Aufzeichnungen der Expeditionsfahrt, die die wissenschaftlichen Grundlagen für diese Theorie lieferten, lagen bisher allerdings nicht in deutscher Übersetzung vor. Diese Lücke hat nun der marebuchverlag geschlossen und den 680 Seiten starken Reisebericht "Die Fahrt der Beagle" herausgebracht.

In seiner Einleitung nennt der Wiener Bestseller-Autor Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") dieses Buch: "vor allem brillant geschriebene Literatur." Er hat Recht, erstens ist "Die Fahrt der Beagle" literaturtheoretisch eine - wie es im Englischen heißt - "Personal Narrative", also eine persönliche Erzählung und kein Sachbuch.

Zweitens ist der Reisebericht in der Tat "brillant geschriebene Literatur" oder, um es zu präzisieren, brillant geschriebene Unterhaltungsliteratur - auf jeden Fall für jene Zeit gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, als das Buch entstand und durchaus auch für den heutigen Leser, vorausgesetzt er verfügt über Zeit und Muße.

"Die Fahrt der Beagle" ist eine wundervolle, oft spannende Abenteuergeschichte, eine Reise um die Welt auf einem kleinen Segelschiff. Der Leser erlebt Stürme, Vulkanausbrüche, politische Revolutionen, Naturbeschreibungen und natürlich auch wissenschaftliche Untersuchungen wie zum Beispiel zur Geologie oder zur Käferkunde. Aber selbst exzessive Käferkunde langweilt nicht, entführt sie doch den Leser aus seiner so zweckorientierten modernen Welt.

Darwin war ein sehr junger Mann, als er dieses Buch schrieb; als er losfuhr, war er gerade mal 22 Jahre alt. Das kommt in der passagenweise sehr persönlichen, sehr emotionalen Attitüde zum Ausdruck: Regengüsse sind "gewaltig", Gräser "elegant", und oft schwelgt Darwin geradezu in poetischen Naturbeschreibungen der Reise:

"Eine mondbeschienene Nacht mit klarem Himmel und gleißendem Meer, und die weißen Segel gefüllt vom linden Hauch eines sanft wehenden Passats; ... die wogende Fläche wie ein Spiegel poliert."

Durch das ganze Buch zieht sich als Salz in der Suppe der typisch trockene britische Humor:

"Das Wasser steigt und fällt, als ob es seine übliche Aufgabe wäre."

Und Darwin wechselt gerne auch die Erzählform: für Handlung benutzt er die Vergangenheitsform, für Schilderungen das Präsens - auch das ein literarisches Stilmittel.

"Die Fahrt der Beagle" ist ein Buch für Genießer mit viel Ruhe und ein Buch besonders für historisch Interessierte. Und in seinem repräsentativen blauen Schuber ein ideales Weihnachtsgeschenk.

Rezensiert von Lutz Bunk

Charles Darwin: "Die Fahrt der Beagle. Tagebuch mit Erforschungen der Naturgeschichte und Geologie der Länder, die auf der Fahrt von HMS Beagle unter dem Kommando von Kapitän Fitz Roy, RN, besucht wurden."
Übersetzt von Eike Schönfeld
marebuchverlag 2006
687 Seiten, 39.90 Euro

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