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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 17.03.2010

"Everybody's Fine"

Hans-Ulrich Pönack über einen Vater, der einige Illusionen verliert

Als keiner seiner erwachsenen Kinder seine Einladung zu Weihnachten annimmt, macht sich der von Robert De Niro gespielte Vater selbst auf den Weg. Bei ihnen angekommen, muss er erkennen, dass keiner von ihnen das ist, was er zu sein vorgibt.

USA/Italien 2009, Regie: Kirk Jones, Hauptdarsteller: Robert De Niro, Drew Barrymore, Kate Beckinsale, Sam Rockwell, 99 Minuten, ab sechs Jahren

Kirk Jones ist ein britischer Regisseur und Drehbuch-Autor, Jahrgang 1963, der auch hierzulande mit seinen beiden Spielfilmen "Lang lebe Ned Devine" (1998; eine irisch-britische Co-Produktion, die mittlerweile Kultstatus besitzt) sowie "Eine zauberhafte Nanny" (2005; mit Emma Thompson; wird in Kürze im Kino fortgesetzt) bekannt wurde.

Hier nun adaptierte er einen italienischen Klein-Klassiker des "Cinema Paradiso"-Regisseurs Giuseppe Tornatore von 1990: "Stanno Tutti Bene", der bei uns mit "Allen geht´s gut" betitelt wurde. Der große Marcello Mastroianni spielte damals den gealterten Witwer Mateo Scuro, der sich auf eine Reise in den Norden Italiens begibt, um seine erwachsenen Kinder zu besuchen, von denen er glaubt, dass sie alles erfolgreiche, arrivierte Persönlichkeiten geworden sind.

Heute nun macht sich der inzwischen 66-jährige zweifache "Oscar"-Preisträger Robert de Niro (Der Pate II"/1974; "Wie ein wilder Stier"/1980) auf den Weg zu seinen Kindern. Frank Goode ist ein herzkranker Rentner und seit acht Monaten Witwer. Penibel werden Haus und Garten gepflegt. Frank war Arbeiter in einer Kabelfabrik, hat viel geackert, hat viele Drähte verlegt, was seiner Gesundheit offensichtlich schließlich mehr als geschadet hat. Aber: Frank war und ist stolz auf seine langjährige Arbeit, denn sie ermöglichte es ihm immerhin, eine Familie zu gründen, Haus mit Grundstück zu erwerben, vier "wohlgeratene" Kinder großzuziehen.

Allerdings, nicht er hat die Kinder, zwei Mädels, zwei Buben, großgezogen, sondern seine Frau. Sie war die eigentliche Ansprechpartnerin für den Nachwuchs. Frank dagegen, mit seiner perfektionistischen Strenge, "auf dass alle glücklich und erfolgreich werden", war zwar beruflich "in der Kommunikation" viel beschäftigt mit dem vielen Einrichten von endlosen Telefonleitungsmasten, kommunizierte aber mit seinen Kinder selten "richtig". Fand nie den "richtigen Draht" zu ihnen. Ahnen, hören und erfahren wir nach und nach.

Der nun alte Dad und seine vier Kinder, und eigentlich ist man heute zu einem Familientreffen am Wochenende bei ihm "auf dem Land" verabredet. Doch dann sagen sie ihm alle ab. Wir vernehmen - fadenscheinige Gründe, er denkt sich, wenn die nicht zu mir kommen wollen, komme ich eben zu ihnen. Überrasche sie einfach. Also macht er sich per Zug, Bus, LKW und Flugzeug auf den langen Weg zwischen Ost- und Westküste der USA.

Und es wird, ganz klar, eine Reise in die "eigenen familiären Seelen-Spuren". Wo nichts so ist, wie es scheint: David ist keineswegs ein berühmter Künstler in Manhattan; Amy (Kate Beckinsale/ "Nichts als die Wahrheit", gerade auf DVD herausgekommen) keineswegs die namhafte Werbeagentin in Chicago; Robert (Sam Rockwell) spielt im Orchester in Denver keineswegs die "erste Geige" als Dirigent, sondern "haut nur auf die Pauke", und Rosie (Drew Barrymore) tanzt in Las Vegas nicht in der ersten Reihe, sondern nur im Ensemble mit.

Doch das wollen sie vor ihrem Vater verheimlichen, damit seine Illusion von glücklichen, zufriedenen, erfolgreichen Kindern bestehen bleiben möge. Seit die vertraute Mutter gestorben ist, ist diese Familie eigentlich auseinandergebrochen, signalisieren die Bilder, Bemerkungen, "Geräusche". Doch diese Family wieder zusammenzukitten, bemüht sich nun der Film in vorhersehbarer, wenig origineller, langweiliger Art und Erzählweise. Papa strampelt sich ab, erlebt ein paar "simple Abenteuerchen", die "Kinder" blocken und foppen, und dann kommt es doch zum krönenden Umwege-Happyend.

Während Ex-Beatle Paul McCartney mit einem neuen Song auf dem Abspann freundlich tönt: "(I want to) come home". Nun ja: Nett-verlogen ist das Ganze, in der Typenschilderung oberflächlich und klischeefreundlich, behäbig in der geistigen wie physischen Bewegung. Robert De Niro, der schon seit geraumer Zeit keine spannenden Rollen mehr spielt, kriegt oder beides, darf hier den naiv-rechtschaffenen, gebrechlichen wie blassen Dad mimen - eine ganz und gar reizlose Figur. Die Zeiten, in denen man sich permanent auf ein neues Robert De Niro-Werk freute, sind längst passé. "Everybody´s Fine" jedenfalls ist ein lebloses Rührstück und viel zu klein für die große Kino-Leinwand.

Filmhomepage "Everybody's Fine"

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