Seit 15:05 Uhr Interpretationen
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen
 
 

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 27.01.2015

Eva Pusztai-FahidiWarum konnten Sie Ihr Schweigen über Auschwitz schließlich brechen?

Moderation: Katrin Heise

Die Auschwitz-Überlebende Eva Pusztai-Fahidi spricht am 26.01.2015 bei der zentralen Auftaktveranstaltung des weltweiten Gedenkens zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Berlin.  (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)
Die Auschwitz-Überlebende Eva Pusztai-Fahidi spricht bei der Auftaktveranstaltung des weltweiten Gedenkens zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Berlin. (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)

Erst mit etwa 75 Jahren hat sie angefangen, über ihre Erlebnisse in Auschwitz und Buchenwald zu sprechen. Zuvor schwieg die Ungarin Eva Pusztai-Fahidi fast 60 Jahre lang. Was will sie den Deutschen heute sagen?

Eva Pusztai-Fahidi schwieg fast 60 Jahre lang: über die Deportation im Viehwagen, über die Vernichtung ihrer Familie in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau, über die Monate der Zwangsarbeit in einer Rüstungsfabrik beim KZ Buchenwald.

Die Fahidis hatten im ungarischen Debrecem ein gutbürgerliches Leben geführt, interessierten sich für deutsche Literatur und die Musik deutscher Komponisten, waren vom Judentum zum Katholizismus übergetreten. Das konnte die Familie nicht schützen. Pusztai-Fahidis Eltern, die Schwester und viele andere Verwandte gehörten zu den mehr als eine halbe Million ungarischen Juden, die in den letzten Kriegsmonaten von den Deutschen ermordet wurden.

Eva Pusztai-Fahidi spricht am 26.1.2015 bei der zentralen Auftaktveranstaltung des weltweiten Gedenkens zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Berlin. (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)Eva Pusztai-Fahidi (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)Anlässlich des Gedenkens an den 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau hielt die Überlebende eine bewegende Rede bei der Gedenkstunde des Internationalen Auschwitz Komitees.  

Sie habe die Deutschen lange Zeit gehasst, sagte Pusztai-Fahidi im Deutschlandradio. "Man wird nicht klüger davon,dass man alt ist, aber Erfahrung sammelt man, ob man will oder nicht."  Die richtigen Täter, die ihr Leben zugrunde gerichtet hätten, seien bereits tot. Sie sei zum Zeitpunkt ihrer Deportation nach Auschwitz ja erst 18 Jahre alt gewesen. Wenn sie von Tätern spreche, denke sie nicht in erster Linie an den Wachmann bei ihrer Ankunft im Konzentrationslager, sondern meine vor allem diejenigen, die klug und gebildet gewesen seien, die die "Theorie" erfunden und das Dritte Reich gegründet hätten.  

Wer wie sie Auschwitz überlebt habe, müsse feststellen, wie sehr der Hass die menschliche Seele ruiniere. "Und dann kommt man zu diesem Punkt, dass man einfach nicht hassen will", sagte sie. Man wolle sich nicht demoralisieren lassen.

 

Mehr zum Thema:

Eine Auschwitzüberlebende blickt zurück
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 10.11.2011)

70. Jahrestag - Die Tage vor der Befreiung von Auschwitz
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 26.1.2015)

Auschwitz-Gedenktag - "Wir wissen erst höchstens 20 Prozent über den Holocaust"
(Deutschlandfunk, Interview, 25.1.2015)

Im Gespräch

BewegungTanzen als Weg zu sich selbst
Ein Paar tanzt im Jahr 1939 im The Savoy Club in Harlem, New York, den Swingtanz Lindy Hop. (imago/United Archives International)

Tanzen polarisiert: Entweder man tut es leidenschaftlich oder man lehnt es ab. Tangolehrerin Heidi Schumacher und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Gunter Kreutz erzählen in unserer Sendung, warum man einfach tanzen muss. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur