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Essigs Essenzen (Archiv) / Archiv | Beitrag vom 14.03.2008

Etwas kommt mir spanisch vor …

Diesmal geht es um die Redensarten: Das ist, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt, Eine Gardinenpredigt halten, Jemand ist ein falscher Fünfziger, Bekloppt sein, Etwas kommt mir spanisch u. a.

<p><H4>Das ist (so wichtig) wie wenn in China ein Sack Reis umfällt</h4> Gar nicht fremdenfeindlich gemeint ist diese Wendung, die sich lediglich auf die Hauptnahrungsquelle im Reich der Mitte bezieht, den Reis. Der ist dementsprechend derart mengenhaft zu haben, dass überall und Millionen von Reissäcken sich befinden. Fällt da einer um, wen kümmert’s. Es gibt übrigens die Variante "wie wenn in Holland ein Rad umfällt".<br /><br /><H4>Des heiligen römischen Reiches Streusandbüchse </h4> Der Spottbeiname ist sicher sehr alt, nicht einfach kann man herausbekommen, wer ihn zuerst verwendet hat. Schon zu Zeiten Friedrichs II. von Preußen war er überaus geläufig, er wird sogar Martin Luther zugeschrieben, der sich tatsächlich über den sehr sandigen Boden der Mark lustig machte. Die Streusandbüchse verwendete man übrigens, um Schriftstücke, die früher ja mit Tinte geschrieben wurden, damit zu bestreuen. Der Sand saugte etwaige überflüssige Tinte auf, trocknete sie also, wodurch die Gefahr des Verwischens beseitigt wurde.<br /><br /><H4>Jemand ist ein falscher Fünfziger / Fuffzijer </h4> Die Redensart entstand wohl erst im 20. Jahrhundert, und meine Anmerkung, sie komme bei Karl May vor, muss ich zurücknehmen, da war davon die Rede, dass Reden Silber und Schweigen ein "Fuffzigmarkschein" wäre. Bei dem "Fuffziger" handelt es sich sehr wahrscheinlich bloß um ein Fünfzigpfennigstück, das nicht so besonders viel wert ist, erst recht nicht, wenn es auch noch gefälscht wurde. Ein Mensch, dem man nicht trauen kann, kann von daher als "falscher Fuffziger" bezeichnet werden. In der Berliner Ausdrucksweise wurde der Ausdruck beliebt, die hochsprachliche Form "Fünfziger" nimmt der Wendung Charme, wie ich finde.<br /><br /><H4>Behämmert sein, bekloppt sein, aber beschlagen sein </h4> Das Schlagen bewertet der Volksmund in der Regel als negativ. Ein Schicksalsschlag trifft einen, wobei man sich das Schicksal als Person vorstellt, das einen schlägt. Man ist geschlagen mit etwas, was bedeutet, es quält einen, als werde man verhauen. Vor allem in direktem oder indirektem Zusammenhang mit dem Kopf bedeutet es dann auch "dumm sein", weil ja Schläge auf den Kopf benommen machen, wie nicht nur die Old-Shatterhand-Kenner wissen. Wie stark erst, wenn man mit dem Hammer gehauen wird!<br /><br />Wenn allerdings jemand "beschlagen" ist, dann hat es mit den Pferden zu tun. Schlug ein Schmied einem Pferd ordentliche Hufeisen auf die Hufe, dann war es bestens gerüstet für alles. Von dort übertrug man es auf einen Fachmann auf einem beliebigen Gebiet und konnte ihn loben mit den Worten: "Man, ist der beschlagen!".<br /><br /><H4>Eine Gardinenpredigt halten, a curtain lecture </h4> In früheren Jahrhunderten hatten Betten Vorhänge als Abtrennung, und hinter diesen hielt so manche in der Öffentlichkeit diskrete Frau ihrem Mann vor dem Einschlafen strafende und mahnende Vorträge, weshalb man spaßhaft von Gardinenpredigt spricht. Das englische Wort "curtain lecture" kommt ebenfalls daher.<br /><br /><H4>Etwas ist nicht ganz koscher </h4> Die jüdischen Speise- und Speisebereitungsvorschriften sind relativ streng. Wenn man sie einhält, bekommt man koschere Speisen, die ohne Bedenken zu verzehren sind. Das jiddische Wort "koscher" kommt vom hebräischen Wort "kaser", das "rein sein" bedeutet.<br /><br /><H4>Auf den Busch klopfen </h4> Da ist sich jemand nicht ganz sicher und möchte herausbekommen, was Sache ist, dann "klopft er auf den Busch", denn es könnte sich etwas darunter verborgen haben, wie Wild, das bei Treibjagden, sich dort manchmal versteckt. Klopft man auf den Busch, springt es heraus und kann erlegt werden. Wie viele andere Redensarten hat es manchmal andere Bedeutungen, beispielsweise "bei jemandem auf den Busch klopfen", was "vorfühlen" heißt.<br /><br /><H4>Etwas kommt mir spanisch vor </h4> Die Wahl nach dem Tod des Kaisers Maximilian erregte ganz Europa, und hätten die Fugger Karl von Habsburg nicht eine Menge Geld verschafft, hätte der französische König gute Chancen auf den Thron gehabt. So rückte aber 1519 Karl V. an, der in Spanien herrschte, dort sozialisiert worden war und deshalb spanische Sitten und Mitarbeiter mitbrachte. Den stockdeutschen kam das seltsam, fremd und ungewöhnlich vor, weshalb sie misstrauisch waren. Die Streitigkeiten um den Glauben – schließlich hatte der Protestantismus schon sein Haupt erhoben – vermehrten die Abneigung gegen das Spanische, weshalb man seit damals von etwas Beargwöhntem sagt: "das kommt mir spanisch vor".<br /><br /><H4>Mein lieber Herr Gesangverein </h4> In der Bibel steht ja, man solle den Namen Gott des Herren nicht unnütz brauchen, weshalb sich viele Hüllformeln entwickelten für die verbreiteten Ausdrücke "Ach Gott!", "Mein lieber Gott!", "Herrgott noch mal!", "Mein lieber Herr!" Da sagte man dann "Heiliger Strohsack" statt "Heiliger Geist" oder "Sackzement" statt "Sakrament". Es gab natürlich auch den Ausdruck "Meine Herren!", wenn man sein Erstaunen ausdrücken wollte und gleichsam zustimmungsheischend um sich schaute. Zusammen konnte das zu "Mein lieber Herr Gesangverein" werden, denn der Gesangverein, vor allem der Männergesangverein, war im 19. Jahrhundert, als der Spruch entstand, d i e bürgerliche Institution schlechthin. Es ging also um viele Herren und um die unauffällige Anrufung des Herrn, wenn man so seine Überraschung kundtat.<br /><br /><H4>Etwas ist hanebüchen / hanebüchener Unsinn </h4> Das Holz der Habebuch ist derb und kräftig, schwer zu bearbeiten, weshalb aus dem Wort "hagenbüechin", das "aus dem Holz der Hagebuche" oder "aus Hagebuch" bedeutet, in dem Zusammenhang mit "Unsinn" redensartlich werden konnte für einen kräftigen, derben, besonders groben Unfug. Von hierher entwickelte sich der Sinn weiter zu "unglaublich" und "unerhört".<br /><br /><H4>Kreide gefressen haben </h4> Jeder Märchenliebhaber kennt die Geschichte vom Wolf, der zum Krämer geht, um sich Kreide geben zu lassen. Die sieben Geißlein haben ihn nämlich an der Stimme erkannt und die Türe nicht geöffnet. Die Kreide soll seine Stimme rau machen. Wie kamen die Grimms auf diese Idee, denn aus ihrem Märchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" hat sich die Wendung verbreitet. Kreide, was eigentlich "gesiebte Erde" ("terra creta") heißt, wurde Jahrhunderte nicht nur für Schreibkreide verwendet, woher "jemandem etwas ankreiden" oder "in der Kreide stehen" kommt (weil die Wirte damit aufschrieben, was jemand anschreiben ließ), sondern auch als Zusatz für allerlei Dinge. Man erkannte ihre Eigenschaft zu entsäuern. Wenn man etwas nicht "wie sauer Bier anpreisen" wollte, machte man mit Kreide einen Versuch. Das Enthärten oder Weichmachen haben die Brüder Grimm offensichtlich auf die Stimme übertragen. Es hilft leider aber nichts.<br /><br /><H4>Die Faxen dicke haben </h4> Das Fax war noch lange nicht erfunden, da hatte man die Faxen schon dick, die man zuvor "Facksen" schrieb. So kommt man auf das Ursprungswort "fickfacken", ein Verb, das "sich hin- und herbewegen" bedeutet und als Ausdruck für lästiges, lächerliches Tun und Treiben beliebt wurde. Daraus bildeten sich Worte für "Streiche" oder "Possen", nämlich "Fickesfackes", "Ficksfacks", "Fackes" oder schließlich "Facks", das irgendwann mit x geschrieen wurde.<br /><br />"Dick" hieß im Mittelhochdeutschen auch "oft" und "häufig", so dass es sich als Wort für etwas, dessen man überdrüssig ist, weil es zu oft vorkommt, einbürgern konnte. So konnte man jemanden dick haben oder etwas; erst recht die Faxen.<br /><br /><H4>Nicht alle Tassen im Schrank haben </h4> Der Kopf ist ein Behälter, in dem hoffentlich kluge Gedanken sich befinden und alle fünf Sinne. Wenn man die nicht mehr beieinander hat, fehlt was. Für dumme Leute gab es aber auch das Schimpfwort "du trübe Tasse!". Was lag näher, als den Kopf als Tassenschrank aufzufassen, in dem etwas fehlte; Klugheit zum Beispiel und ein paar Tassen.</p>

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