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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.05.2013

"Es sind hier wahre Wunder passiert"

Soziologe: Verhältnis zwischen Polen und Deutschen heute viel entspannter

Krzysztof Wojciechowski im Gespräch mit Ute Welty

Die Menschen dies- und jenseits der Grenze sind sich heute viel näher. (picture alliance / dpa - Patrick Pleul)
Die Menschen dies- und jenseits der Grenze sind sich heute viel näher. (picture alliance / dpa - Patrick Pleul)

Der polnische Soziologe Krzysztof Wojciechowski sieht das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen auf einem guten Weg. Seit er 1991 zum ersten Mal nach Frankfurt/Oder gekommen sei, um die Europa-Universität Viadrina mit aufzubauen, habe sich "alles geändert."

"Es sind hier wahre Wunder passiert: Diese Grenze ist ganz anders, die Menschen sind ganz anders", sagte der Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum in Slubice. Anfangs sei das Verhältnis unmöglich gewesen, ihm selbst sei offene Feindseligkeit entgegen gebracht worden.

Doch wie sehr sich die Meinungen übereinander zum Positiven gewandelt hätten, könne man an einer Umfrage erkennen: Während 1991 im Grenzgebiet nur 2,5 Prozent der Polen und 2,9 Prozent der Deutschen ein angeheiratetes Familienmitglied der jeweils anderen Nationalität hätten akzeptieren können, seien dies heute über 70 Prozent. Der Soziologe räumte allerdings ein, die ökonomische und administrative Zusammenarbeit lasse beispielsweise in Frankfurt/Oder und Slubice noch zu wünschen übrig und könne verbessert werden.

Wojciechowski sagte, mittlerweile seien die wirtschaftlichen Unterschiede und das Lohngefälle immer geringer geworden, Grenzkriminalität und illegaler Handel hätten deutlich abgenommen. Zu den nach wie vor immer wieder auftauchenden Missstimmungen wie etwa zuletzt über die Darstellung polnischer Partisanen im ZDF-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter", erklärte der Soziologe, "hysterische Reaktionen" seien in solchen Situationen nichts Ungewöhnliches. Er sagte weiter: "Wenn Konflikte auftauchen, ziehen sich beide Seiten immer auf nationale Positionen zurück und beurteilen den anderen als Fremden."

Über das Verhältnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk sagte Wojciechowski: "Ich bin zufrieden. (…) Ich habe sogar den Eindruck, dass Donald Tusk viel mehr pro-deutsch ist, als er zugibt – aus Angst vor christlich-nationalen Parteien."

Das vollständige Gespräch mit Krzysztof Wojciechowski können Sie bis mindestens 6. Oktober 2013 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Angebot nachhören.

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