Samstag, 25. Oktober 2014MESZ04:56 Uhr

Kommentar

Empörung gegen LinkeRote Gefahr aus Thüringen
Bodo Ramelow, Spitzenkandidat und Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag.

Sicher gebe es bei der Linken-Partei einen Schatten der Vergangenheit, so Publizist Dieter Bub. Die Warnrufe, mit Ramelow kehre die DDR-Diktatur zurück, relativiert er - und geht den wahren Gründen für den Empörungschor auf den Grund.Mehr

BVG-Urteil zu RüstungsexportenIm Zweifel für die Industrie
Das Foto vom Mittwoch (24.11.2010) zeigt die Roben der Richter des Ersten Senats sowie ein Richterbarett beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe während der Urteilsverkündung zum Gentechnikgesetz.

Die Verfassungsrichter haben mit ihrem Urteil zu Rüstungsexporten eine wichtige Chance verspielt, sagt Klaus Remme vom Deutschlandradio Kultur. Statt transparent zu werden, bleiben militärische Lieferungen und die Begründungen dafür weiter in einer dunklen Ecke.Mehr

Digitale ZukunftDer IT-Gipfel der Unverfrorenheit
Ein Politiker schüttelt eine Roboterhand. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht daneben.

Zwar war dies nun bereits der achte IT-Gipfel von Bundesregierung und Industrie, aber am Ende steht kaum mehr als nach dem ersten: Lippenbekenntnisse aber keine neuen Ansagen und Zusagen für neue Wege und neue Lösungen, meint Falk Steiner. Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

weitere Beiträge

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 22.05.2012

Erwachsenwerden in der Sackgasse

Soziale und wirtschaftliche Schäden durch dramatische Jugendarbeitslosigkeit

Von Annette Riedel, Studio Brüssel

Ein erhebliches Potenzial - Jugendliche brauchen eine echte berufliche Perspektive.
Ein erhebliches Potenzial - Jugendliche brauchen eine echte berufliche Perspektive. (Bernd Voigtländer)

Jung sein heißt, dass einem noch alle Wege offen stehen. Jung sein heißt, die Wahl zu haben. Jung sein heißt, sich entwickeln, sich sein Leben aneignen zu können. Was aber, wenn Jungsein in Europa für mindestens ein Fünftel, in einigen Ländern gar für fast die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bedeutet, anstatt an einer Wegkreuzung zu stehen, schon in der Sackgasse zu stecken?

Nichts Gutes. Nicht für die betroffenen 15- bis 24-Jährigen aber auch nicht für Europa, für den europäischen Gedanken. Für junge Leute ist Europa als Friedensgarant Geschichte, hat als sinnstiftende Idee ausgedient. Für sie zählt, dass sie mehr als jede Generation vor ihnen von offenen Grenzen, offenen Märkten profitieren. Theoretisch. Praktisch lassen sich die damit verbundenen Freiheiten nur mit der Sicherheit und den finanziellen Mitteln leben, die lediglich eine echte berufliche Perspektive geben kann.

Wenn Europa einem so großen Teil seiner Jugend diese berufliche Perspektive nicht anbietet, dann verliert es ein gutes Stück seiner aktuellen Daseinsberechtigung. Und dann verspielt es zudem ein erhebliches Potenzial in einer Altersgruppe, die schließlich diejenige sein soll und muss, die das Europa von morgen und übermorgen baut und trägt. Ein Europa, das sich in der globalisierten Welt zu behaupten hat.

Europa muss Zukunft für alle seine Bürger möglich machen, wenn es will, dass der europäische Gedanke weiterlebt. Vielleicht war und ist es tatsächlich alternativlos in der Krise, mit Milliarden Staatsbankrotte zu verhindern, Banken zu retten. Mindestens genauso alternativlos ist es aber, junge Menschen nicht mit dem Gefühl von Nutzlosigkeit, Perspektivlosigkeit, Hoffnungslosigkeit erwachsen werden zu lassen - in der Sackgasse eben.

Fast alles, was an Ansätzen denkbar ist, um jungen Leuten einen ihnen entsprechenden Arbeitsplatz anbieten zu können, muss versucht werden - von Steuerleichterungen und Lohnzuschüssen für Unternehmen, über EU-weite Netzwerke und Initiativen zur Arbeitsvermittlung bis zur aktiven Unterstützung beim Übergang aus den Bildungssystemen in die Berufswelt, Spracherwerb und, und, und.

Klar, das gibt es mit Sicherheit nicht umsonst. Wenn aber ein Gutteil einer ganzen Generation in der Sackgasse beruflicher Perspektivlosigkeit steckt anstatt zum Leistungsträger zu reifen, entstehen soziale und wirtschaftliche Schäden, die dann noch weit höher wären.