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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 19.05.2013

Erinnerung an ein Martyrium

Murat Kurnaz über "5 Jahre Leben"

Von Franziska Rattei

2002 wurden über 1.000 Gefangene nach Guantanamo Bay verbracht, wo ihnen ihre Rechte als Kriegsgefangene verwehrt bleiben. (AP Archiv)
2002 wurden über 1.000 Gefangene nach Guantanamo Bay verbracht, wo ihnen ihre Rechte als Kriegsgefangene verwehrt bleiben. (AP Archiv)

1725 Tage lang wurde der Bremer Murat Kurnaz im US-Lager Guantanamo festgehalten. Der Filmemacher Stefan Schaller hat einen Film über Kurnaz und sein Martyrium in Guantanamo gedreht. Wie denkt Murat Kurnaz, nach dessen Schicksal gedreht wurde, über diesen Film?

"Na, ja, mir geht's halt psychisch gut. Und ich geh nicht in die Öffentlichkeit, um es zu verarbeiten. Ich mach das wirklich nur für die Leute, die immer noch dort sind, und dass es in Zukunft Politikern und Regierungen nicht mehr so leicht gemacht wird, Menschen zu foltern; einfach, ohne irgendein Gerichtsurteil, Menschen lebenslang festzuhalten."

Murat Kurnaz ist ein muskelbepackter Mann. Er spricht ruhig, lächelt kaum. Manchmal fährt er sich mit der Hand über den Dreitagebart. Große Digitaluhr, Silberkette, Silberarmband. Siegelring und Ehering. Nachdem er vor fünf Jahren ein Buch über die Zeit in amerikanischer Haft geschrieben hat, nun also der Film.

"In einem Film kommt einfach viel mehr rüber als wie in einem Buch. Klar, in dem Film ist vieles weggelassen worden; aus bestimmten Gründen. Aber was zu sehen ist, das bewirkt bei den Menschen dann auch was anderes als wie mit einem Buch."

Der Film bewirkt Entsetzen, entrücktes Starren oder Wegschauen. Weil der Anblick von Murat Kurnaz, dargestellt von Sascha Alexander Gersak, kaum auszuhalten ist. Etwa, als er in Isolationshaft mit überlauter Musik gequält wird.

Für etwas, was ihm nie nachgewiesen wurde; nämlich ein Talibankämpfer oder ein Mitglied von al-Quaida zu sein. Er erkenne sich in dem Schauspieler wieder, sagt er. Allerdings:

"Na, ja, wir haben uns vor den Dreharbeiten circa zweimal getroffen. Ich hab am Anfang schon gedacht, dass man enger zusammenarbeitet an so einem Film."

Aber Murat Kurnaz ist keiner, der sich in den Vordergrund spielt. Er wollte Stefan Schaller einfach seine Arbeit als Regisseur machen lassen, sagt er. Und eigentlich ist er auch ganz zufrieden mit dem, was der da geschafft hat.

"Was zu sehen ist in dem Film entspricht schon der Realität."

Allerdings ist nicht alles zu sehen; viele Foltermethoden nicht, weil die Leute sie nicht verkraften könnten, vermutet Kurnaz. Und die Verhöre mit dem BND vermisst er auch, sagt er. Sie und die Rolle von Frank Walter Steinmeier hatten wohl keinen Platz mehr im Film. Dennoch:

"Ich find es gut, dass es zustande gekommen ist. Es gibt auch Leute, die aus Guantánamo raus sind und nicht die Möglichkeit haben."

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Guantanamo als Kammerspiel

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