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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 03.03.2010

Erika Mustermann auf Messebesuch

Der elektronische Personalausweis auf der CeBIT

Gespräch mit Oliver Buschek

Erika Mustermanns alter Ausweis läuft demnächst ab und wird durch einen elektronischen ersetzt. (Bundesdruckerei)
Erika Mustermanns alter Ausweis läuft demnächst ab und wird durch einen elektronischen ersetzt. (Bundesdruckerei)

Erika Mustermann ist wieder im Einsatz. In den Achtziger Jahren hat die frei erfundene Bürgerin den Deutschen den damals neuen Personalausweis näherbringen sollen, doch der steht jetzt kurz vor seiner Ablösung. Ab November dieses Jahres werden neue Ausweise mit integriertem Chip ausgegeben und auf der Computermesse CeBIT hängen schon Plakate, die sein Kommen ankündigen – natürlich wieder mit Erika Mustermann.

Warum brauchen wir denn überhaupt einen neuen Personalausweis?

Aus der Sicht von Polizei und Strafverfolgungsbehörden geht es natürlich zunächst einmal darum, die Sicherheit zu erhöhen. Der neue Ausweis soll fälschungssicherer sein als der alte und er soll Personenkontrollen vereinfachen. Indem man eben die Daten per Funk auslesen kann und in dem auch das Foto standardisiert ist, wie man das beim Reisepass schon kennt. Da muss der Kopf in einem ganz bestimmten Winkel gehalten werden, die Augen müssen auf einer bestimmten Höhe gehalten werden und so weiter.

Das erleichtert es, auf automatisierte Weise den Ausweis und den, der ihn mit sich führt, miteinander zu vergleichen. Sicherheitspolitiker haben sich im Vorfeld dafür eingesetzt, auch den Fingerabdruck auf dem enthaltenen Chip zu speichern, aber das gibt es jetzt nur für die Bürger, die sich das ausdrücklich wünschen.

Nun haben wir gerade erst im Streit um die Vorratsdatenspeicherung gesehen, dass viele Bürger eher skeptisch sind, was der Staat mit ihren Daten macht. Da wird das Argument "Mehr Sicherheit" allein nicht reichen, um die Menschen vom neuen Personalausweis zu überzeugen.

Nein, und deswegen ist hier auf der CeBIT vor allem die Rede davon, dass ja auch die Wirtschaft ein Interesse am neuen Ausweis habe – und das könnte dann auch für viele Bürger interessant sein. Und dies Problem soll der neue Ausweis eben lösen, sagt Henning Köhler vom Bundesministerium des Inneren :

"Mit dem alten Personalausweis kann man sich ja gegenüber und im Alltag ganz einfach ausweisen. Zum Beispiel, wenn man ein Konto bei der Bank verwendet oder sich im Hotel eincheckt. Im Internet aber gibt es noch kein Äquivalent zu so einem einfachen Ausweisen. Wir kennen Logins mit Benutzername und Passwort, das ist aber relativ unsicher."

Wie sieht er denn überhaupt aus, der neue Personalausweis? Und wie benutze ich ihn im Internet? Wahrscheinlich ja nicht, in dem ich ihn vor die Videokamera meines Notebooks halte?

Der Ausweis ist jetzt nur noch so groß wie eine Scheckkarte. Von außen hat er sich gar nicht so sehr verändert, da gibt es also ein Foto und daneben Daten wie Name, Geburtsdatum, Adresse und so weiter. Drin steckt aber eben ein Chip, und wenn ich ein spezielles Lesegerät habe, dann kann ich dieses Lesegerät – ein kleines Kästchen, wo ich den Ausweis nur drauflegen muss – an meinen Computer anschließen. Und dann kann ich ihn halt bei den unterschiedlichsten Diensten vorzeigen. Also zum Beispiel beim Onlinebanking oder auch als Altersnachweis, wenn ich Spiele oder Videos herunterladen möchten, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind.

Da stellt sich ja sofort die Frage nach der Sicherheit. Wer garantiert denn, dass da nicht jemand Daten ausliest, die ihn gar nichts angehen? Oder dass ich mir einen Virus einfange, der meine Personalausweisdaten erschnüffelt?

Das Bundesministerium des Inneren sagt natürlich: Das alles kann nicht passieren, der Perso ist sicher. Und tatsächlich hat man sich eine Menge einfallen lassen, um die Sicherheit zu erhöhen. Wenn ich meinen Ausweis im Internet einsetze, bekomme ich zum Beispiel zunächst ein Zertifikat desjenigen angezeigt, der da an meine Daten will. Solche Zertifikate stellt eine Tochter des Bundesverwaltungsamtes aus und ohne Zertifikat kommt man an die verschlüsselten Daten angeblich gar nicht ran. Dann kann ich genau bestimmen, welche Daten von meinem Ausweis denn übertragen werden sollen. Jemand, der nur überprüfen will, ob ich über 18 bin, der muss ja nicht meine Adresse haben. Und schließlich gibt es noch eine 6-stellige Pin-Nummer, die ich eingeben muss, um die Daten zu übertragen, und ohne die auch niemand an die Daten rankommt.

Es gibt ja noch eine weitere Zusatzfunktion, über die wir noch gar nicht gesprochen haben, nämlich die "Elektronische Signatur", die der Ausweis ebenfalls bietet. Was hat es denn damit auf sich?

Die elektronische Signatur ist ja seit vielen Jahren ein Dauerthema, was aber nur recht langsam in die Gänge kommt. Die Idee dahinter ist, eine rechtsgültige Unterschrift auch online leisten zu können, zum Beispiel bei Vertragsabschlüssen. Es gibt da eine Reihe von Unternehmen, die authorisiert sind, solche Signaturen auszustellen und die sich damit ein Geschäft erhoffen, aber den großen Boom hat es bislang nicht gegeben, weil es in vielen Fällen eben auch ganz gut ohne diese Signatur geht. Künftig besteht die Möglichkeit, sich so eine Signatur auch direkt auf den Personalausweis speichern zu lassen, vielleicht facht das ja das Interesse an.

Nun stellt das Innenministerium auf der CeBIT den neuen Personalausweis natürlich äußerst positiv dar. Gibt es denn auch Kritik an dessen Einführung?

Manche Datenschützer und Internetaktivisten können sich damit überhaupt nicht anfreunden, unter anderem, weil dort biometrische Daten gespeichert werden – denn so ein genau vermessenes Gesicht ist ja nichts anderes. Der Chaos Computer Club weist außerdem darauf hin, dass überhaupt nicht geklärt ist, wer im Falle des Missbrauchs eigentlich haftet. Was passiert denn, wenn jemand an meinen Ausweis kommt und sich irgendwie meine PIN-Nummer ergaunert und damit Schindluder treibt? Außerdem sei die Einführung des neuen Ausweises kein Sicherheitsgewinn, sondern vor allem eine Wirtschaftsförderungsmaßnahme, die es Firmen erleichtert, mit Kunden in Kontakt zu treten und die auch der Bundesdruckerei oder den Herstellern von Lesegeräten ein Umsatzplus verschafft.

Der Branchenverband Bitkom hat diese Woche eine Umfrage vorgestellt, laut der nur 46 Prozent der Bundesbürger den elektronischen Personalausweis wollen. 42 Prozent lehnen ihn ab. Haben diejenigen, die ihn nicht wollen, eine Chance, ihm zu entkommen?

Zunächst mal gelten alle bisherigen Ausweise bis zu ihrem Ablaufdatum weiter. Nur werden ab November eben ausschließlich neue ausgestellt. Und in Deutschland besteht Ausweispflicht, man kommt also wohl nicht drum herum.

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