Seit 21:30 Uhr Hörspiel
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 21:30 Uhr Hörspiel
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.02.2012

"Enorme Belastung"

Droste: Kulturschaffende in Ungarn unter Druck

György Dörner, neuer Intendant des Neuen Theaters in Budapest (picture alliance / dpa - Lajos Nagy)
György Dörner, neuer Intendant des Neuen Theaters in Budapest (picture alliance / dpa - Lajos Nagy)

Der Rechtsextremist György Dörner ist neuer Intendant des Neuen Theaters in Budapest. Er wolle Schluss machen mit der "entarteten Hegemonie" des Kulturbetriebs, schrieb Dörner in seiner Bewerbung. Wilhelm Droste, Dozent an der Uni Budapest, betrachtet die Entwicklung mit Sorge.

Dörner wurde gegen den Willen der Fachkommission vom Oberbürgermeister der ungarischen Hauptstadt ernannt. Dieser wiederum verdankt sein Amt der rechtskonservativen Fidesz-Partei von Regierungschef Victor Orbán, die im ungarischen Parlament über die absolute Mehrheit verfügt. Regierungskritiker und Oppositionelle fürchten inzwischen um die Demokratie im Land.

Orbán hat der Europäischen Union zwar zugesagt, bestimmte Gesetze so zu ändern, dass die Meinungs- und Medienfreiheit gewährleistet ist, doch beim Stellenabbau bei Medien und Kulturinstitutionen werden auffällig oft gerade die Mitarbeiter entlassen, die sich gegen die Regierung stellen.

Auch der Autor und Übersetzer Wilhelm Droste, Dozent an der Universität in Budapest, betrachtet die kulturpolitische Entwicklung mit großer Sorge. Zwar sei es ein "vorschnelles Urteil", wenn man nun bereits vom Tod des kulturellen Lebens spreche, doch die Stellenbesetzung am Neuen Theater sei kein gutes Zeichen:

"In den ungarischen Theatern wird heute Abend vor der Vorstellung, fast in allen Theatern, ein Protest dagegen verlesen. Also, der eigentliche Kulturbetrieb steht zu dieser Entscheidung ganz klar kritisch, oppositionell und verachtend."

Inzwischen, so Droste weiter, sei es sogar gefährlich geworden, gegen die Kulturpolitik Orbáns zu protestieren, denn viele Kulturschaffende seien von der Kündigung bedroht. Sich offen gegen die Regierung zu stellen, sei somit schon fast ein "Akt der Zivilcourage". So arbeiten zu müssen, sei für viele Mitarbeiter eine "enorme Belastung". Ständig werde von Einsparungen bei Medien und Kultur geredet, und wenn dann Mitarbeiter eingespart werden, treffe es immer "zufällig die Linken und die Liberalen".

Das vollständige Gespräch können Sie mindestens bis zum 1.8.2012 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

Filmfest MünchenGroße Träume kleiner Leute
(picture alliance / dpa / Balkis Press)

Auf dem Filmfest München gibt es in diesem Jahr einen Schwerpunkt "Arabische Welt". Noemi Schneider über drei besonders beeindruckende Filme, die etwas gemeinsam haben: Es wird in ihnen jede Menge geträumt.Mehr

Anohni im Berliner TempodromDer Pop-Star ist die Puppe
Die Sängerin Anohni auf Tour mit ihrem Album "Hopelessness" steht am 21.6.2016 beim  Konzert in Porto, Portugal, verscheiert auf der Bühne. (picture alliance / dpa / Estela Silva)

Ist das die Zukunft des Pop? Bei ihrem Berliner Konzert vermeidet Anohni jegliche Liveklischees: Die Sängerin steht zwar im Scheinwerferlicht, bleibt aber immer unter einem Schleier verborgen. Ein Dutzend Frauen leihen ihr in Videoprojektionen ein Gesicht.Mehr

Filmemacher in SpanienKampf um grundlegende Werte
Die spanische Regisseurin Iciar Bollaín (r) posiert mit der Schauspielerin Anna Castillo während einer Präsentation ihres Films "El Olivo" für die Fotografen. (imago / Agencia EFE)

Spanien befindet sich seit neun Jahren in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Wie der spanische Film die vielen Probleme verarbeitet, wird auf der Exportfilmmesse "Madrid de Cine" sichtbar - zum Beispiel in "El Olivo" von der Regisseurin Iciar Bollaín. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur