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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 31.08.2015

EKD-Gründung vor 70 JahrenMehr Einheit für die Protestanten

Von Peter Hertel

Eine Martin Luther Playmobil-Figur steht auf dem Rednerpult des Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bedford-Strohm, während seiner Rede im Mai 2015 bei der 12. EKD-Synode in Würzburg. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
Mit der EKD hatten die deutschen Protestanten ein gemeinsames Dach, aber inhaltlich war die Gemeinschaft noch zu verwirklichen. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)

Mit dem Kriegsende standen die deutschen Protestanten vor der Aufgabe, sich neu zu organisieren. Eine Konferenz sollte im August 1945 das Gefühl der Gemeinschaft stärken. Das Treffen endete mit der Gründung der "Evangelische Kirche in Deutschland" - kurz EKD.

Sommer 1945. Deutschland liegt in Trümmern. Auf Lastwagen und Leiterwagen, sogar auf Kuhkarren reisen 120 Kirchenmänner ins nordhessische Treysa. Evangelische Christen aus unterschiedlichen Kirchen und mit verschiedenen Bekenntnissen wollen ihre Zersplitterung überwinden und die gemeinsame Evangelische Kirche in Deutschland gründen. Die Konferenz, die mit einem Gottesdienst beginnt, endet nach vier Tagen, am 31. August 1945, mit dem Beschluss:

"Die Kirchenversammlung in Treysa beruft einen 'Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland'".

Mit der EKD hatten die deutschen Protestanten ein gemeinsames Dach, aber inhaltlich war die Gemeinschaft noch zu verwirklichen. Der Anfang in Treysa war vor allem Landesbischof Theophil Wurm zu verdanken, weiß Rüdiger Schloz, der sich als Oberkirchenrat im hannoverschen Kirchenamt der EKD u.a. mit der Entwicklung und Zukunftsplanung der EKD beschäftigte:

"In der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat der württembergische Landesbischof Theophil Wurm das sogenannte Einigungswerk betrieben. Und dieses Einigungswerk fand nun sozusagen seinen Kristallisationspunkt in der Kirchenkonferenz. Es gab Antipoden in dieser Gründungsphase, deren einer Exponent Martin Niemöller war - und der bayerische Landesbischof Meiser. Meiser wollte die deutsche evangelische Kirche umwandeln in eine deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche. Martin Niemöller wollte im Grunde einen völligen Neuanfang der Kirche, während Meiser für die Kontinuität sehr viel stärker stand."

In der EKD von heute präsentieren sich die 20 Landeskirchen in drei Vereinigungen

Meisers Vorhaben, die deutsche evangelische Kirche als lutherisch zu etablieren, degradierte die unierten und reformierten Christen zu einem Anhängsel der Lutheraner. Das führte in einen handfesten Konflikt. Aber dann einigte man sich doch auf einen Konfessionsproporz:

"Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland besteht aus zwölf Mitgliedern, davon sechs aus lutherischen, vier aus unierten und zwei aus reformierten Kirchengebieten."

Wie Bischof Meiser mit seinem lutherischen Werk, war damit auch Pastor Niemöller mit seinem Ziel gescheitert, eine neue evangelische Kirche von unten, vom Kirchenvolk her, aufzubauen. Sein Reichsbruderrat der Bekennenden Kirche, der 1934 im sogenannten Kirchenkampf entstanden war, wünschte außerdem, die Konferenz solle zu kirchlichem Versagen in der Nazizeit eine Schulderklärung abgeben. Auch das blieb in Treysa auf der Strecke. Niemöller selbst hatte als persönlicher Gefangener Hitlers sieben Jahre im KZ gesessen. Aber Konferenzteilnehmer war beispielsweise auch der hannoversche Landesbischof August Mahrarens, der noch ein Jahr zuvor, nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler, seiner Landeskirche ein Gebet verordnet hatte unter dem Titel:

"Dank für die gnädige Errettung des Führers."

Der Basler Theologe Karl Barth, der dem Reichsbruderrat verbunden war, schrieb nach Konferenzende:

"Die Masse derer, die in den zwölf Jahren wenig gelernt und auch wenig vergessen hatten, war in Treysa sehr zäh."

Sieben Wochen später wurde die versäumte Schulderklärung nachgetragen – vom neuen Rat der EKD. Dagegen ist die Gemeinschaft der evangelischen Kirchen in Deutschland immer noch nicht vollendet. In der EKD von heute präsentieren sich die 20 Landeskirchen in drei Vereinigungen: in der Union Evangelischer Kirchen, in der Vereinigten Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands und in der Evangelisch-Reformierten Kirche. Die Vereinigungen haben eigene Kirchenleitungen, eigene Kirchenämter und unterschiedliche Bekenntnisse.

"Noch immer arbeitet die Evangelische Kirche in Deutschland daran, ein Mehr an Einigkeit zu gewinnen, sodass der ganze Protestantismus in der evangelischen Kirche in Deutschland repräsentiert wird, weil man auch sagt, die Menschen verstehen das überhaupt nicht in den jetzigen Zeiten, dass man nach wie vor solche Zersplitterungen hinnimmt."

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 16.11.2014)

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