Seit 20:03 Uhr Konzert
 
Donnerstag, 26. Mai 2016MESZ20:25 Uhr

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 27.12.2006

Einflussreiche Forschungsreise

Charles Darwin stach 1831 mit der "Beagle" in See

Vom Autorenkollektiv Hörwerk

Charles Darwin (Wikipedia)
Charles Darwin (Wikipedia)

Er wurde von seinen Zeitgenossen als der gefährlichste Mann Englands bezeichnet. Dabei war er ein eher zurückhaltender und friedlicher Mensch, der seine Zeit damit verbrachte, Käfer und Würmer zu studieren. Doch Charles Darwins Evolutionstheorie barg erheblichen Zündstoff, nicht nur für das viktorianische England. Die Grundlage seiner Erkenntnisse bildete eine Forschungsreise mit der "Beagle", zu der Darwin vor genau 175 Jahren aufbrach.

" Ihrer Majestät Schiff Beagle, eine Brigg mit zehn Kanonen unter dem Kommando Kapitän Fitzroys, lief am 27. Dezember 1831 von Devonport aus, nachdem sie von schweren Südweststürmen zweimal zurückgeworfen war. "

Der Verfasser dieser Zeilen, Charles Darwin, ist gerade erst 22 Jahre alt, als er seine Reise auf der Beagle antritt. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium und einem Abschluss in Theologie sollte Darwin auf Wusch seines Vaters Landpfarrer werden. Doch seine eigentliche Leidenschaft gilt der Botanik. Als er das Angebot erhält, als Naturforscher die Expedition der Beagle zu begleiten, nimmt er diese Chance begeistert wahr. Auftrag der Forschungsreise ist es, die Küsten Südamerikas zu vermessen. Der Kapitän der Beagle Robert Fitzroy bezweifelt anfangs, dass Darwin eine derartige Reise durchhalten werde, doch Darwin kann den Kapitän schnell überzeugen.

" Darwin ist ein sehr vernünftiger, hart arbeitender Mann und ein sehr angenehmer Tischgenosse. Ich habe es noch nie erlebt, dass sich eine Landratte so rasch und so gründlich auf einem Schiff eingewöhnt. "

Ganz so reibungslos gewöhnt sich Darwin nicht an das raue Seemannsleben. Er leidet die gesamten fünf Jahre der Reise. Seekrank fährt er über die Kanarischen Inseln nach Brasilien, über Argentinien um das Kap Horn nach Chile, seekrank weiter nach Australien und Neuseeland und seekrank zurück nach England. Darwin nutzt jede Möglichkeit, sicheren Boden unter die Füße zu bekommen. Sobald die Beagle ankert, erkundet Darwin das Landesinnere, sammelt Exemplare von Tieren und Pflanzen, katalogisiert und konserviert sie. Beeindruckt schreibt er:

" Entzücken allein ist indes ein schwacher Begriff, um die Empfindungen eines Naturforschers auszudrücken, der zum ersten Mal allein durch einen brasilianischen Wald gewandert ist. Die Eleganz der Gräser, die Neuheit der parasitischen Pflanzen (...) vor allem aber die allgemeine Üppigkeit der Vegetation erfüllten mich mit Bewunderung. (...) Der Insektenlärm ist so laut, dass er selbst noch von einem Schiff aus (...) vernommen werden kann. "

Im Oktober 1836 kehrt Darwin schließlich mit 1500 in Spiritus eingelegten Tier- und Pflanzenarten, etwa 3900 Häuten, Knochen und anderen Fundstücken zurück. Diese Sammlung und vor allem seine akribischen Studien bringen ihm - zurück in England - den Ruf eines ernstzunehmenden Wissenschaftlers ein. Aber Darwin hatte noch etwas anderes von der Reise mitgebracht - eine Theorie über die Entstehung der Arten. Seine Studien haben ihn zu der Überzeugung kommen lassen, dass Tier- und Pflanzenwelt nicht unveränderlich sind:

" Bei den Nachkommen gibt es immer, oder wenigstens ab und zu, kleine Abänderungen. Das ist das eine. Das andere: Die Umwelt verändert sich. Die Abänderungen, die am besten mit diesen Umweltveränderungen zurechtkommen, sind am erfolgreichsten. Sie pflanzen sich fort, die weniger angepassten Tiere gehen zugrunde oder sterben zumindest langfristig aus. Die Natur trifft eine Auslese, nüchterner und grausamer als jeder Züchter. "

Darwin weiß, wie ungeheuerlich, ja fast ketzerisch seine Erkenntnisse im viktorianischen England wirken müssen. Erst 1859, über 20 Jahre nach seiner Reise mit der Beagle, ringt er sich dazu durch, seine Theorie "Über die Entstehung der Arten" zu veröffentlichen. Obwohl Darwin in diesem Buch das Thema Mensch bis auf einige wenige Andeutungen vorsichtig ausgeklammert hatte, begreifen die Leser das Ausmaß seiner Theorie schnell. Begünstigt durch effektvolle Rezensionen, diskutieren Wissenschaftler und Bischöfe aufgeregt mit- beziehungsweise gegeneinander.

" Mein Buch hat den Schlamm mächtig aufgerührt, und es wird ein Segen für mich sein, wenn mich nicht alle meine Freunde hassen ... aber das betrachte ich als gewiss, hätte nicht ich den Schlamm aufgewühlt, so würde es bald ein anderer getan haben. "

Auch da sollte Darwin recht behalten. Einer seiner Freunde, der ihm seine Evolutionstheorie nie verzieh, war ausgerechnet Fitzroy - der Kapitän der Beagle, der Mann, dem er den Anfang seiner Karriere verdankte. Gleichwohl resümiert Charles Darwin:

" Die Reise mit der Beagle ist bei weitem das bedeutungsvollste Ereignis in meinem Leben gewesen und hat meine ganze Laufbahn bestimmt. "

Kalenderblatt

Louis Hardin alias Moondog Ein Unikum der modernen E-Musik
Moondog 1976 in Frankreich (imago/Philippe Gras)

Fast 30 Jahre stand ein blinder Mann mit langem Bart an einer Straßenkreuzung in New York: Der US-amerikanische Musiker und Komponist Moondog war für viele namhafte Künstler eine Anlaufstelle in der Metropole. Am 26. Mai 1916 wurde er als Louis Hardin in Kansas geboren.Mehr

EritreaBlutiger Weg in die Unabhängigkeit
Flagge von Eritrea (afp / Nichole Sobecki)

Drei Jahrzehnte dauerte der bewaffnete Aufstand der Eritreischen Befreiungsfront gegen die äthiopische Armee. Am Ende war die Guerilla-Truppe EPLF siegreich. Am 24. Mai 1991, heute vor 25 Jahren, marschierte sie in der eritreischen Hauptstadt Asmara ein.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj