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Profil / Archiv | Beitrag vom 16.02.2012

Einfach locker drauf

Star-Coach gibt Schauspielern das richtige Körpergefühl

Von Camilla Hildebrandt

Anders als beim Yoga gibt es bei Rodrigues Methode keine festen Bewegungen. (AP Archiv)
Anders als beim Yoga gibt es bei Rodrigues Methode keine festen Bewegungen. (AP Archiv)

Große Filmstars wie Leonardo di Caprio und Juliette Binoche sind bei Jean-Louis Rodrigue zur Schule gegangen. Genauer gesagt: in die Körperschule. Der 61-Jährige Marokkaner lehrt die Alexander-Technik, eine Atem- und Bewegungstherapie, die bei Schauspielern gefragt ist.

Rund 20 Schauspieler liegen mit dem Rücken auf dem Boden, Beine angewinkelt, und atmen tief durch den ganzen Körper. Jean-Louis Rodrigue und sein Partner Kristof Konrad geben Anweisungen, knien sich zu den jungen Leuten hin, lockern Arme, Nacken und Beine. Rodrigue, 61, wirkt wie ein Tänzer: schmaler, durchtrainierter Körper, breite Schultern, aufrechte, aber dennoch entspannte Haltung.

"Die Alexander-Technik kennenzulernen - das war der Wendepunkt, ja, es hat mein Leben völlig verändert! Denn plötzlich war mein Asthma weg, und ich fand heraus, was ich mit meinem Leben anfangen konnte. Lehrer für Alexander-Technik zu werden, das war für mich das Aufregendste, was ich erlebt habe."

"Wir beginnen mit einem tiefen, breiten Ausatmen", sagt Rodrigue zu seinen Schülern. Die Basis ist das richtige Atmen, erklärt er, und ein großes Grinsen zieht sich über sein ganzes kantiges Gesicht. Dazu kommt das Bewusstsein für den eigenen Körper:

"Dieses Bewusstsein benutzt du, um festzustellen, wo du dich selbst behinderst, wo du dich verspannst, dir im Weg stehst. Und es hilft dir, das alles loszulassen, Gewohnheiten, Haltungen. Das ist ein Prozess der Reinigung, anstatt etwas Neues hinzuzufügen. Ich liebe das! Ich meine, frei sein bedeutet: Du lässt das los, was dich behindert."

Zur Alexander-Technik kam er eigentlich über das Schauspiel, oder besser gesagt, über seine Liebe zum Film. 1951 im Marokko geboren, in Frankreich und Italien aufgewachsen, war Jean-Louis Rodrigue als Kind oft alleine. Die Filmwelt war sein Zuhause:

"Meine Eltern waren nicht wirklich da für mich, sie haben viel gearbeitet. Ich hatte Asthma und war ziemlich kränklich. Was mich aber damals faszinierte, waren Kinofilme. 'Laurence von Arabien' zum Beispiel habe ich elfmal gesehen und war absolut begeistert von der Geschichte und den Charakteren!"

1967 starb Rodrigues Vaters. Und seine Mutter beschloss, zur Schwester nach New York zu ziehen. Dort lernte der junge Jean-Louis die HO-Studios kennen und studierte Schauspiel.

"Meine erste Liebe war das Schauspiel, ja. Ich spielte auch in verschiedenen Kompagnien, machte ein bisschen Fensehen, bis ich dann die Alexander-Technik entdeckte."

Es war diese zwanglose Methode, den eigenen Körper zu erforschen, die ihn faszinierte, erklärt der Star-Coach:

"Viele Körper-Disziplinen haben seltsame Eingrenzungen, was richtig und falsch ist. Ich habe sehr viel getanzt, Modern und Ballett, ein wenig Graham-Technik und Yoga - aber da war immer etwas, was du 'richtig' machen musstest. Und die Alexander-Technik basiert auf dem Bewusstsein von innen heraus. Ich fühlte mich nicht mehr begrenzt. Und tatsächlich verschwand mein Asthma, ich atmete viel tiefer."

Seit rund 30 Jahren lehrt Jean-Louis Rodrigue mittlerweile die Alexander-Technik, und er liebt seinen Job, das ist unübersehbar, wenn er davon erzählt. Sechs Jahre lang war er bei den "Los Angeles Philharmonic" engagiert, heute führt er selbst ab und zu Regie, arbeitet für die "Schule für Film und Fernsehen" der Universität von Kalifornien und wird regelmäßig von Film-Stars engagiert.

"Ob ich die Verspannungen bei Anderen sofort sehen kann? Absolut! Aber damit muss man vorsichtig sein. Ich werde nur tätig, wenn der Andere mich darum bittet."

Bei Schauspielern sei es besonders wichtig, dass sie ihren Körper gut kennen, erklärt Rodrigue. "Embodying the character" - "die Rolle verkörpern" heißt deswegen sein Berlinale-Workshop. Der Schauspieler sollte in den Zustand eines unbeschriebenen Blattes zurückkehren, um sich danach den neuen Körper - die Rolle - anzueignen.

"Wir beginnen meist, den Körper des Charakters zu entdecken wie eine Landkarte. Um ihn dann lebendig zu machen, muss er wirklich im Körper des Schauspielers leben. Das ist faszinierend! Mit Josh Brolin haben wir die Darstellung von George Bush erabeitet, die ganze Lebensgeschichte von 20 bis 70 mussten wir verstehen. Was ist da passiert und wie zeigt sich das an seiner Bewegung und Haltung? Das war die Aufgabe."

"Humain Behaviour", singt Björg, "there is definately no logic". Ein sehr spannendes Thema, sagt Jean-Louis Rodrigue und grinst:

"Was mich immer noch sehr bewegt, ist, dass die Alexander-Technik dir nicht sagt, was du falsch machst, sondern sie fragt dich: Bin ich neugierig genug, mein eigenes Leben anzuschauen? Und kann ich etwas ändern, wenn ich nicht zufrieden bin? Will ich meine Gewohnheiten loslassen und etwas Neues über mich lernen? Die Qualität unseres Lebens hängt von dieser Antwort ab."

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