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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 16.10.2012

Eine Stadt sitzt bald auf dem Trockenen

Mexiko-City gräbt sich das Wasser ab

Von Martin Polansky

Wasserknappheit an der Tagesordnung: Ein Einwohner von Mexiko-Stadt füllt Wasser in einen Container.  (picture alliance / dpa / Mario Nulo)
Wasserknappheit an der Tagesordnung: Ein Einwohner von Mexiko-Stadt füllt Wasser in einen Container. (picture alliance / dpa / Mario Nulo)

Wasser ist in der 20-Millionen-Metropole Mexiko-City ein rares und umstrittenes Gut. Aus immer tieferen Brunnen wird gepumpt, um zumindest einen Teil des täglichen Verbrauchs von durchschnittlich sechs Milliarden Liter abzudecken. Die Stadt und die ganze Region trocknen so langsam aus.

Adelina Diaz wohnt in Iztapalapa – einem Viertel von Mexiko-Stadt, wo Wasser ein Dauerproblem ist. Wenn sie den Hahn aufdreht, kommt eine leicht bräunliche Brühe heraus:

"Es wäre echt gut, wenn wir sauberes Wasser hätten. Hier gibt es Babys die überall Pusteln haben. Und der Doktor sagt nur, dass es entweder eine Allergie ist oder vom schmutzigen Wasser kommt."

Die Leitungen sind marode - und ein Teil des Wassers wird über Tankwagen angeliefert. Nicht überall ist es so schlimm wie im Viertel Iztapalapa. Aber wirklich sauberes Wasser aus dem Hahn hat keiner der 20 Millionen Menschen im Großraum Mexiko. Sie sind es gewohnt, ihr Trinkwasser im Supermarkt zu kaufen.

Die Azteken gründeten hier einst Tenochtitlán – eine Stadt auf einer Seenplatte gelegen. Aber davon ist nichts mehr zu sehen. Beton soweit das Auge reicht. Das meiste Wasser ist längst abgepumpt. Ramon Aguirre ist der Chef der Wasserbetriebe von Mexiko-Stadt:

"Im Augenblick ist die Wasserversorgung gesichert. Aber wir wissen, dass dies nicht nachhaltig ist. Wir müssen einige Veränderungen auf den Weg bringen und brauchen dafür in den kommenden 20 Jahren das doppelte an Geld, das wir heute haben."

Problem Nummer eins: Das Wasser muss aus immer größeren Tiefen hoch gepumpt werden. 3000 Brunnen sind über die Stadt verteilt – und die gehen inzwischen 400 Meter in die Erde. Zudem wird Wasser aus dem Umland in die Giga-Stadt geleitet – Wasser das dann anderswo fehlt.

Problem Nummer zwei: Der enorme Verbrauch. Pro Person liegt der mit gut 300 Litern am Tag mehr als doppelt hoch wie in Deutschland. Schuld ist auch Verschwendung. Aber: Viele Leitungen sind zudem so brüchig, dass ständig Wasser verloren geht.

Problem Nummer drei: Ein mangelhaftes Abwassersystem. Es fehlt an Kläranlagen, das Schmutzwasser wird einfach abgeleitet aus der Stadt – und landet dann meist im Hunderte Kilometer entfernten Meer. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter - und mit ihm die Stadt. Viele historische Gebäude müssen mit Metallstützen gesichert werden, damit sie nicht zusammensacken. Unhaltbar findet das der Umweltexperte Alejandro Calvillo:

"Das Wasserproblem in Mexiko-Stadt ist furchtbar. Irgendwann wird das alles zusammenbrechen. Es gibt eine U-Bahn-Station, die inzwischen sieben Meter abgesunken ist. Die Politik tut nichts, um das Wachstum der Stadt zu begrenzen. Wir haben schon jetzt Alarmstufe rot."

Manche fordern denn auch einen Zuzugsstopp. Und die Stadtregierung hat die Wassertarife deutlich erhöht. Das soll Bewusstsein schaffen und Geld in die Kassen spülen. Damit die Rundumsanierung des Systems überhaupt bezahlt werden kann. Ein Spiel auf Zeit. Und niemand weiß, wie lange in Mexikos Hauptstadt noch Wasser aus dem Hahn kommt.

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