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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 18.02.2013

Eine Reise in die ewige Stadt

Roberto Zapperi: "Alle Wege führen nach Rom", C.H. Beck Verlag, München 2013, 255 Seiten

Touristen blicken von der Spanischen Treppe in der italienischen Hauptstadt Rom auf die Via dei Condotti. (picture alliance / dpa / Thomas Muncke)
Touristen blicken von der Spanischen Treppe in der italienischen Hauptstadt Rom auf die Via dei Condotti. (picture alliance / dpa / Thomas Muncke)

Der italienische Historiker Roberto Zapperi zeichnet in seinem Buch "Alle Wege führen nach Rom" die Wege vieler berühmter Besucher seiner Heimatstadt nach. Was führte Künstler und Gelehrte an den Tiber? Aus diesen Geschichten ergibt sich ein buntes Kaleidoskop Roms.

Quer durch die Jahrhunderte hindurch zieht es Gelehrte und Künstler verschiedenster Provenienz nach Rom, und jedem der Besucher fällt etwas anderes ins Auge. Erasmus geht mit der weltlichen Macht des Papstes ins Gericht, Thomas Hobbes staunt über die Ausmaße des Nepotismus, Montesquieu bemerkt die vielen Mörder, die sich auf das Kirchenasyl berufen und frei herum laufen, Zola schildert die Bauspekulation nach der italienischen Einigung und Sigmund Freud denkt über Michelangelos Moses-Statue nach.

Der Privatgelehrte Roberto Zapperi, 1932 in Catania geboren, aber seit 1943 in Rom beheimatet, legt in seinem neuen Buch "Alle Wege führen nach Rom" eine Art Porträtgalerie prominenter Reisender vor, aus der nach und nach ein vielfältiges und äußerst lehrreiches Bild der Tiber-Stadt entsteht. Seine achtzehn Kapitel sind jeweils einer Figur gewidmet und reichen vom Frühjahr 1509, als Erasmus in Rom eintrifft, bis in den Herbst 1928, als sich der Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg mehrere Monate in Rom aufhält und sich von seinen Kollegen das Regime Mussolinis erklären lässt.

Zapperi durchschreitet nicht nur ganze Jahrhunderte, sondern auch verschiedene Berufsgruppen: Neben Philosophen, wie Erasmus, Montaigne und Thomas Hobbes, kommen Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker vor, aber auch der Maler Velázquez oder ein Kuriosum wie Zwerg Adam aus Polen, Ende des 16. Jahrhunderts Hofnarr bei Papst Clemens VIII und auf den Fresken der Sala Clementina im Vatikan verewigt, und schließlich Schriftsteller wie Rabelais, Gogol und Zola.

Wie in all seinen Büchern besticht Zapperi auch hier durch profunde Gelehrsamkeit, die nichts Auftrumpfendes hat. Seine Miniaturen sind klar und geordnet; wer Rom kennt, stößt auf überraschende Einzelheiten, und wer Rom nicht kennt, findet über diese Lektüre einen Zugang. Der Autor bahnt uns einen Weg durch die reiche Geschichte der Ewigen Stadt, der auch die Topografie und gesellschaftliche Gepflogenheiten einbezieht. So erzählt Roberto Zapperi vom geheimnisvollen Francisco Delicado (1480-1530), einem spanischen Priester, der einen Roman über das Schicksal einer jüdischen Andalusierin in Rom schrieb.

Nach der Vertreibung aus Spanien 1492 wuchs die jüdische Gemeinde sprunghaft an und blieb bis zur Gegenreformation und der Gründung der Inquisition 1542 relativ unbehelligt. Zur selben Zeit stellten die Prostituierten ein Zehntel der Bevölkerung, was mit dem Zölibat der Kurie zusammenhing. Es gab sogar Geistliche, die sich die Ehe als Schutzschild zunutze machten, junge Frauen mit ihren Dienern verheirateten und sich auf diese Weise Geliebte hielten. Phänomene wie Korruption und Kriminalität sind seit jeher Teil des komplexen Machtgefüges. Hobbes staunt über die Taktik, päpstliche Verwandte mit Einkünften zu versorgen, während der Staat darbt.

Roberto Zapperi bietet eine Fülle von Material, und bei einzelnen Figuren wäre man gern länger verweilt. Am Ende hält man fest: Auch der eigene Weg sollte bald wieder nach Rom führen.

Besprochen von Maike Albath

Roberto Zapperi: Alle Wege führen nach Rom. Die ewige Stadt und ihre Besucher
Aus dem Italienischen übersetzt von Ingeborg Walter
C.H. Beck Verlag München 2013
255 Seiten, 19, 95 Euro

Links bei dradio.de:
Die Wehrmacht am Mittelmeer <br> Roberto Zapperi: "Eine italienische Kindheit"

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