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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 10.06.2012

Eine kurze Geschichte des Universums

Giovanni F. Bignami: "Wir sind die Marsmenschen", Springer Spektrum Verlag, Berlin/Heidelberg 2012

In seinem gelungenen Einsteigerbüchlein widmet sich Giovanni F. Bignami den Ursprüngen des Universums und der Entwicklung bis zu den Menschen. Er weist auf offene Fragen hin, arbeitet Informationen aus Astrophysik und Biologie ein, beschreibt auch die Suche nach anderen Planeten.

Vom Urknall bis zur Entstehung des Lebens auf der Erde war es ein langer Weg. Nach wie vor unbeantwortet ist die Frage, ob unser Planet der einzige ist, auf dem sich Leben entwickelt hat. Der italienische Physiker Giovanni Bignami verfolgt mit seinem Buch "Wir sind die Marsmenschen" genau diese beiden Spuren. In seiner kurzen Geschichte des Universums fasst er die Zeit von den Anfängen über die Stern-, Planeten- und Galaxienentstehung bis zu uns Menschen zusammen. Und er reflektiert dabei unseren Wissensstand auf der Suche nach außerirdischem Leben.

Der Vorsitzende des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Professor Johann-Dietrich Wörner, ist mit dem Autor persönlich bekannt. Im Vorwort zur deutschen Ausgabe nennt er Bignamis "Wir sind die Marsmenschen" ein außergewöhnliches Buch. Das ist sicherlich eine freundschaftliche Übertreibung, denn inhaltlich ist Bignamis Buch über weite Strecken ziemlich konservativ, wenn es die Standardtheorie der Kosmologie skizziert: Das Universum wurde vor 13,7 Milliarden Jahren aus dem Urknall geboren, bei dem aus unerfindlichen Gründen mehr Materie als Antimaterie entstand. 96 Prozent des Kosmos bestehen dabei nach heutiger Annahme aus einer für uns unsichtbaren Materie beziehungsweise Energie, der Dunklen Materie beziehungsweise Dunklen Energie. Die ersten Sterne entstehen und verglühen, Galaxien formen sich, nach und nach bilden sich die schweren Elemente des Periodensystems und irgendwann auch unser Sonnensystem.

Aufregender ist da schon die Frage, ob sich das Leben auf der Erde entwickelt hat oder aus dem All durch Meteoriten auf die Erde gebracht wurde. In Gesteinsbrocken aus dem All hat man jedenfalls einige Aminosäuren, einfache Grundbausteine des Lebens, gefunden. Sind wir selbst also außerirdischen Ursprungs? Und hat sich das Leben auch anderswo noch entwickelt? Hier betritt Giovanni Bignami interdisziplinären Boden zwischen Astrophysik und Biologie. Seine knappen, verständlichen und kurzweiligen Schilderungen sind dabei besonders für Laien geeignet.

Spannend und gut erklärt ist die Suche nach anderen Planeten. Anschaulich stellt er die unterschiedlichen Methoden zum Aufspüren entfernter Trabanten dar. Über 750 Exoplaneten wurden bereits entdeckt (bei Drucklegung der Originalausgabe 2010 waren es erst 500). Eine zweite Erde ist noch nicht darunter. Und selbst wenn es in den nächsten Jahren dank verbesserter Teleskope gelingen sollte, eine zu finden: die Kontaktaufnahme wird schwierig - zu groß sind die Entfernungen.

Einen erfrischenden Abschluss findet das Buch mit einem Kapitel über offene Fragen. Hier ist Platz für leise Zweifel an der Standardtheorie und das Eingeständnis, dass noch niemand wirklich verstanden hat, wie Leben entsteht oder sich Planeten bilden. Eine Liste mit Klarstellungen, die mit falschen Vorstellungen über die Natur unseres Universums aufräumt, rundet das gelungene Einsteigerbüchlein ab. Leser mit Vorkenntnissen dürften sich allerdings hier und da ein bisschen langweilen.

Besprochen von Gerrit Stratmann

Giovanni F. Bignami: "Wir sind die Marsmenschen. Unsere Reise vom Urknall bis zum Leben"
Springer Spektrum Verlag, Berlin/ Heidelberg 2012
254 Seiten, 14,95 Euro