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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.04.2013

"Eine klare Alternative" für Hörer gehobener Programme

Deutschlandradio-Intendant Willi Steul über die Wortnacht im Deutschlandfunk

Moderation: Gabi Wuttke

Deutschlandradio-Intendant Willi Steul (im Hintergrund: Programmdirektor Andreas Weber)
Deutschlandradio-Intendant Willi Steul (im Hintergrund: Programmdirektor Andreas Weber) (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Seit heute bietet der Deutschlandfunk in jeder Werktagnacht ein neues Wortprogramm. In diesem Rahmen wolle man eine neue Hörerschaft ansprechen und eine Alternative zum übrigen Nachtangebot bieten, sagt der Deutschlandradio-Intendant Willi Steul.

Gabi Wuttke: Eine Nacht, wie Sie sie noch nie gehört haben, ist zwischen null und fünf Uhr morgens aus Köln in die Republik gesendet worden: die Deutschlandfunk Radionacht, Premiere des neuen Wochentag-Angebots unseres Schwesterprogramms.

Aus Köln zugeschaltet ist Deutschlandradio-Intendant Willi Steul. Herr Steul, "Fazit", "Interview der Woche", "Essay und Diskurs", "Kulturfragen", "Zwischentöne" - warum wurde das Nachtprogramm des Deutschlandfunks umgestrickt?

Willi Steul: Ich glaube, wenn wir konsequent vom Hörer her denken - und das sollten wir unbedingt; wir machen Programm ja nicht für uns selbst -, dann müssen wir uns fragen, wer ist eigentlich der Hörer unserer Programme. Das sind die Hörer der sogenannten "gehobenen" Programme, Kultur- und Informationsprogramme, und dazugehört der Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen, aber auch die Kulturprogramme der ARD zum Beispiel und Info. In der Nacht wird dieses Angebot für den Kunden, für den Hörer relativ schmal.

Dann gab es bisher nur weitestgehend klassische Musik im Deutschlandfunk und in den ARD-Kulturprogrammen zusammengeschlossen Klassik, und dann gibt es als Alternative nur das ARD-Inforadio. Und wenn ich konsequent vom Hörer her denke, ja dann ist das zu schmal. Und der Deutschlandfunk zeichnet sich ganz besonders aus durch in aller Regel Halbstundensendungen, von Fachredaktionen gemacht, glänzende Geschichten den ganzen Tag.

In der Nacht haben wir eine andere Hörerschaft und so die Entscheidung: Wir wiederholen wertvolle Sendungen des Tages in der Nacht, weil dort auch andere Hörer zuhören, weil es dort andere Hörer gibt, und damit hat der Hörer eine ganz klare eindeutige Alternative zu dem anderen Angebot der gehobenen Programme.

Wuttke: Sind das denn immer Wiederholungen aus dem Tagesprogramm?

Steul: Es sind nicht immer Wiederholungen. Es sind teilweise Einzelsendungen und Erstsendungen, die dann am Tage wiederholt werden, weil es gibt ja keinen Menschen, der 24 Stunden am Tag Radio hört. Wir wissen auch, dass in der Nacht der allergrößte Teil der Radionutzung mobil geschieht, also im Auto, da sind Menschen unterwegs, und wer nachts arbeitet, der schläft am Tag.

Wuttke: Also heißt das, diese Deutschlandfunk Radionacht hat ein Alleinstellungsmerkmal?

Steul: ... hat in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt in der Bundesrepublik ein ein bisschen ähnliches Programm, aber doch mit sehr regionalem Touch, das ist WDR5. Den können Sie hören im Gebiet in Nordrhein-Westfalen, im Gebiet des Westdeutschen Rundfunks. Aber Deutschlandradio mit seinen drei Programmen, vor allen Dingen den beiden großen Kernprogrammen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur, senden ja bundesweit.

Und vielleicht noch eine Erwähnung: Sechs Millionen Menschen sind es, die täglich diese gehobenen Programme hören, und unsere Programme haben daran einen doch sehr ordentlich stabilen Anteil von etwas über zwei Millionen, und diesen Menschen bieten wir jetzt nachts eine klare Alternative.

Wuttke: Einige Sendungen, die jetzt in der Nacht im Deutschlandfunk aus Köln zu hören sein werden, habe ich schon erwähnt. Aber jede Nacht unter der Woche gibt es eine andere Programmzusammenstellung. Nach welchen Kriterien sind die einzelnen Nächte denn zusammengestellt worden?

Steul: Es gibt verschiedene Kriterien. Eines davon war übrigens auch, was haben wir im Tagesprogramm von Deutschlandfunk nicht, was wir vielleicht im Tagesprogramm von Deutschlandradio Kultur haben. In Deutschlandradio Kultur läuft jeden Tag um 18 Uhr die "Weltzeit". Das ist Außenpolitik, außenpolitische Reportagen, manchmal in Magazinform. Also setzen wir auch in der Nacht die "Weltzeit". Aber wir können die "Weltzeit" zum Beispiel in der Nacht von Sonntag auf Montag nicht setzen, weil wir am Sonntag keine "Weltzeit" haben.

Wuttke: Wie sieht es dann am Wochenende aus?

Steul: Am Wochenende, wo die Hörer auch ein anderes Hörverhalten haben, wo in der Nacht nicht so viele Menschen auf der Autobahn unterwegs sind und wo man etwas anderes erwartet, da bleiben wir bei der Musik. Da wird die Nacht von Freitag auf Samstag gestaltet mit Jazz, mit Blues, mit besonderen Musikfarben, anspruchsvollen Musikfarben. Und die Nacht von Samstag auf Sonntag wird konsequent der Klassik gewidmet.

Wuttke: Wie steht es um die Kosten dieser Programmumstellung?

Steul: Wort ist teuer. Wir haben im Moment auch eine große Diskussion, auch unter unseren Hörerinnen und Hörern und dem Publikum in Deutschland, in der Umstellung dieses Gebührenmodells auf das Haushaltsmodell. Es gibt eine zunehmende Diskussion auch über, was bietet die öffentlich-rechtliche Familie an, und ich glaube, da haben wir auch eine Notwendigkeit, uns damit auseinanderzusetzen und auch mit den Kosten.

Ich hätte furchtbar gerne Hörspiel, künstlerisches Feature in der Nacht ausgestrahlt, auch in Wiederholung, nur da sind die Kosten zu hoch. Und wir können wertvolle aktuelle Sendungen des Tages einmal in der Nacht wiederholen, ohne zusätzliche Kosten, und so ist das weitestgehend gegenüber dem Programm, was wir bis gestern gesendet haben in der Nacht, und dem jetzigen neuen Wortprogramm kostenneutral. Da wir sehr transparent und auch vorsichtig mit dem Geld umgehen müssen, hat sich eigentlich Neuproduktion verboten.

Wuttke: Deutschlandradio-Intendant Willi Steul über die Wortnacht in unserem Schwesterprogramm Deutschlandfunk. In der vergangenen Nacht war die Premiere. Besten Dank, Herr Steul.

Steul: Bitte schön, Frau Wuttke.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.