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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 24.08.2013

Eine Institution des deutschen Samstagabends

Vor 50 Jahren ging das ZDF-Sportstudio auf Sendung

Von Eduard Hoffmann

Fußball-Nationalspieler Franz Beckenbauer zu Gast in der ZDF-Sportsendung Aktuelles (undatierte Aufnahme aus den 70er Jahren) (dpa/picuture-alliance/ marchewka)
Fußball-Nationalspieler Franz Beckenbauer zu Gast in der ZDF-Sportsendung Aktuelles (undatierte Aufnahme aus den 70er Jahren) (dpa/picuture-alliance/ marchewka)

Am 24. August 1963 begannen beide: die Fußball-Bundesliga und das ZDF-Sportstudio. Nach wie vor erfreuen sie sich großer Beliebtheit - auch wenn die gemeinsame Geschichte nicht ohne Krisen und Skandale verlief.

"Heute beginnen die Spiele der Bundesliga und wir sind mit unseren Mikrofonen in Gelsenkirchen beim Spiel Schalke gegen den VfB Stuttgart, …"

Nach langen und zähen Debatten um eine Profiliga, die bis in die 1920er Jahre zurückgehen, startet die Fußball-Bundesliga schließlich am 24. August 1963.
Am gleichen Abend geht auch das Aktuelle Sportstudio im Zweiten Deutschen Fernsehen auf Sendung.

"Zehn Uhr, live aus Mainz herzlich willkommen zum ZDF-Sportstudio…"

Berichte von den Bundesliga-Spielen stehen bis heute im Zentrum der unterhaltsamen Sport-Show. Die Bedingungen sind anfangs abenteuerlich. Um die Spielreportagen fertigzustellen, müssen die Filme aus den Stadien erst nach Eschborn gebracht werden. Moderator Wim Thoelke erinnert sich später.

"Das ZDF hatte damals als provisorische Sendezentrale im kleinen Taunusort Eschborn einen alten, sehr vergammelten Bauernhof, und in der Scheune war das Studio und im Schweinstall, glaub ich, war die Regie und im Kuhstall war die MAZ, also die elektronische Aufzeichnung untergebracht."

Die Live-Sportsendung glänzt weniger durch Perfektionismus als durch interessante und illustre Studiogäste aus Sport und Showbusiness. Markenzeichen wird bald die Torwand. Auch Mike Krüger versucht sich:

"Da erst unten?"
"Erst unten, ja."

Die Bundesliga wird in den 70er Jahren von den spannenden Duellen zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München geprägt. In der Saison 1970/71 hat die Liga den ersten handfesten Skandal. Im Abstiegskampf werden Spiele manipuliert. 1,3 Millionen DM Bestechungsgelder fließen an Vereine und Spieler.

Ein Drittel der Vereine ist beteiligt. Überführte Fußballer und Funktionäre werden vom Spielbetrieb ausgeschlossen. In den beiden folgenden Spielzeiten kommen 20 Prozent weniger Zuschauer in die Stadien.

Indes sorgt auch das Aktuelle Sportstudio für einigen Unmut, zumindest beim männlich geprägten Fußballpublikum und der Boulevard-Presse. Denn im Februar 1973 moderiert mit Carmen Thomas erstmals eine Frau die beliebte Sendung.

"Guten Abend meine Damen und Herren, (…) Bayern München hat mir zwar einen Blumenstrauß geschickt, aber acht Zuschauer haben mir geschrieben, dass das doch ein ziemlicher Unfug wäre, dass jetzt auch hier eine Dame auftrete."

Legendär bleibt ihr Versprecher "Schalke 05" statt Schalke 04. Nach eineinhalb anstrengenden Jahren verlässt die junge Journalistin das ZDF.

Die Bundesliga spielt sich in den 80er Jahre in eine Krise. Einfallsloses Ballgeschiebe, Abseitsfallen und ständige Fouls provozieren vermehrt Proteste und Randale unter den Fans. Die Folge ist ein erneuter Zuschauerrückgang.

Dennoch drängen die privaten Fernseh-Anbieter ins Fußballgeschäft. RTL sichert sich 1988 für die Sendung "Anpfiff" die Übertragungsrechte der Bundesliga, die bis dahin an die ARD Sportschau vergeben wurden. 1992 erhält Sat1 mit der Fußball-Show "ran" den Zuschlag vom DFB. 150 Millionen DM sind dem Münchner Medienmogul Leo Kirch die Fernsehrechte wert.

"Tooor in Stuttgart, 2:2, Maza, der Abwehrspieler in der Innenverteidigung hat das Tor gemacht, Tooor, na jetzt fallen sie aber, Tor in Berlin …"

Nach dem Fall der Mauer kommt es auch zur fußballerischen Vereinigung Deutschlands. DDR-Vereine werden in die Bundesliga aufgenommen, aber es kommt zum Ausverkauf der guten Spieler an West-Klubs. Letztlich können sich die Ost-Vereine wie Hansa Rostock, Dynamo Dresden oder Lok Leipzig nicht in der Bundesliga halten.

Spannender Offensivfußball macht die Ligaspiele in den 90er Jahren wieder attraktiver. Die Zuschauerzahlen steigen, das Geschäft boomt. In den letzten Jahren zählen die Klubs im Schnitt 40.000 Besucher pro Spiel. Um die Gewinne weiter zu steigern, vermarkten sich die Bundesliga-Vereine seit 2001 unabhängig vom DFB. Die dafür eigens gegründete DFL, die Deutsche Fußball Liga verschafft den Vereinen für die kommende Saison alleine 628 Millionen Euro an Fernsehgeldern.

Auch das ZDF-Sportstudio zeigt weiterhin Bundesliga-Fußball und ist nicht mehr wegzudenken aus der Samstagabend-Fernsehunterhaltung. Harry Valerien, einer der Sportstudio-Pioniere, resümiert 2001:

"Es hat sich so viel nicht geändert. Es ist natürlich noch mehr Gewicht auf Fußball gelegt worden, aber heut geht’s ja nur um die Quote und dann sinkt das natürlich ab, wenn nicht gleich Fußball kommt. "

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