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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 29.12.2011

Eine Hommage an die Mutter und sich selbst

Diane Keaton: "Damals Heute", aus dem Amerikanischen von Frauke Brodd, btb Verlag, München, 2011

Die Schauspielerin Diane Keaton erhielt einen Oscar für eine Rolle in "Der Stadtneurotiker".
Die Schauspielerin Diane Keaton erhielt einen Oscar für eine Rolle in "Der Stadtneurotiker". (AP)

Die Schauspielerin Diane Keaton, bekannt aus Filmen wie "Der Pate", "Club der Teufelinnen" und "Was das Herz begehrt", legt berührend persönliche Erinnerungen vor. Unaufgeregt, offen und selbstkritisch erzählt sie von ihrem Leben und dem ihrer Mutter.

Diane Keaton erweist sich in ihrer Autobiografie als die, die wir von der Leinwand kennen: eine kluge und eigenwillige Frau. Dieses Buch ist offensichtlich nicht von einem auf Effekte bedachten Ghostwriter geschrieben, es handelt sich auch nicht um eine naive Präsentation der Karrierestationen eines Kinostars. Diane Keaton hat vielmehr ein berührendes und kluges Buch über das eigene und vor allem das Leben ihrer Mutter geschrieben. Der Titel ist ganz wörtlich zu verstehen: Nichts, was heute passiert, ist, ohne die Träume und den Alltag von damals zu begreifen.

Natürlich beantwortet dieses Buch auch die erwartbaren Leserfragen an eine bewunderte Schauspielerin: Wie hat alles angefangen (das Musical "Hair" 1969 spielte eine entscheidende Rolle), wie funktionierten und wie scheiterten die Lieben zu den berühmten Männern (Woody Allen, Warren Beatty und Al Pacino vor allem), wie waren die Dreharbeiten (etwa mit Francis Ford Coppola beim zweiten und dritten Teil von "Der Pate"), wie kam es – nach lauter Flops - zu dem erstaunlichsten Film ihrer Alterskarriere ("Was das Herz begehrt" mit Jack Nicholson), und warum adoptierte die damals schon über 50-Jährige ihre beiden Kinder (denen sie Vater und Mutter zugleich sein muss)? Von all dem erzählt Diane Keaton offenherzig und intelligent, sie beschreibt die Bulimie, an der sie als junge Schauspielerin litt, den Schmerz nach der Trennung von Al Pacino oder die ewigen Zweifel an der eigenen Attraktivität.

Vor allem ist diese Autobiografie aber eine Hommage an ihre Mutter. Deren Tagebücher zitiert sie, webt sie ein in den eigenen Text, entwirft so das Porträt einer schönen und lebensklugen Frau, die ihre große Liebe jung heiratete, die für ihre vier Kinder, ihre Familie die persönlichen Wünsche hintanstellte, um dann im fortgeschrittenen Alter noch einmal ein neues Arbeitsleben zu beginnen, und die ihr ganzes Leben lang geschrieben, das eigene Leben und das ihrer Kinder kommentiert und festgehalten, die ein wahres Tagebuchwerk hinterlassen hat.

Das Buch von Diane Keaton ist aber nicht allein eine Liebeserklärung an ihre beeindruckende Mutter geworden, ein Zeugnis inniger Verbundenheit, es berichtet auch mit großer Genauigkeit, Zuwendung und natürlich auch Schmerz vom Verlöschen dieser Mutter, die an Alzheimer erkrankte, sich selber und ihrer Familie fremd wurde. Diane Keaton gelingt es, der Krankheit zwar nicht den Schrecken zu nehmen, aber der Mutter immer die Würde zu lassen.

Heute lebt Diane Keaton zusammen mit ihren beiden Adoptivkindern, denen das Buch nicht zuletzt gewidmet ist. Sie erzählt davon, wie Tochter und Sohn als Babys zu ihr kamen, wie sie sie gerettet haben aus "einem Leben in Vereinsamung". Es gibt schöne Fotos in diesem Band, auf denen man auch die Collagen der Mutter betrachten kann. Deren Lieblingswort und Lieblingsbeschäftigung war "nachdenken". Aus diesem lesenswerten, letztlich heiter auf das Damals und das Heute blickenden Buch erfährt man, dass die uneitle Schauspielerinnen-Tochter der Mutter nicht nur äußerlich ähnlich sieht.

Besprochen von Manuela Reichart

Diane Keaton: "Damals Heute"
Aus dem Amerikanischen von Frauke Brodd
btb Verlag, München, 2011
320 Seiten, 21,99 Euro

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