Samstag, 1. November 2014MEZ15:12 Uhr

Buchkritik

Mexiko-RomanWeiblicher Widerstand im Drogenkrieg
Angehörige demonstrieren am 25.11.2003 mit Pappfiguren als Symbole für die getöteten Frauen in Ciudad Juarez. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte international Berühmtheit - zwischen 993 und 2007 wurden hier 393 Frauen ermordet. "Welthauptstadt der Frauenmorde" ist deshalb das Image, das der Stadt weltweit anhängt.

Das Mädchen Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf. Dort sind die Männer verschwunden und die Frauen verstecken ihre Töchter vor den Drogenbossen. Doch Ladydi sieht einen Ausweg aus dieser unwirtlichen Welt. Mehr

BoxenEin grelles Porträt voller Leidenschaft
Eine Szene aus dem Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen George Foreman (l) und Muhammad Ali am 1. Oktober 1975 in Manila.

George Foreman und Muhammad Ali: Ihr Boxkampf in Kinshasa Mitte der 70er-Jahre gilt bis heute als ein Kampf der Giganten. Er verzögerte sich allerdings mehrere Wochen. In dieser Zeit entstand die Reportage des amerikanischen Journalisten Bill Cardoso.Mehr

weitere Beiträge

Literatur

Deutsche MythenTatort Wartburg
Die Wartburg Eisenach (Thüringen)

In fast zehn Jahrhunderten wechselvoller deutscher Geschichte war die Burg Zuflucht oder Bühne großer historischer Figuren. Trägt das symbolische Kapital bis heute?Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 01.07.2012

Eine Frage der Erziehung

Ingrid Buschmann: "Schlaue Mädchen, coole Jungs ... ticken in der Schule anders", Ueberreuter Verlag

Jungs und Mädchen plagen und der Schule oft ganz unterschiedliche Probleme
Jungs und Mädchen plagen und der Schule oft ganz unterschiedliche Probleme (picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Der Sohn ist ein mieser Schüler und stolz darauf. Die Tochter kann es besser, traut sich aber nichts zu. Das kann Eltern zur Verzweiflung bringen. Die Pädagogin Ingrid Buschmann will Abhilfe schaffen. In ihrem Ratgeber beschreibt sie typische Probleme von Jungs und Mädchen.

Wenn ein Junge mit versteinertem Gesicht aus der Schule kommt, liegt das nicht unbedingt an der verhauenen Klassenarbeit, sondern oft eher an einem Kontrollversagen. Er hat vielleicht bei einer "Mutprobe" einen Rückzieher gemacht - deshalb die coole Maske. Eltern, die jetzt lieber zuerst von sich selbst erzählen, vielleicht von einer schlimmen Intrige am Arbeitsplatz, helfen am besten. Denn wenn Jungs spüren, dass auch sie keine Helden sein müssen, können sie die coole Maske ablegen und sich den Kummer von der Seele reden.

Jungs sind eben so, schreibt Ingrid Buschmann. Die Erziehungswissenschaftlerin akzeptiert einen Status Quo, in dem überholte Rollenbilder vorhanden sind - sogar in Kinderköpfen. Anerzogen oder angeboren? Das ist ihr ziemlich egal. Entscheidend ist, was man draus macht. Dass hier eine Praktikerin spricht, ist in jeder Zeile spürbar. Alles, was die Autorin in 40 Jahren Arbeit als Elternvertreterin erlebt hat, ist in ihr Buch eingeflossen.

In sieben Kapiteln beschreibt sie typische Probleme von Mädchen und Jungen, vom Lesenlernen bis zur Berufswahl und liefert dazu einen informativen Abschnitt über die ersten Prägungen von Babys. Einige Ausdrücke klingen für deutsche Ohren ungewohnt, weil Buschmann hauptsächlich in Österreich gearbeitet hat. Dort sagt man eben "Schulbub". Wer die eine oder andere Schilderung von "hübschen jungen Damen" und "draufgängerischen Burschen" dennoch etwas klischeehaft findet, der kann sich leicht trösten: Die meisten Erziehungstipps sind für Mädchen und Jungen anwendbar - egal, ob es um Selbstbewusstsein geht oder darum, Risiken richtig einzuschätzen.

Auf dünnes Eis begibt sich die Autorin nur dort, wo sie einen größeren gesellschaftspolitischen Bogen spannt: Die gefährliche Risikofreude von Jungs sei später im Geschäftsleben durchaus nützlich - denn die Strategien eines Geschäftsmannes seien ja realistisch fundiert. Das darf man angesichts der "Zocker", die eine weltweite Finanzkrise ausgelöst haben, durchaus bezweifeln.

Buschmanns Erziehungsmodell ist ein kooperatives. Immer wieder fordert sie, dass Kinder Regeln auch verstehen müssen. Ein aufsässiges Kind, das gut argumentiert, ist ihr lieber als ein gehorsames Kind ohne eigene Urteilskraft. Sie behauptet sogar: Je mehr zu Pubertätszeiten in einer Familie die Fetzen fliegen, desto gesünder ist das Familienklima. Erziehung macht eben nicht immer Spaß. Dieses Buch schon.

Besprochen von Doris Anselm

Ingrid Buschmann: Schlaue Mädchen, coole Jungs ... ticken in der Schule anders
Ueberreuter Verlag, Wien 2011
175 Seiten, 17,95 Euro