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Ein umstrittenes Projekt

"Zeitungszeugen" druckt Originale von Tageszeitungen der Nazizeit nach

Von Susanne Lettenbauer

Der britische Verleger Pete McGee ist der Herausgeber des Wochenzeitungsprojekts "Zeitungszeugen"
Der britische Verleger Pete McGee ist der Herausgeber des Wochenzeitungsprojekts "Zeitungszeugen" (AP)

Seit heute liegt sie wieder an den Zeitungskiosken aus: Die umstrittene Zeitschrift "Zeitungszeugen". Mit ihr will der britische Verleger Peter McGee die Originale von Tageszeitungen aus der Nazizeit an die Öffentlichkeit bringen. Zuletzt sollten der Zeitschrift Auszüge aus Hitlers Werk "Mein Kampf" beiliegen. Doch der bayerische Freistaat wehrt sich.

Kann ein deutscher Bürger, sollte ein deutscher Bürger heute noch den "Völkischen Beobachter lesen"? Oder die Nazihetzschrift "Der Angriff"? Dürfen diese verheerenden Propagandaschriften heute am Kiosk verkauft werden? Der britische Verleger und Historiker Peter McGee tut dies seit etlichen Jahren. Europaweit. Zuerst verkaufte er die historischen Heftchen in Griechenland, dann in Norwegen, Belgien und Österreich.

Überall fand der Verleger interessierte Abnehmer. Die Idee stammt von der britischen Tradition, zu jedem Krönungsjubiläum der Queen die alten Zeitungen nachzudrucken mit Erklärungen von Historikern und Zeitzeugen.

Seit dem 7. Januar 2009 kann man diese "Zeitungszeugen" auch an deutschen Kiosken finden. Um Kritik der deutschen Öffentlichkeit von vorherein im Keim zu ersticken, holte sich der Herausgeber für die wissenschaftliche Beratung vorsorglich große Namen: Im Beirat sitzen so prominente Historiker wie Hans Mommsen und Peter Longerich. Auch der deutsche Geschichtslehrerverband ist dabei.

Die wöchentlich am Donnerstag erscheinende Zeitschrift geht jeweils immer einem Thema nach , das mit zwei bis maximal vier Zeitungen aus der NS-Zeit illustriert wird. Dabei geht es nicht nur um ultrarechte Hetzschriften sondern auch um linksliberale Publikation, so sie um 1933 noch existierten.

Die heutigen Leser scheinen das Kiosk-Historyprojekt zu begrüssen: Rund 50.000 Exemplare seien seit Januar 2009 jeweils verkauft worden, heißt es aus dem verantwortlichen Londoner Verlagshaus Albertas Limited. Der Grund für das Erscheinen auf dem deutschen Markt klingt plausibel: 2009 jährte sich zum 70 mal der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, Anlass dem Leser anhand vom Völkische Beobachter und Co. einen Originaleindruck der Situation im Dritten Reich zu geben.

Doch der Nachdruck der Nazi-Hetzschriften rief 2009 sofort eine kontroverse Debatte unter Historikern und jüdischen Verbänden hervor. Ob die deutsche Gesellschaft reif sei für das verheerende Propagandamaterial, lauten die Vorbehalte bis heute. Außerdem liegen die Rechte an den Zeitungen teilweise beim Bayerischen Freistaat, der sich gleich nach der ersten Ausgabe prompt wehrte und so weit ging, sämtliche Exemplare in Razzien an den Kiosken zu beschlagnahmen.

Das angestrengte Gerichtsverfahren verlor der Freistaat jedoch. Auch in zweiter Instanz gaben die Richter dem Verleger Recht. Die Begründung: Die Rechte an den Zeitschriften seien nach 70 Jahren ausgelaufen und die Texte damit jedermanns Eigentum. Der Verleger McGee kann heute also alle Originaldokumente bis 1942 veröffentlichen. Aufgrund der kontroversen Debatte wurde das Erscheinen der Zeitungszeugen im Dezember 2010 allerdings vorerst eingestellt.
Die heutige Rückkehr an den deutschen Kiosk sollte von einem besonders Coup begleitet werden.

Nach der Veröffentlichung der Originalzeitungen wagt sich Peter McGee an das "unlesbare Buch", den Besteller der 30 Jahre - "Mein Kampf von Adolf Hitler. In Auszügen und mit Kommentaren versehen sollte es heute den Zeitungszeugen beiliegen.

Doch der Freistaat Bayern ist erneut vor Gericht gezogen und hat dieses Mal gewonnen. Die Freigabe der Rechte an dem folgenschwersten Werk der Nazizeit könnten den Neonazis des 21. Jahrhunderts in die Hände spielen, kritisiert der bayerische Finanzmister Markus Söder.



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