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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 28.02.2013

Ein Traumpaar auf dem Eis

Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler wurden 1963 erstmals Eiskunstlauf-Weltmeister

Von Eduard Hoffmann

Die deutsche Eiskunstläuferin Marika Kilius mit ihrem Partner Hans-Jürgen Bäumler beim Training auf dem Eis. Aufnahme von 1958. (picture alliance / dpa / Fritz Frischmann)
Die deutsche Eiskunstläuferin Marika Kilius mit ihrem Partner Hans-Jürgen Bäumler beim Training auf dem Eis. Aufnahme von 1958. (picture alliance / dpa / Fritz Frischmann)

Sie waren die ersten Popstars im bundesdeutschen Sport: das Eiskunstlaufpaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler. Ganz früh hatten die Eltern das Fundament zur Karriere gelegt. Schon als Teenies wurden die beiden 1957 auf dem Eis ein Paar und feierten einen Erfolg nach dem anderen. Die Illustrierten waren voll von Geschichten über das Traumpaar, das noch heute in Freundschaft miteinander verbunden ist. Eine olympische Goldmedaille war ihnen nicht vergönnt, aber sie wurden zweimal Weltmeister - erstmals vor 50 Jahren am 28. Februar 1963.

"Das Ganze fing an 1956, dass Marika ihrem Partner über den Kopf wuchs. Dann witterte meine Mutter und auch Mutter Leni von Marika natürlich: he, da könnte doch was, sie blond, er schwarz, die passen zusammen und größenmäßig."

Im Herbst 1957 wurde der 15-jährige Hans-Jürgen Bäumler tatsächlich neuer Eiskunstlaufpartner von Marika Kilius. Die damals 14-Jährige war schon seit ihrem sechsten Lebensjahr mit Franz Ningel erfolgreich: dreimal Deutscher Meister, 1956 Vierte bei den Olympischen Spielen und 1957 Vizeweltmeister. Aber weil Marika eben ihren nur 1,58 Meter großen Partner bald um einen ganzen Kopf überragte, begann die märchenhafte Karriere von Kilius/Bäumler, dem Traumpaar der Nation. Marika Kilius:

"Der Jürgen ist nie Paar gelaufen, und das war für ihn sehr, sehr schwierig, und er hat das ja ruckzuck gelernt."

Schon 1958 wurden sie deutsche Meister, ein Jahr später Europameister, und 1960 holten sie olympisches Silber im kalifornischen Squaw Valley.

"Kurzer Anlauf, überhobener Rittberger gesprungen, die letzten Sekunden sind herangekommen, sie gehen hinein in die Zirkelspirale und in den Schluss, in die letzten Takte, in die Zugpirouette mit ständigem Wechsel, so enden Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler hier auf dem Eis der Eisarena von Squaw Valley ihre olympische Kür."

Ein sensationeller Aufstieg, für den die beiden Jugendlichen aber auch auf vieles verzichten und sich unablässig im Training schinden mussten.

Marika Kilius: "Wenn sie jeden Tag aufm Eis stehen und nachts auch, und da ist 25 Grad minus, und es ist nicht ne Halle wie heute, sondern sie trainieren eben draußen im Freien, es ist schon nicht so angenehm."

Hans-Jürgen Bäumler: "Es war eine brutale Zeit, mit vielen verschleppten Erkältungen, meine Mandeln wurden dreimal die Woche abgesaugt mit so einem Glasröhrchen, weil einfach keine Zeit für irgendeine Behandlung war."

Am 28. Februar 1963 krönten Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler ihre Amateurkarriere. Im italienischen Cortina d'Ampezzo gewannen sie die Weltmeisterschaft. Der Reporter Heinz Maegerlein ist ganz angetan, die Tonqualität der Übertragung lässt allerdings arg zu wünschen übrig.

"Ein wunderbarer Anblick, dieses blonde Mädchen im ganz schwarzen Kleid und der dunkelhaarige 21-Jährige aus Garmisch, Hans-Jürgen Bäumler."

Das Thermometer zeigte 15 Grad minus, als die beiden gegen 22 Uhr ihre Kür vor über 13.000 Zuschauern im ausverkauften Eisstadion liefen. Durch die unglückliche Auslosung der Startnummern mussten sie bereits als drittes Paar aufs Eis. Ihre ärgsten Konkurrenten, Ludmilla Belousova und Oleg Protopopov aus der Sowjetunion, liefen erst anderthalb Stunden später. Dann aber hatte das bange Zittern ein Ende.

"Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler haben gewonnen mit 102,9 Punkten und der Platzziffer 11."

Die Begeisterung in der Bundesrepublik war riesig. Die Boulevardblätter brachten eine Geschichte nach der anderen. Wie Popstars zierte das Glamourpaar sogar die Titelseite der "Bravo". Hans-Jürgen Bäumler:

"Wenn Kilius/Bäumler eben abends um acht Uhr liefen, dann ist die Tagesschau eben ausgefallen, es gab keinen Deutschen, der uns nicht kannte. Und ich habe dann von vielen Menschen erfahren, dass man einfach stolz war. Dass von jungen Leuten etwas aus Deutschland in den Rest der Welt getragen wurde, was nichts mehr mit Hitler, mit Judenverfolgung und mit Krieg zu tun hatte. So muss man das sehen."

1964 beendeten Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler ihre grandiose Amateurkarriere: mit der sechsten gewonnenen Europameisterschaft, einer weiteren olympischen Silbermedaille und mit dem zweiten Weltmeistertitel. Das überall beliebte Paar erntete von nun an auch finanziell die Früchte seiner sportlichen Erfolge: bei verschiedenen Eisrevuen, als Schlager- und als Filmstars.

Zu gerne hätte die Republik das Traumpaar auf dem Eis auch vor dem Traualtar vereint gesehen. Marika Kilius heiratete jedoch zweimal einen anderen. Aber bis heute hält ihre Freundschaft zu Hans-Jürgen Bäumler, der nach erfolgreicher Fernseh- und Theaterkarriere immer noch als Hauptdarsteller auf den Boulevardbühnen sehr gefragt ist.

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