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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.01.2013

Ein schwieriger Film

Nominiert für zwölf Oscars: "Lincoln"

Von Hannelore Heider

Schauspieler Daniel Day-Lewis als US-Präsident Abraham Lincoln (picture alliance / dpa /David James / Smpsp / Dreamworks)
Schauspieler Daniel Day-Lewis als US-Präsident Abraham Lincoln (picture alliance / dpa /David James / Smpsp / Dreamworks)

"Lincoln" ist kein Biopic, der Film zeigt nicht, wie der Mann zum Denkmal wurde. Es geht eigentlich nur um vier Monate im Leben des US-Präsidenten und um seinen Kampf für den Verfassungszusatz, der die Sklaverei schließlich verbietet.

Mit zwölf Nominierungen für einen Oscar geht Steven Spielbergs neuer Film "Lincoln" in das Rennen um die begehrtesten Filmpreise der Welt, wobei nicht sicher ist, wie viel Ehre hier den Filmemachern und wie viel dem beliebtesten Präsidenten der USA erwiesen wird. Denn "Lincoln" ist ein schwieriger Film, hoch spannend für alle Geschichts- und Politikinteressierten, ermüdend für Filmfans, die im Kino in ersten Linie ihr Vergnügen suchen.

Denn Lincoln ist kein Biopic, der Film zeigt uns nicht, wie der Mann zu dem Denkmal wurde, das in Stein gemeißelt in Mount Rushmore besichtigt werden kann. Er spürt auch nur in wenigen Szenen den Privatmann auf, so mit seiner Frau Sally und seinem ältesten Sohn Robert, der unbedingt in den Krieg ziehen will. Doch sein Vater ist auf den Schlachtfeldern gewesen, er hat die Massaker auf beiden Seiten gesehen und er weiß, dass der Krieg nicht so schnell beendet sein wird, wie alle hoffen, da doch eine Verhandlungsdelegation der Südstaatler schon auf dem Weg zu ihm ist. Sein Sohn soll nicht unter den Toten sein, auch kein anderer Junge mehr, aber Lincoln zögert die Verhandlungen hinaus und damit sind wir mitten im zentralen Konflikt des Filmes, der den Präsidenten nur vier Monate des Jahres 1865 in einer Schlacht zeigt, die in den gediegenen Räumen und von Politikern ausgetragen wird.

Lincolns großes Ziel ist ein Verfassungszusatz, der die Sklaverei verbieten soll und er tut alles, um das zu erreichen, bevor der Krieg zu Ende und die Nation wieder vereint ist und damit die schwarzen Soldaten wieder Sklaven werden und die Südstaaten Stimme bekommen im Kongress.

Steven Spielberg riskiert damit viel – er zeigt den kühl kalkulierenden Machtstrategen, der lügt und Stimmen kauft bei den oppositionellen Demokraten, die gegen die Abschaffung der Sklaverei sind. Wir erleben einen Mann, der auch seine eigenen Anhänger bricht, weil sie noch radikalere Forderungen haben und seiner Strategie nicht zustimmen wollen. Vor allem aber riskiert er in den langen, für mich hoch spannenden und hoch aktuellen Rededuellen, seine Zuschauer zu verprellen.

Alte Männer mit hässlichen Perücken, düstere Räume, Parlamentsdebatten - das ist, wenn es nicht von Steven Spielberg kommt, Kassengift. Aber der Konflikt von Macht und Moral ist der zentrale Konflikt in der Politik geblieben, bis heute. Und Steven Spielberg hat seinen genialen Kameramann Janusz Kaminski, der allein mit Lichtsetzung Dramatik ins starre Geschehen bringen kann, sowie Charakterdarsteller wie Daniel Day-Lewis, Sally Field als Lincolns Frau, David Strathairn als Außenminister und vor allem Tommy Lee Jones – die allesamt durch ihre Präsenz und Porträtierungskunst zu fesseln vermögen.

USA, Indien 2012. Regie: Steven Spielberg. Darsteller: Daniel Day-Lewis, Tommy Lee Jones, Sally Field, Joseph Gordon-Levitt, David Strathairn.

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