Samstag, 25. Oktober 2014MESZ06:17 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsÜber das Verschwinden
Ein Helikopter landet auf dem Deck eines chinesischen Marineschiffes, das mit der Suche nach der verschollenen Boeing 777-200 im südchinesischen Meer beauftragt ist.

Die "Neue Zürcher Zeitung" und die "FAZ" widmen sich der US-amerikanischen Serie "The Leftovers", die vom Umgang mit dem Unerklärlichen handelt, etwa wenn Menschen einfach so verschwinden. In Wien verschwindet laut "NZZ" der Dialekt.Mehr

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Fazit

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst
Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst. Mehr

TheaterDas ist der Mensch!
Die "Woyzeck"-Inszenierung am Münchner Volkstheater ist ein Wagnis.

Schon unzählige Male kam Büchners Woyzeck auf die Bühne. Am Münchner Volkstheater hat der Regisseur Abdullah Kenan Karaca den Stoff völlig neu zusammengesetzt. Die kühne Inszenierung folgt der Frage: Was ist der Mensch?Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.10.2007

Ein Massaker als Partyspaß

1945 wurden bei einem Fest 180 Juden erschossen

Moderation: Holger Hettinger

Bei einem Fest der Gräfin Thyssen-Bornemisza in Rechnitz, einem kleinen Ort im Burgenland, wurden 180 Juden erschossen. Der Film "Totschweigen" von Margareta Heinrich und Eduard Erne thematisiert das grausame Geschehen im Jahr 1945 und zeigt, dass die Ereignisse bis heute nachwirken.

Holger Hettinger: Rechnitz, eine kleine Gemeinde im südlichen Burgenland, an der Grenze zu Ungarn. Hier sind Ende März 1945 180 Juden erschossen worden - durch Nationalsozialisten, die im Schloss der Gräfin Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, ein Fest feierten, und denen mit der Erschießung "zusätzliche Unterhaltung" geboten werden sollte, so schreibt es heute die FAZ. Ein unglaubliches Ereignis, das der Autor David Litchfield in seinem Artikel nachzeichnet. Wenn man ein wenig sucht in den einschlägigen Publikationen, erfährt man, dass diese Erschießung gut dokumentiert ist. Es gibt einen Verein, der die Erinnerung an die Exekutionen mahnend wach hält, ein Theaterstück und einen Dokumentarfilm: "Totschweigen" von Margareta Heinrich und Eduard Erne.

Herr Erne, Sie haben für Ihren Film die Erschießung der 180 Juden durch die Festgesellschaft auf Schloss Rechnitz rekonstruiert. Was haben Sie herausgefunden?

Eduard Erne: Was wir herausgefunden haben, waren zweierlei Sachen. Das eine ist der historische Hintergrund, der grausam war. Man hat damals ab 1944 versucht, so eine Art Westwall im Osten zu bauen gegen die anrückende Rote Armee und hat da zum Großteil Zwangsarbeiter verwendet für die Bauarbeiten. Das waren ungarische Juden, die zum Teil zu Fuß von Budapest bis an die jetzige österreichisch-ungarische Grenze bewegt wurden. Das waren Tausende von Menschen, und man kann am jetzigen Grenzabschnitt fast überall Orte finden, an denen Erschöpfte, Kranke, nicht mehr arbeitsfähige jüdische Zwangsarbeiter erschossen wurden.

Das ist das eine, das andere ist die extreme Verquickung von einerseits dieser adeligen Firma Batthyány-Thyssen und der örtlichen Prominenz in diese Erschießungen in Rechnitz, die zum Teil bis in den heutigen Tag Wirkung haben, weil der Ort der Erschießung und das Massengrab, in dem die 180 Menschen verscharrt wurden, bis zum heutigen Tag gesucht werden. Und unser Film "Totschweigen" hat genau an dem Punkt angesetzt. Wir haben versucht, die Suche nach diesem Massengrab zu verfolgen, zu zeigen, zu begleiten über fünf Jahre hinweg und haben dabei auch die Ereignisse in dem Ort thematisiert, was damals geschehen ist.

Das gesamte Gespräch mit Eduard Erne können Sie bis zum 18.3.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio

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