Dienstag, 25. November 2014MEZ21:43 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Es gibt keine Sammlung Gurlitt"
Christoph Schäublin, Stiftungsratspräsident des Kunstmuseums Bern, am 24.11.2014 in Berlin bei der Pressekonferenz zur Unterzeichnung der Vereinbarung zum Nachlass des Kunstbesitzers Cornelius Gurlitt.

Wenn "SZ" und "FAZ" dieselbe Überschrift haben, dann muss es schon ein besonderes Thema sein: die Pressekonferenz des Berner Museums zu Gurlitt. Nicht einer Meinung sind die Zeitungen allerdings bei der Deutung der Situation.Mehr

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Fazit

Gurlitt-NachlassSchwieriges Erbe
Das Kunstmuseum in Bern von außen.

Die Sammlung von Kunsthändler-Sohn Cornelius Gurlitt geht an das Kunstmuseum Bern - mit Ausnahme der Werke, die unter Raubkunst-Verdacht stehen. So weit, so gut. Was aber passiert mit der "entarteten Kunst"?, fragt Claudia Wheeler.Mehr

KinoEine Freundschaft im Krieg
Der Dokumentarfilm "The Green Prince" des israelischen Regisseurs Nadav Schirman

Der eine ist Palästinenser und Sohn eines Hamas-Führers. Der andere Israeli und Geheimdienstler. Eigentlich müssten sie Feinde sein, aber sie werden Freunde. In "The Green Prince" erzählt Dokumentarfilmer Nadav Schirman ihre Geschichte. Mehr

SerbienMissbraucht, gefälscht, verschwiegen
Ein Museum in Sarajevo erinnert an das Attentat vom 28. Juni 1914, das zum Ersten Weltkrieg führte: Der Mörder Gavrilo Princip (links) und sein Opfer, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand.

Der Umgang ihres Heimatlandes mit der eigenen Geschichte lässt zu wünschen übrig, findet die serbische Historikerin Dubrovka Stojanovic. Sie fordert eine neue Erinnerungskultur und ist damit nicht allein.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.10.2007

Ein Massaker als Partyspaß

1945 wurden bei einem Fest 180 Juden erschossen

Moderation: Holger Hettinger

Bei einem Fest der Gräfin Thyssen-Bornemisza in Rechnitz, einem kleinen Ort im Burgenland, wurden 180 Juden erschossen. Der Film "Totschweigen" von Margareta Heinrich und Eduard Erne thematisiert das grausame Geschehen im Jahr 1945 und zeigt, dass die Ereignisse bis heute nachwirken.

Holger Hettinger: Rechnitz, eine kleine Gemeinde im südlichen Burgenland, an der Grenze zu Ungarn. Hier sind Ende März 1945 180 Juden erschossen worden - durch Nationalsozialisten, die im Schloss der Gräfin Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, ein Fest feierten, und denen mit der Erschießung "zusätzliche Unterhaltung" geboten werden sollte, so schreibt es heute die FAZ. Ein unglaubliches Ereignis, das der Autor David Litchfield in seinem Artikel nachzeichnet. Wenn man ein wenig sucht in den einschlägigen Publikationen, erfährt man, dass diese Erschießung gut dokumentiert ist. Es gibt einen Verein, der die Erinnerung an die Exekutionen mahnend wach hält, ein Theaterstück und einen Dokumentarfilm: "Totschweigen" von Margareta Heinrich und Eduard Erne.

Herr Erne, Sie haben für Ihren Film die Erschießung der 180 Juden durch die Festgesellschaft auf Schloss Rechnitz rekonstruiert. Was haben Sie herausgefunden?

Eduard Erne: Was wir herausgefunden haben, waren zweierlei Sachen. Das eine ist der historische Hintergrund, der grausam war. Man hat damals ab 1944 versucht, so eine Art Westwall im Osten zu bauen gegen die anrückende Rote Armee und hat da zum Großteil Zwangsarbeiter verwendet für die Bauarbeiten. Das waren ungarische Juden, die zum Teil zu Fuß von Budapest bis an die jetzige österreichisch-ungarische Grenze bewegt wurden. Das waren Tausende von Menschen, und man kann am jetzigen Grenzabschnitt fast überall Orte finden, an denen Erschöpfte, Kranke, nicht mehr arbeitsfähige jüdische Zwangsarbeiter erschossen wurden.

Das ist das eine, das andere ist die extreme Verquickung von einerseits dieser adeligen Firma Batthyány-Thyssen und der örtlichen Prominenz in diese Erschießungen in Rechnitz, die zum Teil bis in den heutigen Tag Wirkung haben, weil der Ort der Erschießung und das Massengrab, in dem die 180 Menschen verscharrt wurden, bis zum heutigen Tag gesucht werden. Und unser Film "Totschweigen" hat genau an dem Punkt angesetzt. Wir haben versucht, die Suche nach diesem Massengrab zu verfolgen, zu zeigen, zu begleiten über fünf Jahre hinweg und haben dabei auch die Ereignisse in dem Ort thematisiert, was damals geschehen ist.

Das gesamte Gespräch mit Eduard Erne können Sie bis zum 18.3.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio

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