Freitag, 31. Oktober 2014MEZ15:24 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsSein und Online
Ein Internetnutzer hat ein Tablet auf dem Schoß, darauf ist eine Facebook-Illustration zu sehen. Seine Beine sind über eine Sofalehne geschwungen. 

Im Computer gibt es keine große Pause wie im Theater: Der Besucherschwund der Analog-Bühnen beschäftigt heute mehrere Feuilletonisten. Sind Twitter und Facebook schuld oder gar die "Blogwarte", von denen einer schreibt? Mehr

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Fazit

Goethe 2.0Das Leben eines Universalgenies digital
Auf dem Bild "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein liegt Goethe hingebettet vor einer italienischen Landschaft

Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik: "Propyläen. Forschungsplattform zu Goethes Biographica", nennt es sich. Wird der moderne Mensch den alten Dichter durch die digitalen Medien besser verstehen? Mehr

Filme der WocheSolidarität in den 80ern und heute
Die belgischen Brüder Jean-Pierre (l) and Luc Dardenne (r) bei der Vorstellung ihres Films "Zwei Tage, eine Nacht" beim Valladolid International Film Festival in Spanien, aufgenommen am 18.10.2014

Engagement, Kooperation und Mitgefühl auf der Leinwand: Das mitreißende britische Sozialdrama "Pride" punktet mit Spaß und Pointen; "Zwei Tage, eine Nacht" der Gebrüder Dardenne zeigt den Kampf einer Angeschlagenen in einem Klima sozialer Kälte.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.10.2007

Ein Massaker als Partyspaß

1945 wurden bei einem Fest 180 Juden erschossen

Moderation: Holger Hettinger

Bei einem Fest der Gräfin Thyssen-Bornemisza in Rechnitz, einem kleinen Ort im Burgenland, wurden 180 Juden erschossen. Der Film "Totschweigen" von Margareta Heinrich und Eduard Erne thematisiert das grausame Geschehen im Jahr 1945 und zeigt, dass die Ereignisse bis heute nachwirken.

Holger Hettinger: Rechnitz, eine kleine Gemeinde im südlichen Burgenland, an der Grenze zu Ungarn. Hier sind Ende März 1945 180 Juden erschossen worden - durch Nationalsozialisten, die im Schloss der Gräfin Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, ein Fest feierten, und denen mit der Erschießung "zusätzliche Unterhaltung" geboten werden sollte, so schreibt es heute die FAZ. Ein unglaubliches Ereignis, das der Autor David Litchfield in seinem Artikel nachzeichnet. Wenn man ein wenig sucht in den einschlägigen Publikationen, erfährt man, dass diese Erschießung gut dokumentiert ist. Es gibt einen Verein, der die Erinnerung an die Exekutionen mahnend wach hält, ein Theaterstück und einen Dokumentarfilm: "Totschweigen" von Margareta Heinrich und Eduard Erne.

Herr Erne, Sie haben für Ihren Film die Erschießung der 180 Juden durch die Festgesellschaft auf Schloss Rechnitz rekonstruiert. Was haben Sie herausgefunden?

Eduard Erne: Was wir herausgefunden haben, waren zweierlei Sachen. Das eine ist der historische Hintergrund, der grausam war. Man hat damals ab 1944 versucht, so eine Art Westwall im Osten zu bauen gegen die anrückende Rote Armee und hat da zum Großteil Zwangsarbeiter verwendet für die Bauarbeiten. Das waren ungarische Juden, die zum Teil zu Fuß von Budapest bis an die jetzige österreichisch-ungarische Grenze bewegt wurden. Das waren Tausende von Menschen, und man kann am jetzigen Grenzabschnitt fast überall Orte finden, an denen Erschöpfte, Kranke, nicht mehr arbeitsfähige jüdische Zwangsarbeiter erschossen wurden.

Das ist das eine, das andere ist die extreme Verquickung von einerseits dieser adeligen Firma Batthyány-Thyssen und der örtlichen Prominenz in diese Erschießungen in Rechnitz, die zum Teil bis in den heutigen Tag Wirkung haben, weil der Ort der Erschießung und das Massengrab, in dem die 180 Menschen verscharrt wurden, bis zum heutigen Tag gesucht werden. Und unser Film "Totschweigen" hat genau an dem Punkt angesetzt. Wir haben versucht, die Suche nach diesem Massengrab zu verfolgen, zu zeigen, zu begleiten über fünf Jahre hinweg und haben dabei auch die Ereignisse in dem Ort thematisiert, was damals geschehen ist.

Das gesamte Gespräch mit Eduard Erne können Sie bis zum 18.3.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio

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