Seit 12:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 12:07 Uhr Studio 9
 
 

Thema / Archiv | Beitrag vom 12.01.2011

"Ein ganz trauriges Armutszeugnis für die Menschheit"

Ernährungswissenschaftler fordert Ende der Massentierhaltung und Subventionierung der Bio-Landwirtschaft

Massentierhaltung ist umstritten. (AP)
Massentierhaltung ist umstritten. (AP)

Der Ernährungswissenschaftler und emeritierte Professor der Universität Gießen, Claus Leitzmann, hat die Massentierhaltung in Deutschland und in der EU kritisiert und die Umlenkung der gewaltigen EU-Agrarsubventionen in die Biobranche gefordert.

"Insgesamt ist das ein ganz trauriges Armutszeugnis für die Menschheit", sagte Leitzmann zu der Art und Weise, wie derzeit in Deutschland und Europa Lebensmittel produziert werden. Gemeinsam mit 300 anderen Professoren hat er daher einen Appell gegen die Massentierhaltung unterzeichnet.

Besonders klagte Leitzmann die konventionelle Landwirtschaft an. Auch Bio-Bauern hätten 500, 1000 oder 2000 Tiere - "die kann man immer noch artgerecht halten", so Leitzmann. "Aber was wir heute erleben mit 20.000. 40.000 oder 50.000 Tieren in einem Gehege, das kann nicht gut gehen."

Die Tiere würden unter Bedingungen gezüchtet, "die uns als Menschen, wenn wir etwas ethischen Verstand haben, einfach zuwider sein müssen", sagte der Ernährungswissenschaftler. Gleichzeitig würden solche Massenbetriebe aber etwa 80 Prozent der EU-Subventionen erhalten - was wiederum fast 50 Prozent des gesamtes EU-Etats ausmache.

Leitzmann appelliert an die die Politik, diese Gelder vernünftiger einzusetzen und in eine "sozial-ökologische Landwirtschaft" fließen zu lassen.

Er betonte dabei, dass es sehr wohl möglich sei, ein 80-Millionen-Volk mit einer ökologischen Lebensmittelproduktion zu ernähren, wenngleich dann "deutlich weniger Fleisch" gegessen werden dürfe. "Es geht dann nicht, dass jeder Mensch drei Mal am Tag Fleisch isst" - morgens Schinken, mittags das Kotelett und abends wieder Wurst. Das sei aber nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern für bewegungsarme Menschen auch gesünder.

Schrittweise solle die Politik diese Entwicklung unterstützen. So habe man in Skandinavien bereits "gesunderhaltende, schonende Lebensmittel im Preis reduziert und andere dafür mit zusätzlichen Steuern belegt. Und siehe da, die Leute können über das Portemonnaie zu einer besseren, vernünftigeren Ernährung befähigt werden", sagte der Wissenschaftler.


Das vollständige Gespräch mit Claus Leitzmann können Sie bis zum 12.6.2011 als
[url=http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/01/12/drk_20110112_1508_5c78e334.mp3
title="MP3-Audio" target="_blank"]MP3-Audio[/url] in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Thema

Karl der GroßeKunstsinniger Barbar
Eine Figur Karls des Großen steht am 16.06.2014 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) im Centre Charlemagne. Die Ausstellung "Karl der Große, Macht, Kunst, Schätze" ist vom 20.06.2014 bis zum 21.09.2014 in Aachen zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Er war einer der Gründungsväter Europas: Karl der Große hat die karolingische Renaissance eingeleitet. Eigentlich sei es ihm aber nur um die Legitimierung seiner Macht gegangen, meint Kunsthistoriker Michael Imhof. Mehr

DDR-GeschichteSieg über den Ort des Grauens
Der ehemalige politische Gefangene Gilbert Furian in einer Gefängniszelle der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vom Verein Menschenrechtszentrum in Cottbus (Brandenburg). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Weil er in der DDR Interviews mit Punks publizierte, kam Gilbert Furian in den Cottbuser Knast. In der heutigen Gedenkstätte wird er nun in der Oper "Fidelio" mitsingen - um einen "großen Rucksack Bitterkeit" erleichtert.Mehr

Agenturfotos"Das ist sicher ein Aufbruch"
Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin des US-amerikanischen Internetkonzerns Facebook  (picture alliance / dpa / Foto: Jean-Christophe Bott)

Die Karrierefrau, die am Schreibtisch sitzt, oder das schamlose Zeigen von Terroropfern in Afrika - Sheryl Sandberg von Facebook und Pam Grossman von der Bildagentur Getty Image wollen solchen Klischeefotos etwas entgegensetzen. Sie haben die Datenbank "Lean In Collection" gegründet. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur