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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 24.10.2010

Ein Film in Gold und Brokat

Tilda Swintons Befreiung aus der Rolle der Mustergattin

Von Anke Leweke

Die britische Schauspielerin Tilda Swinton auf der Berlinale 2008. (AP)
Die britische Schauspielerin Tilda Swinton auf der Berlinale 2008. (AP)

"Io sono amore" – "Ich bin Liebe" - ist ein Film, den Regisseur Luca Guadagnino und die Schauspielerin Tilda Swinton gemeinsam entwickelt haben. Sie erzählen die Geschichte einer erstarrten Beziehung.

In der feudalen Villa der Großindustriellenfamilie Recchi wird für ein opulentes Abendessen eingedeckt. Hier haben nicht nur Tafelsilber und Serviettenhalter ihren festen Platz, auch für die einzelnen Familienmitglieder ist eine strenge Sitzordnung vorgesehen. Selbstverständlich thront der Patriarch, der Großvater des Clans, am Tischende.

Die unterkühlte Atmosphäre innerhalb der Familie bestimmt auch die strengen Bildkompositionen dieses Films. Man spürt, dass hier jeder seiner Rolle gerecht werden muss, dass man sich den Vorstellungen und Traditionen des Familienimperiums unterzuordnen hat. So soll der älteste Sohn die Firma weiterführen.

"Es ist der Moment gekommen, mich zur Ruhe zu setzen und meinen Nachfolger zu bestimmen. Mein Sohn hat mich nie enttäuscht….. danke Tancredi, dass Du der Sohn bist, den ich mir immer gewünscht habe."

Erzählt wird der Film aus der Perspektive von Emma, der Mustergattin von Tancredi. Fürsorglich kümmert sie sich um die Familie, unterstützt ihren Mann mit Fachwissen bei seiner Kunstsammlung. Man spürt jedoch schnell, dass es sich um ein Leben im Goldenen Käfig handelt, dass die schöne Emma für Tancredi letztlich nicht mehr als ein perfektes Accessoire ist.

Tilda Swinton ist mit ihrer eleganten Erscheinung die Idealbesetzung für diese Rolle. Souverän ist ihr Auftreten, gleichzeitig verleiht sie Emma von Beginn an eine gewisse Verletzlichkeit. Es ist der junge Koch Antonio, dem sich Emma schließlich anvertrauen, dem sie von ihrem Geheimnis, ihrer russischen Herkunft erzählen wird.

"Als ich nach Mailand kam, habe ich aufgehört, eine Russin zu sein. Für mich gab es von allem zuviel. In den Straßen, in den Geschäften. Ich musste lernen, eine Italienerin zu sein. - "Emma!" - "Tancredi gab mir diesen Namen." - "Und wie ist Dein richtiger Name?" - "Ich weiß es nicht mehr!"

Immer wenn Antonio und Emma aufeinandertreffen, wird die Kamera bewegter. Bewegung kommt tatsächlich in Emmas Leben. Durch die Begegnung mit dem jungen Mann und dessen wohlschmeckenden Gerichten kehren Emmas jahrelang unterdrückte Sinnlichkeit und ihre Lebensfreude zurück.

Radiofeuilleton - Kino und Film

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