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Religionen / Archiv | Beitrag vom 07.09.2013

"Ein erster zaghafter Schritt in die richtige Richtung"

Der Vorsitzende der katholischen Stadtversammlung Frankfurt zur Kritik am Limburger Bischof Trebartz-van Elst

Christoph Hefter im Gespräch mit Kirsten Dietrich

Der Richter Christoph Hefter ist auch Vorsitzender der katholischen Stadtversammlung Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Der Richter Christoph Hefter ist auch Vorsitzender der katholischen Stadtversammlung Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst werden ein autoritäres Verhalten und ein großzügiger Lebensstil vorgeworfen. Auf den Protest der Laien hin gibt es erste Anzeichen einer neuen Offenheit im Bistum. Doch bislang mangele es an einem echten Eingeständnis von Fehlern, sagt der Frankfurter Laienvertreter Christoph Hefter.

Kirsten Dietrich: Im katholischen Bistum Limburg herrscht seit geraumer Zeit Unruhe. Der Unmut entzündet sich vor allem an der Art, in der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sein Amt führt. Der Bischof sei abgehoben von der Welt der Gläubigen, so die Beschwerde, er baue sich selber einen überdimensionierten und überteuerten Amtssitz, während er den Gemeinden seines Bistums einen rigiden Sparkurs verordne.

Vor allem in Frankfurt am Main machte sich der Unmut der Gläubigen Luft in einem Protestbrief, der einen ungewohnt deutlichen Ton anschlägt. Die Bistumsleitung habe Vertrauen verspielt und müsse deshalb umgehend einen anderen Weg einschlagen, um die katholische Kirche noch glaubwürdig zu vertreten, heißt es darin. Gestern Morgen haben Vertreter der Laien im Bistum dem Bischof gut 4300 Unterschriften übergeben. Mit dabei war Christoph Hefter, er ist Richter und Vorsitzender der katholischen Stadtversammlung in Frankfurt. Ich habe mit ihm vor dieser Sendung gesprochen und wollte von ihm natürlich erst einmal wissen, wie diese Unterschriftenübergabe denn verlaufen ist?

Christoph Hefter: Ja, wir sind nach Limburg gekommen in das neue Bischofshaus, das sogenannte Diözesane Zentrum. Wir sind dort freundlich vom Bischof empfangen worden, es war eine gute Gesprächsatmosphäre. Das habe ich auch nicht anders erwartet, weil wenn dem Bischof autoritärer Führungsstil vorgeworfen wird, dann heißt das nicht, dass er nicht das Gespräch führen kann oder suchen kann. Es geht immer eher um die Frage, ob das, was im Gespräch vereinbart worden ist oder was Grundlage des Gesprächs war, dann tatsächlich später auch in die Praxis umgesetzt wird. Und da geht es um Fragen von Glaubhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Vertrauenswürdigkeit, und da sind halt durch viele Ereignisse im Bistum Zweifel aufgetreten und das ist eigentlich der Hauptkritikpunkt.

Dietrich: Das heißt, diese Zweifel sind jetzt auch in dem Gespräch bei der Übergabe dieser Unterschriften nicht ausgeräumt worden bei Ihnen?

Hefter: Wir hatten bei dem Gespräch zur Übergabe der Unterschriften keine Tagesordnung, wo Punkte abgearbeitet worden sind. Wir haben nicht irgendwie Beschlüsse festgelegt, das und das wird jetzt umgesetzt. Dazu war der Termin auch gar nicht da. Es war ja ein Termin, um diese über 4300 Unterschriften zu übergeben, also den Bischof darauf aufmerksam zu machen und auch noch mal zu dem Hintergrund der Aktion zu informieren. Gleichwohl ist es natürlich so, dass man bei einem solchen Gespräch miteinander ins Gespräch kommt, logischerweise, und diese Gesprächsatmosphäre war gut. Ob nachher etwas herauskommt, ob sich tatsächlich etwas ändert, das wird die Zukunft weisen. Das müssten Sie mich eigentlich in einem halben Jahr fragen.

Dietrich: 4300 Unterschriften haben Sie übergeben. Haben Sie den Eindruck, dass der Bischof das ernst nimmt, dass das für ihn eine relevante Menge an Gläubigen ist, die sich da geäußert haben?

"Diese Unterschriften-Aktion war wie ein Ventil für viele Menschen"

Hefter: Ich glaube, das nimmt der Bischof ernst. Die Zahl 4300 Unterschriften ist nicht wenig, sie ist viel. Man muss einmal festhalten, es ist eine Art der Äußerung von Gläubigen gegenüber ihrem Bischof, die in der katholischen Kirche unüblich ist. Es ist einfach eine Aktion, wo man auch im Vorhinein gar nicht sagen konnte, wie das ankommt, ob die Gläubigen darauf reagieren werden. Diese Unterschriften-Aktion war wie ein Ventil für viele Menschen. Sie spüren, dass im Bistum Limburg etwas nicht stimmt, dass sich etwas ändern muss, dass es eine Vertrauenskrise gibt, und sie haben da die Möglichkeit gesehen, mal aktiv was dazu zu tun.

Und die Menschen sind aus allen Teilen der Stadt gekommen, sie sind aus dem Umland teilweise angereist extra in die Innenstadt, zum Haus am Dom, zum Dom, wo die Unterschriften auslagen, sind dort hingefahren, haben sich den Brief durchgelesen, ich habe das beobachten können, wie aufmerksam die Menschen das teilweise gemacht haben, sie haben ihre volle Adresse handschriftlich eingetragen und haben dann die Unterschrift geleistet. Also eine ganz andere Aktion als heute übliche Internetklick-Unterschrift-Aktionen. Das war, denke ich, vor diesem Hintergrund der Spontaneität der Aktion und auch der Kürze der Laufzeit ein hervorragendes Ergebnis, was die Beteiligung angeht.

Dietrich: In Limburg konnten Gläubige ja ganz spontan auch etwas tun, aktiv werden, sie konnten sich nämlich die Bischofsresidenz angucken. Eine ganz schnelle Besichtigung ist da organisiert worden, diese Bischofsresidenz, an der sich eben so viel Kritik entzündet. Ist das eine Reaktion gewesen, denken Sie, auf Ihren Brief, auf Ihre Unterschriften-Aktion?

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst segnet im August 2013 eine Kinder-Krabbelstube in Frankfurt am Main (Hessen). (picture alliance / dpa / Boris Roessler)Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst segnet im August 2013 eine Kinder-Krabbelstube in Frankfurt am Main (Hessen). (picture alliance / dpa / Boris Roessler)Hefter: Nein, ich glaube, das war keine Reaktion jetzt auf die Unterschriften-Aktion. Ich glaube, es wäre auch nicht getan, wenn man auf die Unterschriften-Aktion mit Tagen der Offenen Tür allein reagieren würde. Dass der Bischof die Residenz zeigt, dass dort Führungen stattfinden, dass die Menschen das kennenlernen können, das finde ich in Ordnung, warum auch nicht, das dient auch der Transparenz. Aber das ist ja nicht das eigentliche Problem.

Das eigentliche Problem sind die Dinge, wo man Glaubwürdigkeitsprobleme hat. Und wo der Bischof auch angeeckt ist bei Problemen, die in den öffentlichen Medien ja diskutiert worden sind. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Erste-Klasse-Flug, zum Beispiel mit der Finanzierung dieses Hauses, einmal die Kosten und dann auch die Art der Finanzierung und die Kontrolle des Bischöflichen Stuhls. Das sind Themen, da erwarte ich in der nächsten Zeit substanzielle, offene Information des Bischofs. Ich denke und hoffe, dass es auch dazu kommen wird.

Dietrich: Warum ist der Konflikt im Bistum Limburg überhaupt so eskaliert?

Hefter: Ich denke, das hat mehrere Gründe. Unser Bischof hat eine ganz andere Art der Amtsführung als sein Amtsvorgänger. Und diese Art der Amtsführung ist bei manchen auf Befremden gestoßen. Ich habe nichts gegen feierliche Liturgie, ich bin Katholik, ich bin am Frankfurter Dom in der Nähe groß geworden, ich habe bei Bischofsweihen ministriert, ich habe ministriert, als mal der spätere, damals – das ist lange her –, der dann spätere Papst Johannes Paul II. noch als Kardinal Wojty³a in Frankfurt war, ich habe wirklich feierliche Pontifikalämter im Dom miterlebt und finde das auch eine Ausdrucksweise des Glaubens, die der katholischen Kirche angemessen ist, und die ich sehr schätze. Darum geht es also nicht.

Es geht aber um die Art, wie diese Liturgie gefeiert wird. Wenn dann irgendwelche Dinge eingeführt werden, wo man dann das Gefühl hat, das ist zu abgehoben. Oder wenn ich erlebt habe bei Gottesdiensten, wo ich selbst am Altar, bei der Stadtdekaneinführung selbst mit dabei war, Insignien zu übergeben wie Schlüssel, Evangelium und dergleichen, dann hatte man beim Bischof das Gefühl, der schaut durch einen durch, es gibt keinen Blick, keinen Kontakt. Es ist wie eine abgehobene, steife Veranstaltung gewesen. Und das haben die Menschen in Gottesdiensten mit dem Bischof auch so empfunden und erlebt und das hat sie befremdet. Und es kamen dann eben die Dinge mit großzügigem Lebensstil. Es sind so Kleinigkeiten, es findet eine Rede statt, dann wird das Manuskript aufs Pult gelegt und dann tritt erst der Bischof vor. Es sind wie so abgehobene, uns fremde, höfische Dinge.

Dietrich: Also, das sind Stilfragen, die dann eben doch nicht nur Stilfragen sind, sondern auch auf eine inhaltliche Dimension verweisen. Der Vorgänger, Sie haben das ja angesprochen, Franz Kamphaus, der trat äußerst bescheiden auf, vertrat aber dann auch in den Punkten, die ihm wichtig waren, sehr energisch seine Haltung, Stichwort Schwangerschaftskonfliktberatung. Wie kann man mit diesen Stilunterschieden, die einfach auftreten, wie kann man mit den dahinter liegenden theologischen Unterschieden jetzt umgehen? Was ist da überhaupt für ein Zugehen aufeinander möglich? Denn auch der Bischof Tebartz-van Elst wird ja seinen Stil jetzt nicht von heute auf morgen grundlegend ändern!

"Vor allen Dingen Offenheit und auch echtes Eingeständnis von Fehlern"

Hefter: Es ist ja auch nicht alles zu kritisieren, um Gottes willen. Wir haben zum Beispiel im Bistum Limburg eine Synodalordnung, an der sich die anderen katholischen Bistümer ein Beispiel nehmen könnten, das ist in vielen anderen katholischen Bistümern nicht so ausgeprägt geregelt wie bei uns im Bistum Limburg. Und zum Beispiel, ich bin Vorsitzender der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken. In der Stadtversammlung sind alle Gemeinderäte der Frankfurter Gemeinde und auch verschiedene Einrichtungen der Stadtkirche vertreten durch Delegierte, und die wählen ihren Vorsitzenden selbst, anders als bei pastoralen Beratungsgremien, wo der Vorsitzende immer ein Priester sein muss.

Also, wir sind da im Bistum Limburg durchaus auf einem fortschrittlichen Weg, den auch der Bischof nicht beschnitten hat, nein, er beteuert auch immer, wie wichtig ihm dieser synodale Prozess, das Gemeinsame von Amt und Mandat ist. Das ist nicht der Punkt. Es ist die Art und Weise, ob das dann auch umgesetzt wird, was da gesprochen wird, ob die Themen in die entsprechenden Gremien kommen, die auf den Nägeln brennen. Ob die tragenden Entscheidungen tatsächlich dort stattfinden oder an anderem Ort. Das ist eigentlich die Thematik und da müssen wir dran arbeiten.

Dietrich: Der Bischof hat ja einen Brief an die Gläubigen geschrieben – nicht nur an seine Kritiker, sondern an alle – und darin geschrieben, dass er die skeptischen und kritischen Fragen schätzt, aber eben auch das Vertrauen braucht. Überzeugt Sie diese neue Offenheit aus Limburg, ist das authentisch oder ist das vor allen Dingen geschicktes Krisenmanagement?

Hefter: Ich denke, es ist ein erster zaghafter Schritt in die richtige Richtung, dahin muss es gehen. Wenn Kritik wirklich geschätzt wird, dann, denke ich, wird er auch Kritik zum Beispiel von kirchlichen Mitarbeitern schätzen und nicht abwürgen oder behindern. Ich meine, dass das ein erster Schritt ist. Aber was nachher herauskommen wird, das wird man erst in einem halben Jahr oder Jahr sehen, denke ich.

Dietrich: Welche Veränderungen würden Sie denn überzeugen, sodass Sie sagen, okay, damit ist jetzt wieder eine vertrauensvolle Basis für die Zusammenarbeit geschaffen?

Hefter: Ja, vor allen Dingen Offenheit und auch echtes Eingeständnis von Fehlern. Ja, aber ein wirkliches Eingeständnis, nicht nur ein formelhaftes. Also, so etwas wie Reue, etwas wie "Da habe ich wirklich was falsch gemacht, da ist etwas passiert, das darf so nicht mehr in Zukunft vorkommen". Wenn so etwas deutlich wird, glaubwürdig deutlich wird, dann hat das auch eine Zukunft hier in unserem Bistum, gemeinsam mit unserem Bischof, dass es gut vorangeht. Aber nur dann!

Dietrich: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht in der Kritik. Über die aktuelle Situation sprach ich mit Christoph Hefter. Er ist Vorsitzender der Stadtversammlung in Frankfurt am Main, also der Vertretung der katholischen Laien vor Ort.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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